Update von Windows 7 auf Windows 10

Die finale Version von Windows 10 gibt es bereits seit Juli 2015 und wer noch Windows 7 nutzt, kennt vermutlich auch „GWX“ (Get Windows 10) – ein Programm, dass als Update verteilt wurde und bis Ende Juli 2016 regelmäßig einen Hinweis auf das kostenlose Update auf Windows 10 eingeblendet hat. Ich habe bei meiner Windows-Installation bislang auf ein Update verzichtet, weil es noch gut funktioniert hat und auch noch bis 2020 mit Sicherheitsupdates versorgt wird.

Eine Motivation, nun doch zu wechseln, war die Erkenntnis, dass Anwendungen mittelfristig auch Funktionen von Windows 10 voraussetzen und teilweise dort auch stabiler funktionieren und es, ähnlich wie bei Mac OS X, langfristig Updates für die bestehende Version gibt, ohne dass man jedesmal das komplette System neu einrichten muss.

Einige weitere Neuerungen:

  • „Modern UI“ als Oberfläche, die bereits mit Windows 8 als Nachfolger von „Aero“ eingeführt wurde und deutlich aufgeräumter wirkt, als „Aero“. Neben einer anderen Optik sind darin auch neue Funktionen wie eine „Taskansicht“ und virtuelle Desktops enthalten.
  • Einbinden von ISO-Images und VHD-Containern als Laufwerke
  • Hyper-V für virtuelle Maschinen in Windows
  • DirectX 12
  • Unterstützung für „Universal Apps“ aus dem Windows-Store, die im Gegensatz zu Windows 8 in Fenstern ausgeführt werden.
  • Wieder ein „normales“ Startmenü, nachdem in Windows 8 eine bildschirmfüllende „Kacheloberfläche“ eingeführt wurde.

Update oder Neuinstallation?

In der Vergangenheit war es so, dass man neue Windows-Versionen am besten nicht als Update installiert hat, sondern als Neuinstallation, um Probleme mit „Überresten“ der vorherigen Version zu vermeiden.

Allerdings sind sich Windows 7 und Windows 10 in vielen grundlegenden Punkten sehr ähnlich, weshalb ein Update einen Versuch wert ist. Sollte es nicht klappen, kann man das System immer noch neu installieren. Tatsächlich verlief das Update relativ unspektakulär und war an einem Nachmittag erledigt. Einzig einige Treiber musste ich in einer aktuelleren Version einrichten. Die vorhandene Software lief aber nach wie vor ohne Einschränkungen.

Das Installations-Image hatte ich schon vor einigen Monaten heruntergeladen, weshalb danach noch eine weitere Aktualisierung auf das aktuelle „Creators Update“ nötig war. Auch das verlief ohne Probleme.

Am Ende hatte ich die gewohnte Umgebung, nur eben mit Windows 10 als Grundlage. Kleinere optische Unstimmigkeiten, wie die Anzeige der Uhrzeit in der Taskleiste in schwarzer Farbe, konnte ich durch ein einmaliges Aktivieren des Standard-Designs beheben.

Schnelleres System

Insgesamt ist mein PC mit Windows 10 nicht wesentlich schneller – die Hardware ist ja auch immer noch die selbe. Aber im Detail machen sich Verbesserungen durchaus bemerkbar. So ist das System bei einem Kaltstart in wenigen Sekunden benutzbar und fühlt sich insgesamt etwas flüssiger an.

Neue Oberfläche

Wer schon Windows 8 benutzt, für den ist die Oberfläche von Windows 10 keine große Umstellung, abgesehen vom Startmenü, dass man in Windows 10 wieder eingeführt hat, nachdem das „Kachelmenü“ von Windows 8 stark kritisiert wurde. Erfreulicherweise kann man die kleinen „Kacheln“ im Startmenü komplett entfernen. Es bleibt dann nur eine Liste der installierten Anwendungen übrig und einige Verknüpfungen wie Einstellungen, Herunterfahren des PCs, Datei-Explorer oder zum eigenen Benutzerkonto. Wer weiterhin ein „klassisches“ Startmenü bevorzugt, kann sich mit Classic Shell helfen, das es auch für Windows 10 gibt.

Die „Charms Bar“ von Windows 8, die automatisch geöffnet wurde, wenn man die Maus in eine Bildschirmecke bewegt, wurde erfreulicherweise abgeschafft. Statt dessen gibt es jetzt eine Vorschau auf den Desktop, wenn man die Maus an das Ende der Taskleiste bewegt. Dort kann man per Mausklick dann auch alle geöffneten Fenster miniminieren bzw. so auch wieder herstellen (entsprechend der Tastenkombination [Win]+[M] bzw. [Win]+[Umsch]+[M])

Eine weitere Neuerung gegenüber Windows 7 ist die „Task“-Ansicht, die man auch per Tastatur mit der Tastenkombination [Win]+[Tab] erreicht. Hier werden alle laufenden Programme nebeneinander als verkleinerte Ansicht dargestellt. Darin kann man dann sowohl mit der Tastatur als auch mit der Maus ein einzelnes Programm in den Vordergrund holen und mehrere Desktops anlegen und zwischen diesen wechseln.

Auch die Möglichkeiten zur Positionierung von Fenstern wurde weiter ausgebaut. Zieht man z.B. ein Fenster an den rechten oder linken Rand des Desktops (was wie bei Windows 7 auch mit der Tastatur geht, z.B. [Win]+[←] oder [Win]+[→]), werden die übrigen Fenster auf diesem Desktop als verkleinerte Ansicht daneben angezeigt und können dann wahlweise per Mausklick auf normale Größe gebracht werden, wobei sie automatisch neben das vorhandene Fenster plaziert werden. Mit einem Doppelklick auf den Fensterrahmen bzw. eine erneute Nutzung der Tastenkombination [Win]+[←] oder [Win]+[→] wird die ursprüngliche Ansicht des Fensters wiederhergestellt.

Die „Modern UI“ bietet insgesamt eine eher schlichte Optik. Fensterrahmen sind nicht mehr durchsichtig, wie noch in Aero, sondern einfarbige Flächen. Das selbe gilt auch für Menüs und Dialoge. Einzig das Startmenü und die Taskleiste haben eine (abschaltbare) Transparenz.

Irritierend kann sein, dass manche Dialogfenster (wie etwa in Notepad++) keinen Rahmen haben und sich dadurch optisch mitunter nicht von einem weißen Hintergrund unterscheiden. Auch die „Ribbons“ im Explorer, die Microsoft bereits vor einigen Jahren in anderen Programmen eingeführt hat, sind gewöhnungsbedürftig. Ansonsten ist die Oberfläche von Windows 10 aber grundsätzlich gut benutzbar, auch wenn man deutlich weniger Anpassungsmöglichkeiten hat, wie noch bei Windows 7, etwa was die farbliche Gestaltung einzelner Elemente betrifft. Die Möglichkeit einer „klassischen“ Windows-Oberfläche wurde bereits mit Windows 8 abgeschafft.

Universal Apps

Bereits mit Windows 8 wurde die Laufzeitumgebung „Windows Runtime“ eingeführt, mit der insbesondere die Entwicklung von Anwendungen erleichtert werden sollte, die sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten mit Windows Phone und Windows Mobile nutzbar sind. In Windows 10 wurde das Konzept mit „Universal Apps“ fortgeführt. Es gibt einen „Store“ für das Herunterladen oder Kaufen neuer Apps und Apps können wie reguläre Anwendungen in Fenstern ausgeführt werden.

Einige Anwendungen in Windows 10 sind bereits als „Universal App“ mitgeliefert, wie etwa der Taschenrechner. Ob eine Anwendung eine Unviersl App ist oder ein „klassisches“ Programm für Windows, erkennt man an dem Hinweis „Vertrauenswürdige Windows Store-App“ oder „Desktop-App“, wenn man im Startmenü die Suche benutzt und sich die gefundenen Einträge zu einem Suchbegriff ansieht:

Im Startmenü selbst sind „Universal Apps“ meist daran erkennbar, dass das Icon einheitlich weiß vor einem farbigen Quadrat ist. Bei der Benutzung merkt man, dass Apps für die Verwendung mit Touchscreens ausgelegt sind. So gibt es keine klassischen Pulldown-Menüs und alle aktiven Elemente sind möglichst groß gestaltet, so dass man sie auch mit den Fingern auf einem Touchscreen leicht bedienen kann.

Irritierend ist, dass manche Funktionen von Windows 10 gleichermaßen als App wie auch als Desktop-Anwendung existieren aber nicht überall die selbe Funktionalität gegeben ist. So gibt es etwa eine App für „Einstellungen“ aber auch nach wie vor die klassische „Systemsteuerung“ wie in früheren Windows-Versionen – und je nach dem, was man ändern möchte, muss man entweder die neuere App verwenden oder die alte Systemsteuerung.

Ebenfalls doppelt vorhanden ist der Browser: einerseits „Edge“ als Nachfolger des Internet Explorer aber auch der Internet Explorer 11 ist weiterhin als Programm vorhanden.

HTML5-Video und WebGL ohne Tearing

HTML5 mit nativer Video-Anzeige und WebGL hat sich mittlerweile als Standard in allen aktuellen Browsern etabliert. In Windows 7 hatte ich dabei noch das Problem, dass ein exakter, an VSync gekoppelter Bildwechsel nicht funktioniert hat und die Darstellung ein mehr oder weniger deutliches „Tearing“ gezeigt hat, weil mehrere, nicht zueinander passende Bildteile gleichzeitig sichtbar waren. Der Test auf http://www.vsynctester.com zeigt das recht deutlich.

In Windows 10 tritt das erfreulicherweise nicht mehr auf :-). Sowohl Firefox wie auch Chromium und Edge zeigen Videos und WebGL-Animationen ohne Tearing an. Zwar ruckelt es gelegentlich, wenn der Browser nicht schnell genug ist, um konstant 60 Bilder pro Sekunde darzustellen, es gibt aber zumindest sonst keine größeren Bildstörungen.

DVBViewer mit LAV-Filter und madVR

DVBViewer läuft auch unter Windows 10 – allerdings haben die meisten Video-Renderer außer „Overlay“ bei meinem System das Problem gehabt, dass bei der Wiedergabe häufiger Bilder übersprungen werden, so dass eine teilweise recht ruckelige Darstellung entsteht. Beim Overlay-Renderer werden Elemente des On-Screen-Displays aber ohne Transparenz dargestellt, wodurch besonders die „media center“-Ansicht ziemlich häßlich aussieht und einen Großteil des Live-Bilds überdeckt.

Eine Abhilfe ist der „madVR“-Video-Renderer, den man unter http://madvr.com kostenlos herunterladen kann. Neben einer flüssigen Wiedergabe bietet dieser Renderer auch noch umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten. Nach der Installation ist er in DVBViewer bei den Video-Einstellungen als „Video Renderer“ auszuwählen. Zum Thema „Audio-Wiedergabe“ sei der Vollständigkeit halber die Verwendung des „libfaad2 Wrapper“-Plugin erwähnt, das bei mir nötig war, um auch in Arte und one eine korrekte Ausgabe ohne Tonstörungen zu erreichen. Siehe dazu auch meinen anderen Beitrag dazu.

Nachfolgend noch die von mir benutzten Einstellungen in LAV-Filter und madVR. Damit erreiche ich eine flüssige Darstellung aller Sender in DVB-T2 mit Full HD (1920×1080) mit 50 Bildern pro Sekunde ohne nennenswerte CPU-Auslastung (in der Regel unter 10%):

Kompatibilität mit älteren Anwendungen und Spielen

Alle vorhandenen Anwendungen, die ich schon unter Windows 7 genutzt habe, wie z.B. LibreOffice, Android Studio, Lightroom aber auch ältere Spiele wie Darwinia, Fitzquake oder eine alte Version der Flippersimulation „Timeshock“ laufen einwandfrei. Gelegentlich muss man bei Anwendungen mit einer eigenwilligen Mischung aus alter und neuer Welt in der Oberfläche leben, aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Funktionsfähigkeit.

Unerwünschte Funktionen abschalten

Ein häufiger Kritikpunkt an neueren Windows-Versionen war die Koppelung an ein Microsoft-Benutzerkonto und umfangreiche Datenübermittlungen an Microsoft sowie die Integration von Anwendungen wie „OneDrive“.

Windows 10 erlaubt auch die Nutzung auch ohne Anmeldung bei Microsoft und man kann praktisch alle Datenerhebungen ausschalten.

Ich sehe diesen Punkt daher nicht ganz so kritisch. Als „Datenschleuder“ würde ich Windows 10 nicht einstufen.

OneDrive entfernen

Wenn man „OneDrive“ (einen Online-Speicher von Microsoft ähnlich wie DropBox oder Google Drive) nicht nutzen will, kann nach einer der folgenden Anleitungen vorgehen:

Anleitung bei TechJourney (in Englisch)

Anleitung bei Giga

In Kurzform: In einer mit administrativen Rechten gestarteten CMD-Konsole folgende Befehle ausführen, um ein eventuell laufendes OneDrive zu beenden, zu deinstallieren, die Daten dazu zu entfernen und den „OneDrive“-Eintrag im Explorer zu entfernen:

taskkill /f /im OneDrive.exe
%SystemRoot%\SysWOW64\OneDriveSetup.exe /uninstall
rd "%UserProfile%\OneDrive" /Q /S
rd "%LocalAppData%\Microsoft\OneDrive" /Q /S
rd "%ProgramData%\Microsoft OneDrive" /Q /S
rd "C:\OneDriveTemp" /Q /S
REG Delete "HKEY_CLASSES_ROOT\CLSID\{018D5C66-4533-4307-9B53-224DE2ED1FE6}" /f
REG Delete "HKEY_CLASSES_ROOT\Wow6432Node\CLSID\{018D5C66-4533-4307-9B53-224DE2ED1FE6}" /f

WICHTIG: Damit werden auch alle lokal gespeicherten Daten aus OneDrive gelöscht!

Wenn man eine 32-Bit-Version von Windows 10 nutzt, ist statt SysWOW64 der Ordner System32 zu verwenden.

Es kann sein, dass OneDrive.exe nicht ausgeführt wird und einige Ordner, wie C:\OneDriveTemp, nicht existieren, wenn man OneDrive noch nie genutzt hat.

Cortana deaktivieren

Den Eintrag für Cortana in der Taskleiste kann man recht einfach über das Kontextmenü entfernen. Zusätzlich wird Cortana aber auch für die Suchfunktion im Startmenü verwendet, was problematisch sein kann, da hier auch Suchanfragen zu Bing übermittelt werden.

Die Lösung ist das Abschalten über die Gruppenrichtlinien. Dazu führt man gpedit.msc aus (einfach das Startmenü öffnen und „gpedit.msc“ eingeben) und wechselt links um Baum zum Eintrag Computerkonfiguration -> Administrative Vorlagen -> Windows-Komponenten -> Suche.

Dann sucht man den Eintrag „Cortana zulassen“ rechts und öffnet die Einstellung mit Doppelklick, um sie auf „Deaktiviert“ zu stellen. Das selbe wiederholt man dann noch entsprechend mit der Einstellung „Cortana auf Sperrbildschirm zulassen“.

Falls man die „Home“-Edition von Windows 10 nutzt, muss man die entsprechenden Registry-Schlüssel manuell eintragen:

Windows Registry Editor Version 5.00

[HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\Windows Search]
"AllowCortana"=dword:00000000
"AllowCortanaAboveLock"=dword:00000000

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