Samsung Gear S3

Vor ein paar Monaten habe ich in meinem Beitrag „Totgesagte leben länger“ darüber berichtet, dass meine Pebble auch nach dem offiziellen Ende des Herstellers zumindest noch benutzbar war. Leider war das nicht von Dauer – so ging nach dem letzten Softwareupdate in unregelmäßigen Abständen die Verbindung verloren und musste manuell wiederhergestellt werden, obwohl die „Akku-Optimierung“ für die Pebble-App bereits ausgeschaltet war. Nachdem keine Lösung mehr dafür zu erwarten war, habe ich mich nun doch nach einer Alternative zur Pebble umgesehen.

Mir war wichtig, dass mindestens die Funktionalität der Pebble geboten wird:

  • Grundlegende Funktionen: Uhrzeit, Kalender, Stoppuhr, Timer
  • Verbindung mit aktuellen Android-Smartphones über Bluetooth
  • Anzeige von Benachrichtigungen und eingehenden Anrufen
  • Fernbedienung des Audioplayers im Smartphone
  • Anzeige von Navigationshinweisen wie bei „NavMe!“ auf der Pebble
  • Fernbedienung der Kamera im Smartphone wie bei „Camera for Pebble“

Dass die Akkulaufzeit bei Uhren mit aktivem Display nicht mehr eine Woche oder mehr sein würde, war mir klar. Dafür sollte aber zumindest der Ladevorgang einfach sein – idealerweise induktiv, ohne ein Kabel anschließen zu müssen.

Die Wahl fiel schließlich auf die Gear S3 von Samsung in der „Classic“-Variante, die ich mittlerweile schon eine Weile nutze.

Technische Daten und Verarbeitung

Die Gear S3 verwendet ein solides Metallgehäuse mit einer Rückenabdeckung aus Kunststoff, in der auch der optische Sensor für die Herzfrequenzmessung untergebracht ist. Die Konstruktion ist staub- und wasserdicht nach IP68-Zertifizierung. Laut Samsung gilt die Wasserdichtigkeit bis zu 1,5 Meter Wassertiefe und nicht bei Salzwasser. Man sollte damit nicht im Meer schwimmen gehen – aber ein starker Regenguss macht der Uhr nichts aus, was ich auch schon praktisch ausprobiert habe.

Als Armband wird ein Lederamband mitgeliefert, was ich sehr schnell durch ein haltbareres Metallarmband ersetzt habe, das auch optisch sehr gut dazu passt.  Erfreulicherweise sind keine Spezialarmbänder erforderlich, sondern man kann jedes normale Uhrenarmband mit Federstegen und einer Stegbreite 22 mm verwenden. Das Gehäuse kann für Reparaturen auch recht einfach geöffnet werden, da es nur mit vier Schrauben auf der Rückseite verschlossen ist (es handelt sich dabei um „Tri-Point Y0“), siehe auch dieses Video dazu (die „Frontier“-Variante ist genauso aufgebaut wie die „Classic“):

Das Display ist ein sehr gutes, rundes AMOLED mit einer Auflösung von 360×360 Pixeln und kapazitivem Touchscreen mit einem Durchmesser von etwa 3,3 cm (1,3 Zoll), was einer Pixeldichte von etwa 278 ppi entspricht. Dazu kommt eine CPU mit zwei Kernen und 1 Ghz, 768 MB RAM, 4 GB Flash-Speicher, Bluetooth, WLAN, NFC, GPS, optischer Herzfrequenzsensor, Luftdruckmesser, Gyroskop, Schrittzähler und ein Sensor für die automatische Anpassung der Displayhelligkeit. Mikrofon und Lautsprecher gibt es ebenfalls und können auch als Freisprecheinrichtung beim Telefonieren genutzt werden.

Akku und Ladevorgang

Der verbaute Akku hat eine Kapazität von 370 mAh, was gegenüber dem Vorgängermodell Gear S2 mit 270 mAh eine deutliche Steigerung ist. Dadurch sind trotz der umfangreichen Ausstattung je nach Einstellung und Nutzungsverhalten Akkulaufzeiten von mehreren Tagen möglich. Auch wenn die Gear S3 von der Laufzeit Pebble deutlich entfernt ist, habe in der Regel 4 Tage mit einer Akkuladung fast immer erreicht, manchmal auch mehr. Dazu trägt auch bei, dass ich Display so eingestellt habe, dass es nicht durchgehend aktiv ist, sondern nur eingeschaltet wird, wenn man die Uhr mit einer entsprechenden Handbewegung nach oben dreht, um die Zeit abzulesen. Man kann das Display auch dauerhaft eingeschaltet lassen, was die Akkulaufzeit auf etwa 1 bis 2 Tage reduziert.

Das Aufladen selbst ist kein großer Aufwand, da dies kabellos per Induktion erfolgt. Dazu wird die Uhr in eine Ladeschale gestellt, die man etwa auf dem Schreibtisch aufstellen kann und die einen MicroUSB-Anschluss für das Netzteil hat – so kann man auf Reisen auch eine Powerbank mitnehmen, die dann für mehrfaches Aufladen der Uhr ausreicht. Während des Ladevorgangs leuchtet eine rote LED, die auf grün wechselt, wenn die Uhr vollständig aufgeladen ist. Der aktuelle Akkustand wird einmal kurz beim Einlegen der Uhr angezeigt oder wenn man eine der Tasten an der Uhr drückt.

Bedienung

Die Uhr verwendet einen Touchscreen zur Bedienung und bietet zusätzlich zwei Knöpfe an der Seite und eine drehbare Lünette. Der obere Knopf wechselt jeweils um eine Ebene zurück und entspricht dem „Zurück“-Knopf bei Smartphones. Der unter der beiden Knöpfe dient als „Home“-Taste und wechselt direkt zur Zeitanzeige. Von der Zeitanzeige aus kommt man mit der „Home“-Taste in die Übersicht der installierten Apps, die man entweder direkt durch Antippen des Icons starten kann oder man wählt die App mit der Lünette aus und tippt dann in die Mitte des Displays zum starten der App. Alternativ kann man die Uhr auch so einstellen, dass die ausgewählte App automatisch nach kurzer Pause geöffnet wird, nachdem man sie mit der Lünette ausgewählt hat. Zusätzlich kann man die „Home“-Taste mit einer eigenen App belegen, die bei einem „Doppelklick“ mit der Taste gestartet wird.

Wichtig: manche Apps werden beim Drücken des unteren „Home“-Knopfs nicht beendet, sondern laufen im Hintergrund weiter, wie etwa „Camera Gear“. Hier muss man darauf achten, immer den oberen „Zurück“-Knopf zu verwenden, wenn man die App beenden möchte!

Die Lünette wechselt bei aktiver Zeitanzeige zwischen den verschiedenen Bildschirmseiten. Nach links geht es zu den Benachrichtigungen, nach rechts zu einer einstellbaren Liste von „Widgets“, die man selber hinzufügen und in der Reihenfolge ändern kann. Innerhalb von Apps hängt es von der App ab, ob und wie die Lünette verwendet werden kann. Beim Audioplayer kann man beispielsweise mit einem Dreh an der Lünette den Titel wechseln oder nach dem Antippen des Lautsprechersymbols die Lautstärke.

Ziffernblätter

Wie schon bei der Pebble und anderen Smartwatches gibt es verschiedene Ziffernblätter zur Auswahl und man kann weitere aus dem App-Store von Samsung installieren. Um die Darstellung zu wechseln, tippt man bei aktiver Zeitanzeige auf die Uhr und hält den Finger länger auf dem Display, bis das Auswahlmenü erscheint.

Der Wechsel zwischen den Ziffernblättern ist mit horizontalen Wisch-Gesten oder mit der Lünette möglich. Einige Ziffernblätter bieten die Möglichkeit zur Anpassung der Darstellung, was durch eine zusätzliche, antippbare Schaltfläche am unteren Displayrand erkennbar ist.

Software

Für die Verbindung zur Smartwatch kommt der „Gear Manager“ zum Einsatz, mit dem man nicht nur die Gear S3, sondern auch alle anderen Modelle, wie Gear S2, Gear Fit usw. verwalten kann.

Grundsätzlich erfüllt die Software ihren Zweck, verliert aber bei mir in Kombination mit Android 7.1.2 gelegentlich die Verbindung zur Smartwatch. Da das aber nur selten passiert und die Verbindung dann auch automatisch wiederhergestellt wird, stört mich das nicht sonderlich. Wenn die Warnungen zum Verbindungsabbruch in der Uhr stören, kann diese dort in den Einstellungen auch ausschalten.

Das Softwareangebot ist zwar nicht so umfangreich, wie bei Android Wear oder der Pebble, aber die Dinge, die mir wichtig sind, gibt es alle. So hat der Anbieter der „Pebble Camera“ auch eine ähnliche Lösung für die Gear unter dem Namen „Camera Gear“ entwickelt und für die Navigation mit der Uhr gibt es mehrere Lösungen wie „Gear S2/S3 Navigation“, wo die Navigationshinweise von Google Maps auf der Uhr angezeigt werden, wie bei „NavMe!“ für die Pebble, bis hin zu „Here We Go“ mit Kartenanzeige auf der Smartwatch.

Neben diesen Apps nutze ich auch regelmäßig den Timer, die Kalendervorschau und gelegentlich auch einen Taschenrechner. Die Bedienung des Taschenrechners auf dem kleinen Display ist zwar gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber erstaunlich gut. Prinzipiell ist es auch möglich, Textnachrichten auf der Uhr wahlweise mit einer T9-Tastatur oder mit Handschrifterkennung einzugeben – diese Funktion nutze ich im Alltag aber nie.

Ein Punkt, den ich aber sehr ungünstig finde: bei kostenpflichtigen Apps kann man diese nicht erst testen und den Kauf innerhalb von 15 Minuten durch Deinstallation der App wieder rückgängig machen, wie bei Google Play, sondern jeder Kauf im im App-Store von Samsung ist endgültig. Möchte man einen Kauf widerrufen, muss man sich direkt an Samsung wenden.

Es ist auch keine Möglichkeit vorgesehen, den App-Store von Samsung in einem Browser am PC zu nutzen, sondern man muss zwingend die App auf dem Smartphone verwenden.

Samsung Health

Wie schon erwähnt, verfügt die Gear S3 auch über einen Schrittzähler und einen optischen Herzfrequenzmesser auf der Rückseite des Gehäuses. Diese Daten werden von der App „Samsung Health“ auf der Smartwatch erfasst und für verschiedene Übersichten aufbereitet. So gibt es verschiedene Widgets, wie Herzfrequenzanzeige, Zahl der zu Fuß gestiegenen Stockwerke, Schrittzähler usw. wie auch eine detaillierte Auswertung in der App selbst.

Zusätzlich gibt es das entsprechende Gegenstück dazu auf dem Smartphone. Diese App ist zwar optional, aber der Gear Manager prüft regelmäßig, ob die „Samsung Health“-App installiert wurde und erinnert ggf. daran, dies doch zu tun.

Persönlich brauche ich solche Funktionen nicht und sehe es eher als Zugabe, die man nutzen kann, wenn man will. Immerhin ist die Anmeldung beim entsprechenden Online-Dienst von Samsung nicht erforderlich. Man kann die Daten auch nur lokal auf dem Smartphone betrachten.

Standardmäßig weist die Smartwatch nach längerer Inaktivität (etwa wenn man länger am Schreibtisch sitzt) darauf, dass man sich doch mal wieder bewegen sollte und sie versucht sportliche Aktivitäten anhand der Bewegung automatisch zu erkennen und ggf. die entsprechende Aufzeichnung dazu zu starten. Beides kann in den Einstellung der Health-App auf der Uhr ausgeschaltet werden. Nebenbei spart man damit auch etwas Akkuleistung.

Telefonieren mit der Smartwatch

Nachdem die Gear S3 sowohl ein Mikrofon wie auch einen Lautsprecher besitzt, besteht auch die Möglichkeit, die Smartwatch als Freisprecheinrichtung für das Smartphone zu verwenden und von dort aus Anrufe zu starten. Ich habe es ausprobiert und war erstaunt, dass es so gut funktioniert. Dennoch sehe ich da seher als Spielerei an – in der Öffentlichkeit wird man das kaum nutzen, sondern eher dann, wenn man etwa mit einem eigenen Auto unterwegs ist. Aber auch da gibt es bessere Lösungen, als die Armbanduhr am Handgelenk. Da ich diese Funktion nicht brauche, habe bei der Bluetooth-Verbindung auf dem Smartphone das Audio-Profil abgeschaltet, was zusätzlich etwas Energie spart. Über eingehende Anrufe auf dem Smartphone wird man dennoch benachrichtigt.

Entwicklung eigener Apps

Für die Entwicklung eigener Apps wird „Tizen Studio“ verwendet. Diese Entwicklungsumgebung kann man auf https://developer.tizen.org kostenlos herunterladen und sie bietet auch einen Emulator für die Smartwatch. Die Programmiersprachen für die Entwicklung sind C und C++.

Weitergehende Erfahrungen damit habe ich noch nicht gesammelt, werde mir das Thema aber sicher noch genauer ansehen.

Persönliches Fazit

Bisher habe ich den Wechsel zur Gear S3 nicht bereut. Sie ist zwar größer und schwerer als die Pebble, aber dafür gibt es auch ein sehr gutes Display und induktive Aufladung, was die Handhabung im Alltag sehr erleichtert. Auch die Tatsache, dass die Uhr wasserdicht ist und man normale Uhrenarmbänder nutzen kann, sind positive Aspekte. Die App für Android könnte etwas besser und einheitlicher in der Bedienung sein, erfüllt aber grundsätzlich ihren Zweck.

Was die längerfristige Nutzbarkeit angeht, bin ich optimistisch, da die Gear S3 nicht die erste Smartwatch von Samsung ist, sondern eines von mehreren Modellen, die Samsung in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat. Auch das Betriebssystem dafür, Tizen, wird nicht ausschliesslich für die Smartwatch verwendet, sondern auch bei anderen Geräten von Samsung, wie Fernsehern oder Smartphones der „Z“-Reihe. Entsprechend gibt es eine gut eingeführte Infrastruktur und ich rechne nicht damit, dass die Smartwatches von Samsung in naher Zukunft vom Markt verschwinden werden.

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