Wohnen in Berlin, Teil 4

Siehe auch Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

… oder auch: „heute mal in die Sauna“.

Vor ein paar Tagen habe ich mir unglücklicherweise einen „Hexenschuss“ eingefangen, mit entsprechenden Schmerzen im Rücken. Ein Rat vom Arzt war die regelmäßige Anwendung von Wärme. Auch der Besuch in einer Therme wäre dafür durchaus angebracht.

Eine Einrichtung dieser Art, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln von mir aus leicht erreichbar ist, sind die Thermen an der Heerstraße.

Thermen an der Heerstraße

Eine Institution mit dem Charme des alten West-Berlin der 1970er Jahre mit moderatem Eintrittspreis und eher reiferem Stammpublikum, wobei ich durchaus auch einige jüngere Leute dort gesehen habe. Badekleidung ist nach den Saunaregeln unerwünscht und es gibt keine Trennung zwischen Männern und Frauen, weder in der Sauna, noch in der Umkleidekabine oder in den Duschen. Die Stimmung war insgesamt sehr entspannt und hatte schon etwas familiäres an sich, weil auch die ganze Anlage nicht sehr groß ist.

Thermen an der HeerstraßeWer eine moderne, schicke Sauna erwartet, ist hier definitiv falsch. Man merkt, dass hier schon sehr lange keine größeren Modernisierungen erfolgt sind.  Die vorhandene Einrichtung ist aber nicht schmuddelig – nur eben alt.

Dafür gibt es immerhin drei Saunen mit 90°C, 100°C und 110°C, wobei man in der letzten auch einen Aufguss machen kann  (ja, den macht man selbst – so wie es in einer Sauna sein soll), drei Thermalbecken mit 19°C, 30°C und 42°C und einen geschützten Außenbereich mit großem Becken. Letzteres war mir bei nur knapp 10°C Außentemperatur dann aber doch etwas zu kalt. Den Ruheraum mit Liegen habe ich noch nicht ausprobiert – mir haben die Sitzgelegenheiten im Außenbereich auch ausgereicht. Auch Duschen sind reichlich vorhanden, sowohl warm als auch kalt. Wer möchte, kann sich auch kaltes Wasser aus einem Holztrog an der Wand fallen lassen, der dann wieder automatisch aufgefüllt wird.

Die Gastronomie hat sich am Abend auf den „Grillraum“ beschränkt, da das Restaurant mangels Nachfrage nicht geöffnet hat. Die angebotenen Speisen und Getränke sind im Stil „Essen wie bei Mutti“. Veganer haben hier Pech. Aber man bekommt auf Nachfrage zumindest auch fleischlose Dinge. Es gibt diverse Biersorten, Wasser, Fruchtsäfte und eine wechselnde Karte mit Schmalzstullen, Gulaschsuppe, Blut- und Leberwurst mit Kartoffeln und Sauerkraut, Bratkartoffeln mit Leberkäse und Ei oder auch nur Ei, Wurstsalat mit Bratkartoffeln, Eintopf mit Gänsefleisch und Nudeln mit Gemüse. Sehr angenehm: die Bezahlung erfolgt erst am Schluß, wenn man wieder herausgeht, wobei die freundlichen Damen dort einem auf Nachfrage auch jederzeit sagen, wieviel man schon „auf dem Deckel“ stehen hat.

Thermen an der HeerstraßeIch bin bei Bier und Bratkartoffeln mit einer langjährigen Stammbesucherin im Rentenalter in’s Gespräch gekommen, die mir erzählt hat, dass es die Therme schon seit den frühen 1960er Jahren gibt und vor der Wende auch bei ein beliebter Platz bei der West-Berliner Prominenz war. So waren angeblich auch Johannes Heesters oder Rolf Eden in jüngeren Jahren gerne Gast dort. Auch das Restaurant war in früheren Zeiten entsprechend voll. Zitat: „da stand man in Dreierreihen vor der Bar und es war dann auch nicht mehr wichtig, wer prominent war oder nicht – wir waren ja alle nur in Handtuch und Bademantel“.

Wie ich auch gelernt habe, ist Sonntag der Tag, wo eher Laufkundschaft kommt, die wohl überwiegend aus jungen Männern aus Afrika und Marokko besteht und Mittwoch abend kommt üblicherweise eine Gruppe russischer Männer, die gerne auch mal vor, während und nach der Sauna diverse Alkoholika zu sich nehmen, wie ich auch an diesem Abend miterlebt habe (es war aber in keiner Weise störend oder belästigend). An einem Tag der Woche gibt es vormittag auch eine reine Frauensauna, wobei ich nicht mehr genau weiß, ob das Samstag oder Sonntag war – im Zweifelsfall dort nachfragen, da es auf der Website nicht angegeben ist.

Ich werde wohl in Zukunft öfter dort hingehen.

Ein Gedanke zu „Wohnen in Berlin, Teil 4“

  1. Christine

    Ja, in der Tat, Sauna ist was ganz Besonderes. Deswegen habe ich das auch in Augsburg, bzw. in Neusäß bei Augsburg sehr oft genossen und tue dies immer noch. Es ist für mich wie ein Kurzurlaub von der Erholung her. Einfach mal Seele und Sonstiges baumeln lassen. Tut Dir bestimmt auch in Zukunft gut!
    Beste Wünsche und Grüße aus Augsburg!
    Christine

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