HOWTO für FLI4L auf dem Asus EEE 4G

Von Carsten Beckermann

Fragen und Hinweise dazu werden bei Bedarf weitergeleitet (Arno Welzel)

Warum auf dem EEE einen FLI4L einrichten, der ist doch viel zu „stark“ für einen FLI4L?

1. Anwendungsfall:

Ein Single, der tagsüber mit dem EEE unterwegs ist und abends nach Hause kommt, braucht oft erst dann einen Router zuhause. Tagsüber, wenn er unterwegs ist, benötigt er zuhause keinen Router. Also braucht er sich keine extra Hardware zuhause hinzustellen für den FLI4L.

2. Anwendungsfall:

Der Asus EEE hat einen Akku, er ist deshalb gleich ideal, da er bei Stromausfall einfach weiterläuft. Das DSL Modem, die externen ISDN Geräte etc. fallen dabei aber leider aus, da sie oft eigenen Strom benötigen. Der Vorteil davon ist, dass diese Kleingeräte an eine kleine USV angeschlossen werden können und wegen ihres geringen Strombedarfes somit einen Stromausfall von bis zu einer Stunde und mehr tolerieren können. Die USV muss den FLI4L ja nicht mitversorgen.

3. Anwendungsfall:

Der Asus EEE als mobiler Ethernet2WLAN oder WLAN2Ethernet Router für Hotelzimmer, Jugendherbergen, etc. (Dazu sind weitere Konfigurationsschritte nötig, welche hier nicht aufgeführt sind).

Mit einem Crosslinkkabel könnte das vorhandene Laptop an den EEE angeschlossen werden und der EEE routet dann zwischen Hotel-WLAN und dem Laptop. Umgekehrt könnte der EEE routen zwischen der RJ45 Netzwerkbuchse des Hotels und dem kleinen, eigenen WLAN.

Voraussetzungen

Für dieses Vorhaben wird gebraucht:

  • SD-Karte (lieber keine SDHC, sondern eine klassische SD)
  • (USB-)Kartenleser für den PC, an dem die FLI4L-Konfiguration erstellt wird
  • Asus EEE 4G (eventuell funktioniert es auch mit den Nachfolgemodellen)
  • FLI4L 3.2.2 Basispaket
  • FLI4L 3.2.2 WLAN Paket
  • FLI4L 3.2.2 MadWifi Atheros Treiber (Link beim WLAN Download zu finden)
  • FLI4L 3.2.2 USB Paket
  • Angepasster Kernel aus diesem Paket: fli4l-kernel-2.6.23.17.tar.gz

Anmerkung zum verwendeten Kernel:

Ich erhielt den Kernel direkt aus dem FLI4L Team. Er enthält den ATL2 Treiber für die Netzwerkkarte und den optimierten madwifi Treiber http://madwifi.org/ticket/1192 für die WLAN-Karte.

Bei diesem Kernel ist das APM abgeschaltet, daher kann man kein poweroff durchführen. Dies wird aber voraussichtlich in der endgültigen Version wieder dabei sein.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die neuen Treiber vielleicht in den FLI4L einfließen werden und ich beim nächsten Release von FLI4L prüfen werden, ob ich dieses HOWTO anpassen muss.

Sicherlich gibt es auch Wege, auf das eine oder andere Paket verzichten zu können. Ich gehe in dieser Anleitung aber von diesen Paketen aus weil ich berichte, wie es bei mir nachvollziehbar funktioniert.

Ferner kann ich über die Installation des FLI4L derzeit nur von Windows aus berichten.

Vorbereitung

Einen Ordner erstellen. Ich nenne ihn Basisverzeichnis_EEE.

Alle Pakete entpacken und offen dahinein kopieren, analog zur Dokumentation.

Dann die Konfigurationsdateien auf die eigenen Bedürfnisse anpassen (siehe jeweilige Doku).

Nun geht es an die speziellen Variablen.

Konfiguration

In der base.txt folgende Variablen prüfen und ggf. ändern:

BOOT_TYPE='integrated'

MOUNT_BOOT='no'

KERNEL_VERSION='2.6.23.17'

POWEROFF_ON_HALT='no'

OPT_MOUNTFLOPPY='no'

NET_DRV_N='2'
NET_DRV_1='ath_pci'
NET_DRV_1_OPTION=''
NET_DRV_2='atl2'
NET_DRV_2_OPTION=''

In der usb.txt folgende Variablen prüfen und ggf. ändern:

OPT_USB='yes'

USB_LOWLEVEL='uhci'

USB_EXTRA_DRIVER_N='1'
USB_EXTRA_DRIVER_1='storage'

Die nachfolgenden Änderungen an Systemdateien sind nötig, weil es sich um einen neuen Treiber handelt, der noch nicht Teil von FLI4L ist und hier erst eingebaut wird. In naher Zukunft wird er vielleicht eingebaut sein. Dann können die folgenden Änderungen übergangen werden.

In der CHECK/BASE.EXP folgende Variable ändern:

Suchen nach NET_DRV (etwa Zeile 166):

NET_DRV = '3c503|3c505|3c507|.......

Hier einfach dazu reinschreiben: |atl2

(den senkrechten Strich bekommt man bei deutschsprachigen Tastaturlayouts mit [ALTGR]+[<]

NET_DRV = '3c503|atl2|3c505|3c507|.......

In der OPT/BASE:

Suchen nach pcnet32 (etwa Zeile 226):

net_drv_%  pcnet32 pcnet32.o

In die nächste Zeile dann den zusätzlichen Netzwerkkarten-Treiber atl2 ergänzen:

net_drv_%  pcnet32 pcnet32.o
net_drv_%  atl2    atl2.o

(hinten muss wirklich .o stehen und nicht .ko)

FLI4L-Buildprozess als lokaler Administrator

Nun die SD-Karte einlegen, erkennen lassen, falls noch nicht geschehen.

Für den weiteren Verlauf sind zumindest unter XP bei mir lokale Adminstrator-Rechte notwendig.

Eventuell wird in Zukunft die mkfli4l.bat dahingehend verändert werden.

Bei mir reichte auch ein RUNAS in einer Verknüpfung

runas /user:administrator /env /savecred "cmd /T:A0 /k TITLE Admin 'Administrator'"

und einer wie folgt angepassten mkfli4l.bat:

Unter die REM Zeilen einfügen:

cd /D "%~dp0"

Dies bewirkt, dass der Pfad der mkfli4l.bat übernommen wird, sonst werden die weiteren Dateien nicht gefunden, da mkfli4l.bat nicht wissen kann, wo die Dateien liegen.

Nun kann die mkfli4l.bat einfach bequem in die neue Eingabeaufforderung gezogen werden (die vorher mit der RUNAS-Verknüpfung geöffnet wurde) und läuft dann mit Admin-Rechten.

Dies funktioniert unter Windows XP. Ältere Windows Versionen haben diese Funktion evtl. nicht!

FLI4L auf der SD-Karte erstellen

In den „fli4l–Build–Options“ die Registerkarte „direct HD-Install“ wählen.

Den Haken hinter „Activate HD-install“ setzen.

Das Laufwerk auswählen, in dem die SD-Karte eingelegt wurde.

ACHTUNG: unbedingt ganz genau kontrollieren, dass der Laufwerks-Buchstabe stimmt, sonst werden evtl. Daten auf einem falschen Datenträger überschrieben!

Dann unten auf „Start Build Prozess“ klicken.

Evtl. erscheinen ein paar Fehlermeldungen, diese bitte unbedingt beheben.

Nach dem hoffentlich erfolgreichen Build Prozess die SD-Karte unter Windows unbedingt per Software „auswerfen“ damit evtl. noch zu speichernde Daten geschrieben werden. Erst dann kann man sie herausziehen.

Der erste Start

Nun die SD-Karte in den EEE einlegen, einschalten und gleich die ESC Taste mehrmals drücken.

Nun erscheint das Boot-Menü. Hier die SD-Karte auswählen. Die Festplatte hat die Bezeichnung HDD:SM-SILICONMOTION, das wäre der falsche Eintrag. Der korrekte Eintrag lautete bei mir: USB:USB2.0 CardReader SD0.

FLI4L sollte nun starten.

Evtl. erscheinen ein paar Fehlermeldungen, z.B. falls die MAC-ID der WLAN Karte noch nicht im OPT_WLAN konfiguriert wurde.

Nach dem Anmelden an der Console bekommt man mit der Eingabe von

cat /bootmsg.txt

einen Hinweis, der auch die MAC-ID enthält. Diese kann nun im OPT_WLAN eingepflegt werden, muss aber nicht.

Die ersten Tests

Kontrollieren kann man die Geräte oberflächlich mit der Eingabe von

ip addr

Hier bekomme ich 4 Geräte angezeigt.

lo:
wifi0:
wlan0:
eth0:

Bei eingestecktem LAN Kabel kann ein Ping ins Netzwerk durchgeführt werden mittels

ping –c 3 192.168.23.10

(Hierbei muss eine IP Adresse aus dem eigenen Netz angegeben werden)

SD-Karte beschreibbar machen

Auf die SD-Karte kann man unter FLI4L zugreifen, falls dorthin Dateien abgelegt werden sollen. Vorsicht bei häufigem Schreiben, die SD-Karte hat nur eine begrenzte Anzahl an Schreibzyklen, dann geht sie defekt. Bei den heutigen geringen Preisen für kleine, einfache SD Karten sollte man stets eine Ersatzkarte zuhause haben.

mkdir /usb
mount /dev/sda1 /usb

Wie geht es weiter?

Ein DSL-Modem kann an die Netzwerkkarte angeschlossen und eingerichtet werden. Auch weitere OPTs können wie gewohnt eingebunden und die Konfiguration verfeinert werden. Über USB kann man auch einen ISDN-Adapter wie z.B. Fritz Card USB betreiben.

Danksagung

Mein Dank an:

  • Das Team des FLI4L für die kontinuierliche Entwicklung der Basis und Pakete
  • Die User der Gemeinschaft für das Testen und den oft unermüdlichen Einsatz
  • Die Fachleute für die oft nervenzehrenden Hilfen in der Newsgroup
  • Arno Welzel für die Durchsicht und Bereitstellung des HOWTOs in seinem Wiki

DANKE: Ohne Euch alle wäre der gesamte FLI4L niemals so weit entwickelt wie heute!

Alle Angaben ohne Gewähr. Durchführung auf eigene Gefahr.

Für Hinweise auf Fehler wäre ich dankbar.

Carsten Beckermann
September 2008

Fragen und Hinweise dazu werden bei Bedarf weitergeleitet (Arno Welzel)