Web-Auftritt für Anfänger

Kürzlich wurde ich auf die Website von Björn Böhning, dem Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin aufmerksam.

Herr Böhning dokumentiert auf seiner Website u.A. auch die Keynote zur „Digitalen Agenda“ und im Lebenslauf seine Position als netzpolitischer Sprecher der SPD seit 2009.

Man könnte annehmen, dass der Webauftritt eines Politikers, der schon vor etlichen Jahren als netzpolitischer Sprecher tätig war, wenigstens den grundlegenden handwerklichen Anforderungen genügt (Barrierefreiheit, technisch korrekte Umsetzung etc.). Diese Annahme ist wohl zu naiv – dafür aber ein gutes Beispiel für typische Anfängerfehler, die man vermeiden sollte.

Die Website wird unter der Domain bjoern-boehning.de betrieben. Tatsächlich bemerkt man aber, dass das Öffnen eines Links innerhalb der Website nicht dazu führt, dass sich die angezeigte URL im Browser ändert. Eine Verlinkung auf einzelne Beiträge ist so erheblich erschwert. Dass beide Varianten mit „www.“ und ohne gleichermaßen funktionieren und auch keine Weiterleitung auf den gültigen kanonischen Namen erfolgt, ist wohl auch zu viel verlangt.

Zum Thema „Barrierefreiheit“ ist ein Test mit dem textbasierten Browser Lynx oft sehr aufschlußreich, da man hier einen guten Eindruck davon bekommt, wie die Website für Nutzer/innen von Screenreadern wahrgenommen wird (siehe auch meinen anderen Artikel dazu). Wie zu erwarten, ist das Ergebnis eher ernüchternd:

  FRAME: [1]http://cdsberlin3.wordpress.com/

                               Homepage von Bjoern Boehning

   [2]http://bjoern-boehning.de/

References

   1. http://cdsberlin3.wordpress.com/
   2. http://cdsberlin3.wordpress.com/

Dass sich hinter „cdsberlin3.wordpress.com“ der eigentliche Inhalt verbirgt, ist zumindest nicht direkt ersichtlich. Eine Verwechslungsgefahr mit dem CSD (Christopher Street Day) nicht ausgeschlossen – ob das im Sinne von Herrn Böhning ist?

Der Grund dafür ist, dass die Website tatsächlich bei WordPress unter https://cdsberlin3.wordpress.com gehostet wird (vermutlich im Rahmen eines kostenlosen Accounts) und unter der offiziellen Adresse (die vermutlich kaum mehr ist, als das billigste Hosting-Angebot von 1&1) lediglich ein Frame vorhanden ist, der die WordPress-Website einbindet – selbstverständlich nicht ohne ein noframes-Element, das zwar im Jahr 2015 völlig überflüssig ist, da Browser, die Frames nicht unterstützen, schon seit etwa 20 Jahren nicht mehr existieren, aber das passt zur technischen Kompetenz, mit der hier offenbar gearbeitet wird:

<frameset rows="100%">
<frame src="http://cdsberlin3.wordpress.com/" title="Homepage von Björn Böhning" frameborder="0" noresize="noresize"/>
<noframes>
<body>
<h1>Homepage von Björn Böhning</h1>
<p><a href="http://cdsberlin3.wordpress.com/">http://bjoern-boehning.de/</a></p>
</body>
</noframes>
</frameset>

Die obligatorische Validierung der Website führt erwartungsgemäß auch zu keinem positiven Ergebnis:

http://validator.w3.org/check?uri=http%3A%2F%2Fwww.bjoern-boehning.de/

W3C-Validierung von www.bjoern-boehning.de

Ich kann nur vermuten, dass die Einrichtung einer WordPress-Installation auf dem eigenen Webserver offensichtlich eine technisch zu anspruchsvolle Hürde für den zuständigen Dienstleister von Herrn Böhning ist (oder sind das nur unterbezahlte oder gar nicht bezahlte Praktikant/innen, die froh sind, wenn sie das mit den begrenzten Mitteln überhaupt hinbekommen?). Auch das durchaus erhältliche WordPress-Hosting von 1&1 war wohl entweder gänzlich unbekannt oder im Zweifelsfall mit den etwa 20 EUR im Monat (Stand März 2015) zu teuer. Ebenfalls war man offenbar nicht willens oder nicht fähig, die Erreichbarkeit der Inhalte unter eigener eigenen Domain bei WordPress einzurichten und die dafür fälligen Gebühren von 13 USD pro Jahr zu bezahlen (siehe auch die Beschreibung bei WordPress, wie man das technisch macht) – aber möglicherweise ändert sich das jetzt ja auch, wenn die Veranwortlichen diesen Artikel gelesen haben.

Dennoch sollte man dann auch die WordPress-Seite selbst nicht so belassen, da auch die Überprüfung von https://cdsberlin3.wordpress.com nicht weniger als 9 Fehler liefert.

Ein weiterer Aspekt ist das Menüsystem. Auch wenn es für Herrn Böhning schwer vorstellbar scheint – die Hauptmenüpunkte sind anklickbar und Besucher/innen klicken sowas auch an. Allerdings führt das nicht zu sinnvollen Inhalten, sondern lediglich zu inhaltsleeren Seiten oder Platzhaltern, die WordPress für neu angelegte Seiten erstellt, wie etwa bei dem Menüpunkt „Über mich“ (https://cdsberlin3.wordpress.com/about/):

Ausschnitt aus der Website von Björn Böhning

Da dies ausnahmslos für alle Menüpunkte zutrifft, die noch Unterpunkte enthalten, die Seiten aber sehr wohl mindestens einmal aktiv angelegt worden sind (sonst gäbe es die Menüpunkte nicht), scheint hier ein generelles Unwissen oder Ignoranz bzgl. des Menüsystems von WordPress zu bestehen.

Ich kann nur vermuten, dass die handwerklichen Mängel der Website darauf beruhen, dass Herr Böhning dem Ganzen keine große Bedeutung beimisst, sondern eher als lästige Pflichtübung versteht, auf die man idealerweise wenig bis gar keine Zeit oder gar Geld verwenden will. Zur Nachahmung ist das aber nicht empfohlen und es wirft ein schlechtes Licht auf die Kompetenz eines Politikers, der für sich auch in Anspruch nimmt, Aussagen zu netzpolitischen Themen treffen zu können – wenigstens die Bezahlung fachlich qualifizierter Dienstleister für die eigene Website sollte möglich sein.

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