TBS 6922 DVB-S2-Karte

Kürzlich habe ich in meinem PC eine ältere DVB-S2-Karte durch ein aktuelleres Modell von TBS ersetzt, dass erfreulicherweise sehr zuverlässig funktioniert und auch preislich durchaus interessant ist.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Digital-TV am PC begann bereits Ende der 1990er Jahre mit sogenannten „Full Featured“-Karten, die neben dem Tuner auch einen Signalprozessor zur Dekodierung des MPEG2-Datenstroms und die Wiedergabe von Bild und Ton enthalten haben. Der Anschluss eines CI (Common Interface) für die Nutzung eines CAM (Conditional Access Module) für verschlüsselte Sender war ebenfalls vorgesehen. Diese Karten waren daher faktisch ein kompletter Receiver im PC. Das am meisten genutzte Modell dieser Art war die Technotrend Premium S-2300, die für Satellitempfang über DVB-S gedacht war. Es gab auch eine Variante für Kabelanschlüsse mit DVB-C unter der Bezeichnung C-2300. Von Hauppauge wurden dieses Modelle unter der Bezeichnung „Nexus-S“ und „Nexus-C“ angeboten. Siehe dazu auch die Seite im VDR-Wiki.

Diese Karten waren mit Preisen von rund 250 € nicht sehr günstig, hatten aber den Vorteil, dass der PC nicht sehr leistungsfähig sein musste, da die MPEG2-Dekodierung komplett von der TV-Karte übernommen wurde. Das war zu dieser Zeit auch sinnvoll, da die damals noch oft genutzten CPUs wie Intel Pentium MMX oder AMD K6-2 einfach nicht schnell genug waren, um Videos im MPEG2-Format ohne Unterstützung durch zusätzliche Hardware in Echtzeit darzustellen. Auch für DVD-Wiedergabe wurden zu dieser Zeit häufig noch separate Decoder-Karten verwendet, wie etwa die „Hollywood+“ von Sigma Designs, siehe auch den Eintrag im VDR-Wiki dazu.

Dieser Punkt war aber auch gleichzeitig die größte Schwäche: Deinterlacing, also das Zusammensetzen der 50 Halbbilder pro Sekunde zu 25 Vollbildern war nicht vorgesehen, weshalb man bei der Anzeige am PC mit „Kammeffekten“ bei Bewegungen leben musste, weil jede zweite Bildzeile mit leichtem Versatz angezeigt wurde. Ein weiteres Problem zeigte sich bei der Einführung von HDTV: Für eine effizientere Nutzung der Bandbreite von DVB für hochauflösende Videos wurde H.264 als Ablösung von MPEG2 eingeführt. Dafür war der Signalprozessor aber nicht nutzbar. Schließlich folgte DVB-S2 für die Ausstrahlung von HDTV-Sendern, womit die „großen“ DVB-Karten endgültig obsolet wurden, da sie nur DVB-S empfangen konnten.

Spätestens mit dem Intel Pentium III und dem AMD Athlon XP waren PCs auch schnell genug, um Videos im MPEG2-Format rein softwaremässig wiedergeben zu können. Für HDTV mit H.264 genügte die Leistung anfangs noch nicht, aber auch das änderte sich bald mit dem Intel Pentium 4 und AMD Athlon 64 und Grafikkarten, die eine Dekodierung von H.264 hardwaremäßig unterstützt haben. Seitdem beschränken sich TV-Karten auf den reinen Empfang und kommen mit deutlich weniger Technik aus.

TV-Karten für DVB-S2 der ersten Generation

Die ersten TV-Karten für DVB-S2 waren Modelle für den PCI-Bus wie die „KNC1 TV-Station DVB-S2 (Plus)“ oder Technotrend S2-3200, die auch von Technisat unter dem Namen „Skystar HD“ vermarktet wurde. Diese Karte bietet auch die Möglichkeit, ein CI für die Nutzung von verschlüsselten Sendern anzuschließen, wofür aber ein zusätzlicher Steckplatz im PC belegt wird.

Technisat Skystar HDDas Modell von Technotrend habe ich viele Jahre in Kombination mit DVBViewer benutzt. DVBViewer verwende ich immer noch sehr gerne, da diese Software eine komfortable Bedienung mit einem sehr guten On-Screen-Display (OSD) bietet und Erweiterungsmöglichkeiten durch Plugins, Filter für Post-Processing der Wiedergabe oder einen eigenen Dienst für zeitgesteuerte Aufnahmen im Hintergrund ohne die Notwendigkeit einer Live-TV-Wiedergabe.

Eine Schwäche gab es allerdings mit der TV-Karte von Anfang an: die Wiedergabe von HDTV neigte dazu, einfach stehenzubleiben. Wurde der Empfang dann manuell neu gestartet, lief es meist längere Zeit störungsfrei. Nachdem ich Aufnahmen des Programms meist ohnehin nur in SD-Auflösung gemacht habe, die immer störungsfrei funktionierte, habe ich das Problem lange Zeit einfach ignoriert. Schließlich kam erst eine neue Grafikkarte und später auch ein neues Mainboard samt neuer CPU – aber die Probleme bei HDTV blieben bestehen, auch nach einer Neuinstallation von Windows 7. Die einzige Konstante dabei waren die BDA-Treiber von Technotrend, für die es aber seit 2009 keine neuere Version mehr gab. Mit einem Treiber-Update war bei der alten Hardware nicht mehr zu rechnen, so dass als einzige Abhilfe eine neuere TV-Karte in Frage kam.

TBS 6922 – DVB-S2 für PCI Express

PCI Express wurde bereits im Jahr 2003 eingeführt. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis diese Technik allgemein etabliert war und nicht nur Grafikkarten für diese Schnittstelle angeboten wurden. PCI war für viele Anwendungen immer noch ausreichend und im Zweifelsfall auch in jedem PC nutzbar.

Mittlerweile ist PCI Express der allgemein übliche Standard bei aktuellen Mainboards und PCI nimmt langsam die selbe Rolle ein, wie früher ISA – es gibt oft nur noch ein oder zwei PCI-Steckplätze auf aktuellen Mainboards, mitunter auch gar keine mehr. Bei der Auswahl einer neuen TV-Karte war für mich daher klar, dass es ein Modell für PCI Express sein müsste.

Meine Recherchen führten mich zum Hersteller TBS, der mir vorher gänzlich unbekannt war. TBS stellt neben TV-Karten für DVB auch einen ARM-basierten Mini-PC und Multimedia-Hardware wie eine Funktastatur mit integriertem Trackball oder einen Multimedia-PC für die Nutzung mit Windows oder Linux her. Der Eindruck der Website und die positiven Testberichte der TV-Karten waren vielversprechend, so dass  ich mich schließlich für TBS 6922 entschieden habe – eine Karte für den Empfang von DVB-S2 mit einem Tuner und ohne CI. TBS hat aber auch Modelle für DVB-C und DVB-T2 sowie auch mit CI und mehreren Tunern im Angebot.

Lieferumfang

Geliefert wurde die Karte in einer schlichten Pappschachtel. Ein Aufkleber mit QR-Code verweist auf die Website des Herstellers, wo man bei Bedarf Treiber und Software herunterladen kann.

TBS6922, Verpackung

Im Lieferumfang ist neben der TV-Karte noch ein kurzes Slotblech für den Einbau in Slimline-Gehäusen, eine Infrarot-Fernbedienung samt Empfänger und eine Single-CD mit der Software enthalten.

TBS6922, Lieferumfang

Die TV-Karte im Detail

Im direkten Vergleich zur älteren Karte von Technotrend fällt die technische Weiterentwicklung in diesem Bereich deutlich auf. Das neuere Modell ist deutlich kompakter, nicht zuletzt auch durch den verwendeten Controller (SAA7160ET), der in einem TFBGA88-Gehäuse mit 7×7 mm nur wenig Platz beansprucht und für die Anbindung an PCI Express auch viel weniger Leitungen gegenüber PCI benötigt.

TBS6922 im Vergleich mit Technisat Skystar HD

TBS6922

Auch die Varianten mit CI fallen kaum größer aus und benötigen im Gegensatz zur Lösung von Technotrend auch keinen separaten Steckplatz für das CI, sondern bieten alles auf einer Karte.

Praktische Erfahrungen mit DVBViewer

Durch den BDA-Treiber kann die TV-Karte unter Windows 7 problemlos mit DVBViewer Pro genutzt werden. Auch die die Wiedergabe von HDTV funktioniert einwandfrei und ohne die Störungen, wie sie bei dem älteren Technotrend-Modell aufgetreten sind. Kanalwechsel erfolgen ebenfalls schnell und zuverlässig.

DVBViewer Pro 5.5.1.0

Neben der Live-Wiedergabe stehen in DVBViewer auch die Aufnahme des laufenden Programms, zeitversetzte Wiedergabe (Timeshift), Mosaik-Vorschau aller Sender des aktuellen Transponders, Teletext und das „elektronische Programmheft“ (Electronic Program Guide – EPG) zur Verfügung. Auch eine Bild-In-Bild-Funktion für die Vorschau eines Senders bei gleichzeitiger Betrachtung eines anderen Senders ist möglich. Die nachfolgenden Bilder können für eine größere Ansicht jeweils angeklickt werden. Dazu noch ein Hinweis: DVBViewer läuft bei mir auf einem Monitor mit einem Seitenverhältnis von 16:10 und einer Randkorrektur oben und unten, damit das OSD im richtigen Seitenverhältnis erscheint. Leider funktioniert das bei der Mosaik-Vorschau nicht korrekt, weshalb dort die Bilder abgeschnitten erscheinen, da ich alle Aufnahmen auf 16:9 zugeschnitten habe.

Fazit

Zu einem Preis von 65 € (Stand September 2015) ist die TV-Karte TBS 6922 sehr empfehlenswert. Sie läuft mit DVBViewer (20 € für die Vollversion) unter Windows 7 unauffällig und stabil. Eine Nutzung unter Linux und neueren Windows-Versionen ist prinzipiell auch möglich, wurde aber nicht getestet.

Wer mehrere Tuner benötigt oder ein CI, findet auch dafür bei TBS passende Lösungen. Externe Varianten für USB werden ebenfalls angeboten.

2 Gedanken zu „TBS 6922 DVB-S2-Karte“

  1. Günter

    Danke für den Bericht.
    Ich versuche diese Karte mit Win10 und DVBViewer zum laufen zu bringen.
    Sender werden erkannt.
    EPG funktioniert.
    Leider sehe ich kein Bild und kein Ton.
    „Error connecting smart filter to decoder video input, could not find decoder input pin“

    Komme leider nicht weiter.
    Können Sie mir helfen?

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Spontan würde ich vermuten, dass kein Decoder für MPEG2 oder H.264 vorhanden ist. Sowas ist nicht im Lieferumfang von DVBViewer vorhanden, sondern muss separat installiert werden (z.B. PowerDVD, CoreAVC oder die Elecard-Decoder).

      Ansonsten verweise ich auf das Forum von DVBViewer zur Klärung solcher Fragen.

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