Synology DS213j – „Eierlegende Wollmichsau“

Seit November 2014 nutze ich auch eine NAS (Network Attached Storage), konkret eine Synology DS213j. Nachdem ich mittlerweile einige Erfahrungen damit gemacht habe, anbei ein kurzes Review dazu.

Überlegungen für den Einsatz einer NAS

Die Situation dürfte bekannt vorkommen: Speicherplatz kann man eigentlich nie genug haben. Die übliche Lösung bei Platzproblemen ist der Einbau einer größeren Festplatte in den Computer oder eine externe Festplatte zur Auslagerung von Daten, die man nicht ständig benötigt.

Es wäre auch schön, wenn ich einen einfacheren Weg für die Synchronisation von Dateien zwischen PC, Netbook und meinem Android-Smartphone hätte. MyPhoneExplorer kann zwar auch Dateien zwischen PC und Smartphone abgleichen, aber der Synchronisationsvorgang erfordert eine Verbindung über USB, WLAN oder Bluetooth und ist daher nur möglich, wenn man sich in der Nähe des PCs befindet, auf dem MyPhoneExplorer läuft. Seafile funktioniert zwar gut in der Desktop-Version, aber der Android-Client bietet bislang keine automatische Synchronisation ganzer Ordner – man kann nur manuell einzelne Dateien übertragen. Einzig für Bilder, die man mit der Kamera aufnimmt, bietet Seafile einen Upload-Dienst, der diese automatisch auf den Server hochlädt.

Ich bin daher nach einigen Recherchen im November 2014 einen anderen Weg gegangen, als nur eine größere Festplatte für den PC anzuschaffen: Eine Synology DS213j, die mit zwei Festplatten als Spiegel im RAID 1-Verbund arbeitet und neben der Funktion als NAS auch noch zusätzliche Möglichkeiten bietet, wie etwa eine „private Cloud“, mit der man sehr einfach Dateien auf verschiedenen Geräten aktuell halten kann, ohne Cloud-Dienste wie DropBox oder OneDrive nutzen zu müssen.

Hardware

Die Hardware der Synology DS213j ist eher einfach aufgebaut. Die Basis bildet ein Mainboard mit einem Marvell Armada 370 SoC mit 1,2 Ghz, 512 MB RAM sowie Gigabit-Ethernet und zwei USB 2-Anschlüssen. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil, das laut Aufdruck für eine Leistung von maximal 60 Watt ausgelegt ist. In der Praxis benötigt die NAS aber nur 3,8 Watt im Ruhezustand bis zu 16 Watt bei Schreibzugriffen auf die Festplatten. Für die Kühlung sorgt ein 92 mm großer Lüfter. Die seitlich eingearbeiteten „Synology“-Schriftzüge bilden gleichzeitig die Lüftungsöffnungen.

Die Festplatten sind nicht im laufenden Betrieb wechselbar, sondern müssen fest eingebaut werden. Dennoch wurde auf Details geachtet, um die Lautstärke des Gerätes im Betrieb zu verringern: Die Festplatten sind nicht direkt mit dem Käfig verbunden, sondern vibrationsgedämpft über Gummiringe und Unterlagen aus Gummi. Auch der Lüfter des Systems ist mit Gummihalterungen befestigt und überträgt so keine Vibrationen auf das Gehäuse.

Synology DS213j, Detailansicht

Insgesamt fällt das Gerät sehr kompakt aus und passt gut in meine „Internet-Geräte-Ecke“ zusammen mit der Fritz!Box und der Arcor-Starterbox. Das Gerät ist zwar nicht lautlos, aber trotzdem so leise, dass es im Normalbetrieb kaum wahrnehmbar ist. Dazu kommt, dass es sich nach 20 Minuten ohne Festplattenzugriffe automatisch in einen Ruhemodus begibt, in dem die Festplatten und der Lüfter komplett abgeschaltet sind. In diesem Zustand kommt die NAS mit unter 4 Watt aus und belastet damit auch die Stromrechnung nicht übermäßig.

Synology DS213j, Installation

Software

Die Geräte von Synology unterscheiden sich von den technischen Daten her nicht so sehr von Produkten anderer Hersteller wie Qnap oder Netgear. Die Stärke liegt in der Software auf dem Gerät – DiskStation Manager, kurz DSM. Dabei handelt es sich um ein Linux-basiertes System, dass sehr leicht erweitert und an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Neben der wesentlichen Funktion einer NAS als Fileserver im Netz bietet DSM auch einen Druckerserver (inkl. Unterstützung von AirPrint), Nutzung von WLAN mit entsprechendem WLAN-Adapter über USB und etliche optionale Zusatzpakete, die beispielsweise einen Medienserver bereitstellen oder eine „private Cloud“ für den Abgleich von Dateien und Ordnern zwischen verschiedenen Geräten, einschließlich Smartphones und Tablets. Auf Wunsch besteht auch die Möglichkeit, sich über wichtige Ereignisse per E-Mail benachrichtigen zu lassen, wie etwa die Verfügbarkeit eines System-Updates.

Die gesamte Verwaltung findet über die Web-Oberfläche statt, in der Synology eine Desktop-Umgebung nachgebildet hat.

Synology DS213j, Desktop

Am Rand befindet sich die „Widget-Leiste“ in der verschiedene Statusanzeigen, die Widgets, eingeblendet werden können. Die gesamte Leiste ist frei konfigurierbar und kann beliebig auf dem Desktop angeordnet oder an den Rändern „angedockt“ werden.

Dazu kommen Symbole für den Start der einzelnen Anwendungen. Auch diese sind frei konfigurierbar, werden aber immer automatisch angeordnet. Zusätzlich gibt es noch ein Menü, das nach einem Klick auf die Schaltfläche links oben erscheint und wahlweise bildschirmfüllend oder als Drop-Down-Menü angezeigt werden kann.

Synology DS213j, Menü als Drop-Down

Über weitere Symbole am oberen Rand kann man aktuelle Benachrichtigungen abrufen oder die persönlichen Einstellungen ändern, wie etwa den Desktop-Hintergrund.

Mit der Paketverwaltung können zusätzliche Dienste installiert werden. Die Funktion ist ähnlich wie die diversen App-Stores auf mobilen Geräten – nur dass keine vorherige Anmeldung nötig ist und man jederzeit auch Pakete aus heruntergeladenen Dateien manuell installieren kann.

Synology DS213j, Paketverwaltung

Von den angebotenen Paketen finde ich zwei besonders praktisch: „Cloud Station“ für den Betrieb einer „privaten Cloud“ und „Download Station“ für das Durchführen von Downloads aus unterschiedlichsten Quellen (BitTorrent, FTP etc.) auf der NAS ohne laufenden Computer.

Nutzung als Fileserver

Für den Zugriff im lokalen Netz stehen wahlweise CIFS für Windows, AFP für Mac OS oder NFS zur Verfügung. Auch FTP oder WebDAV können bei Bedarf als Dienst aktiviert werden und die Nutzung über iSCSI ist ebenfalls möglich. In Verbindung mit zwei 2 TB-Festplatten, konkret Western Digital Red WD20EFRX, als RAID 1-Verbund, sind über CIFS etwa 80-90 MB/s über die Gigabit-Verbindung möglich. Das ist nicht das theoretische Maximum, was über die Netzwerkverbindung möglich wäre, aber immer noch ein guter Wert.

DSM unterstützt auch die Zuweisung von Benutzerrechten (inkl. Anbindung an eine bestehende Infrastruktur wie Windows-Domains oder LDAP-Server) und „Home“-Verzeichnisse für die einzelnen Nutzer/innen.

Download Station

Die Download Station dient zur Ausführung von Downloads auf der NAS. Gerade bei längeren Downloads ist das sehr praktisch, da sich die NAS selber um die Durchführung kümmert und kein weiterer Computer im Netz dafür benötigt wird.

Synology DS213j, Download-Station

Als Quellen können verschiedene Dienste genutzt werden, wie BitTorrent, FTP oder HTTP. Für das Anlegen eines Download-Auftrags genügt die URL von der jeweiligen Website des Anbieters. Die heruntergeladenen Dateien werden dann automatisch in einem vorher eingestellten Ordner abgelegt. Darüber hinaus ist auch ein automatischer Abruf von RSS-Feeds in einem frei wählbaren Intervall möglich.

Für Firefox existieren auch verschiedene AddOns, um Download-Links direkt an die NAS weitergeben zu können – leider funktionieren viele dieser AddOns derzeit (Stand November 2014) nicht mehr mit der aktuellsten Version von DSM, da sich die URL-Struktur bei Version 5 von DSM geändert hat. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die AddOns aktualisiert sind.

Cloud Station

Die Cloud Station ist eine sehr gelungene Lösung für den Betrieb einer „privaten Cloud“. Man kann damit den Inhalt eines Ordners zwischen verschiedenen Geräten abgleichen.

Die Anmeldung beim „MyDS“-Dienst von Synology ist dafür nicht notwendig. Das ist nur dann erforderlich, wenn man den Zugriff auf die NAS auch aus dem Internet ermöglichen will und keinen eigenen DDNS-Eintrag (Dynamic DNS) dafür hat. Ich nutze für DDNS auf meiner Fritz!Box den Dienst von FreeDNS, so dass ich auf die Anmeldung über MyDS mit einer „QuickConnect ID“ verzichten kann – die NAS ist über einen eigenen Domainnamen und ohne Weitergabe persönlicher Daten an Dritte erreichbar.

Synology DS213j, Cloud Station-overview

Vom PC aus kann man direkt auf den freigegebenen Ordner über das entsprechende Netzlaufwerk zugreifen. Für Geräte, die keinen direkten Zugang zur NAS haben oder auch außerhalb des LANs genutzt werden, wie etwa Smartphones, Tablets oder Notebooks, gibt es eine entsprechende Client-Software, die automatisch den Inhalt des Ordners auf das Gerät überträgt und danach jede Änderung synchronisiert. Das praktische daran ist, dass dies in beiden Richtungen passiert und dass die Verbindung verschlüsselt erfolgt.

DS Cloud, öffnen einer DateiUnter Android ist „DS Cloud“ gleichzeitig auch ein Dateimanager und bietet auch die Möglichkeit, Dateien direkt zu öffnen. Handelt es sich dabei nicht um Bilder, Videos oder Audiodateien, kann man auswählen, wie die Datei behandelt werden soll. Über die Option „Document Formats“ kann man dann auch Dokumente mit einer mobilen Office-Anwendung öffnen oder eine KeePass-Datenbank mit Keepass2Android.

Werden in der jeweiligen Anwendungen Änderungen an der geöffneten Datei vorgenommen, wird diese automatisch wieder hochgeladen.

Der Weg zum Hochladen neuer Dateien, ist ebenfalls elegant gelöst: DS Cloud kann von anderen Apps als Ziel für das Teilen von Inhalten genutzt werden, um beispielsweise ein, mit der Kamera aufgenommenes, Foto in den Ordner der „privaten Cloud“ zu kopieren.

Der Datenabgleich findet normalerweise nur bei aktiven WLAN-Verbindungen statt, da die Übertragung mehrerer MB Daten über Mobilfunkverbindungen problematisch sein kann. Man kann das aber in den Einstellungen auch ändern und auch über mobile Netze Dateien aktualisieren lassen.

Auch wenn ich das System erst ein paar Wochen nutze, hat es bisher einen sehr guten Eindruck hinterlassen – der Datenabgleich mit DS Cloud funktioniert zuverlässig und die App verursacht keinen hohen zusätzlichen Energieverbrauch. Die einzige Einschränkung: Der Dienst auf der NAS verwendet den TCP-Port 6690 (der ggf. von außen erreichbar gemacht werden muss, wenn man einen NAT-Router verwendet). Dieser Port ist bei restriktiveren Firewalls in öffentlichen WLANs aber nicht immer zugänglich. Über mobile Netze hatte ich aber bisher keine Einschränkungen, abgesehen vielleicht von der Geschwindigkeit, wenn keine gute UMTS-Anbindung verfügbar ist.

Weitere Pakete

Auf alle verfügbaren Pakete der DiskStation einzugehen, würde ganze Bücher füllen. Zur Übersicht dennoch eine Liste der im Paket-Manager angebotenen Pakete, Stand Dezember 2014:

Antivirus Essentials
Asterisk
Audio Station
CardDAV-Server
Cloud Station
Cloud Station Client
Cloud Sync
Directory Server
DokuWiki
Download Station
Drupal
DVBLink Server
ElephantDrive
Git Server
Glacier Backup
GLPI
HiDrive Backup
iTunes Server
Java Manager
Joomla
Logitech® Media Server
Magento
Mail Server
Mail Station
MariaDB
Media Server
MediaWiki
MinimServer
Moodle
Node.js
Note Station
OpenERP 6.1
OpenERP 7.0
OrangeHRM
osCommerce
PACS
Perl
Photo Station
PHP PEAR
phpBB
phpMyAdmin
Piwik
Podcast Generator
PrestaShop
Proxy Server
Python
RADIUS Server
Ruby
SugarCRM
Surveillance Station
SVN
Time Backup
Tomcat6
Tomcat7
Video Station
VPN Server
vTiger CRM
Webalizer
WonderBox
WordPress
xCloud
Zarafa

Fazit

Die DS213j ist sicher nicht die schnellste Variante bei NAS-Lösungen für den Einsatz im privaten Umfeld, dafür aber vergleichsweise günstig (je nach Anbieter schon ab etwa 150-160 EUR ohne Festplatten), sehr leise und mit niedrigem Stromverbrauch (mit zwei Western Digital WD20EFRX maximal etwa 16 Watt  und unter 4 Watt im Ruhezustand). Eine große Stärke liegt in der Linux-basierten Software, die durch Zusatzpakete aus der NAS faktisch einen privaten Server für unterschiedliche Anwendungen macht. Wer entsprechende Kenntnisse hat, kann auch über einen SSH-Zugang das System beliebig anpassen. Aus meiner Sicht daher eine klare Empfehlung.

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