Meine Erfahrung mit Vasektomie

Auch wenn es noch ein bisschen dauert – aber ich gehe langsam auf die 50 zu und das Thema „Nachwuchs“ ist bei mir definitiv vorbei. Bisher habe ich Kondome verwendet, aber in einer festen Partnerschaft wäre es auch schön, wenn man darauf verzichten kann, ohne dass die Partnerin sich ständig Hormone zuführen oder eine Spirale in der Gebärmutter tragen muss.

Die Lösung für mich: Vasektomie – ein Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden. Die Spermien, die nun im Körper verbleiben, werden einfach abgebaut – sonst ändert sich nichts. Insbesondere bleibt der Hormonhaushalt unverändert und damit auch das sexuelle Empfinden. Auch das Ejakulat ändert sich nicht wesentlich in Menge oder Konsistenz, da die fehlenden Spermien einen Anteil von nur etwa 5% ausmachen.

Ich berichte hier über meine Erfahrungen mit dem Eingriff, um anderen Männern, die noch unschlüssig sind, ob sie so einen Eingriff vornehmen lassen sollen, die Ängste zu nehmen, die damit verbunden sein können.

Kosten

Die Kosten für eine Vasektomie müssen selbst getragen werden und liegen in einer Größenordnung von etwa 300-500 EUR, je nach dem, für welche Variante man sich entscheidet.

No-Needle-No-Scalpel-Vasektomie

Die „traditionelle“ Variante der Vasektomie besteht darin, nach einer örtlichen Betäubung mit einem Skalpell einen oder zwei kleine Schnitte oberhalb des Hodensacks zu machen, über die man dann dann an die Samenleiter gelangt, um sie zu durchtrennen. Nach dem Eingriff werden diese Wunden vernäht und brauchen dann einige Wochen, bis sie wieder verheilt ist, wobei die Dauer der Heilung natürlich individuell unterschiedlich ist. Der benutzte Faden löst sich von selber auf.

Eine andere Variante, für die ich mich entschieden habe, ist die sogenannte No-Needle-No-Scalpel-Vasektomie. Das ist ein minimal-invasiver Eingriff ohne Spritze und Skalpell, der auch ein geringeres Risiko für nachträgliche Komplikationen hat.

Wie bei jeder Operation wird der Bereich vorbereitend großflächig mit einer Desinfektionslösung eingerieben. Die Körperbehaarung musste ich vor dem Eingriff nicht entfernen, das mag aber je nach Arzt auch anders sein.

Der unangenehmste Teil ist das Auffinden des Samenleiters durch den Arzt. Dazu muss der Arzt oberhalb des Hodensacks recht ausführlich tasten, wo sich der Samenleiter genau befindet. Der Arzt hat aber jeden Schritt auch vorher angekündigt und erklärt, was er tut.

Nachdem der Samenleiter gefunden ist, erfolgt an der Stelle, wo der Eingriff dann stattfinden wird, eine örtliche Betäubung mit einem speziellen Gerät als „Jet Injection“. Dabei wird Betäubungsmittel mit Luftdruck durch eine Düse in die Haut gedrückt. Ich habe dabei dabei nur ein kurzes Zwicken gespürt.

Ist der Bereich dann örtlich betäubt, wird der Samenleiter in einer Hautfalte mit einer speziellen Klemme fixiert und gleichzeitig mit einem zweiten Instrument die Haut punktiert und nur soweit eröffnet, das der Samenleiter herausgezogen und entsprechend behandelt werden kann: durchtrennen, verschließen und wieder in das Gewebe zurücklegen. Beim Eingriff hat es ein bisschen gezogen, aber es war immer noch sehr erträglich. Die entstandene Wunde muss nicht genäht werden, da sie nur ein paar Millimeter groß ist und auch ohne Naht verheilt. Insgesamt hat der ganze Eingriff etwa 20 Minuten gedauert.

In ersten Stunden nach dem Eingriff war der ganze Bereich noch etwas empfindlich und ich hatte leichtes Ziehen in den Hoden. Der Schmerz war aber nicht sehr stark und hat mich nur dazu gebracht, etwas breitbeiniger zu gehen und mich insgesamt etwas zu schonen und mich ein paar Stunden hinzulegen.

Heilung und Nachsorge

Am zweiten Tag konnte ich schon den Verband abnehmen – das war dann noch einmal etwas unangenehm, weil der Verband mit einem großen Pflaster geklebt war, dass sich nicht ganz so einfach abziehen ließ. Eine der beiden Wunden hatte sich bereits geschlossen und hatte nur noch einen Schorf. Die andere Seite hat etwas länger gebraucht und war erst nach etwa einer Woche so weit, dass sie nicht mehr genässt hat. Bei meinen Rückfragen beim Arzt wurde mir aber bestätigt, dass das völlig normal ist. Jede Wundheilung verläuft anders und manchmal dauert es eben mal etwas länger. Ich habe die Stellen dann noch einige Tage mit einer speziellen Wundheilungssalbe unterstützt.

Die anfänglichen Schmerzen waren nach ein paar Tagen weitgehend vorbei. Die Hoden waren nur in den ersten Wochen noch etwas empfindlicher bei Berührung – aber auch das war in einem völlig erträglichen Rahmen. Was auch völlig unbedenklich ist: es können blaue Flecken auftreten, die aber nach einigen Tagen wieder verschwinden.

Die Empfehlung ist, dass man nach dem Eingriff einige Tage bis etwa eine Woche auf sexuelle Aktivitäten verzichtet und mindestens 10 Tage auf Sport oder andere körperliche anstrengenderen Aktionen, um den Heilungsprozess nicht zu beeinträchtigen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur soviel sagen, dass eine „Funktionskontrolle“ nach etwa 5 Tagen gut verlaufen ist, aber beim ersten Mal noch ein leichtes Ziehen in den Hoden veursacht hat.  Nach etwa einer Woche war aber auch das vorbei.

Nach knapp drei Wochen waren die Wunden noch nicht komplett verheilt, aber auf einem guten Weg. Auf längere Strecken mit dem Fahrrad habe ich zu diesem Zeitpunkt aber noch verzichtet. Wenn man aber keine Schmerzen mehr hat und die Wunden nicht mehr nässen, ist auch Radfahren grundsätzlich wieder möglich. Bei mir waren die Wunden nach etwa 6-7 Wochen verheilt und nur noch als kleine Narben sichtbar.

Die Unfruchtbarkeit tritt nicht sofort nach dem Eingriff ein, sondern erst nach etwa 2-3 Monaten, da noch Reste der Spermien in den Samenbläschen oberhalb der Prostata vorhanden sind, die erst nach etwa 30 Ejakulationen „ausgespült“ sind. Man sollte also in dieser Zeit durchaus nicht enthaltsam sein, aber eben auch weiterhin Verhütungsmittel einsetzen. Im Preis für die Behandlung inbegriffen ist auch die Durchführung zweier Spermiogramme nach dieser Zeit im Abstand von etwa 14 Tagen, um sicher zu sein, dass sich keine Spermien mehr im Ejakulat befinden.

Nach etwa 10 Wochen habe ich das erste Spermiogramm machen lassen. Dort wurde mir bereits bestätigt, dass keine Spermien mehr nachweisbar sind. Beim zweiten Test etwa zwei Wochen später wurde ebenfalls nichts mehr gefunden, so dass der Eingriff wie gewünscht verlaufen ist :-).

Fazit

Aus meiner Erfahrung kann ich eine Vasektomie als dauerhafte Verhütungsmethode auf jeden Fall empfehlen. An meinem Empfinden hat sich nichts geändert – es ist jetzt nur viel entspannter, weil man eben auch spontan seine Lust ausleben kann, ohne über Verhütung nachdenken zu müssen. Man sollte sich, wie bei allen Eingriffen dieser Tragweite, natürlich bewusst dazu entschließen und sich nicht drängen lassen.

3 Gedanken zu „Meine Erfahrung mit Vasektomie“

  1. Danke für den Beitrag.
    Ich muss zugeben, die von Dir genannte Methode hört sich humaner an, auch wenn die Heilung nicht so schnell verlief

  2. Dieter

    Danke auch von mir. Ich denke auch darüber nach, habe aber noch Hemmungen gegenüber einem Eingriff in dem Bereich, da ist es hilfreich, wenn jemand von sich aus davon erzählt.

  3. Hallo und vielen Dank für den interessanten Erfahrungen über die Vasektomie. Ich denke damit wird einigen Patienten leichter fallen sich zu entscheiden. Sicher ist es immer auch eine psychologische Entscheidung.

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