Linguee… oder „mit fremden Inhalten Geld verdienen“

Seit April 2009 gibt es eine Art Suchmaschine für Übersetzungen mit dem Namen „Linguee“ – eine gute Idee?

„Linguee“ wurde von einem früheren Mitarbeiter von Google, Dr. Gereon Frahling erdacht. Die Idee dahinter ist, dass Übersetzungen nicht nur anhand von Wörterbüchern erfolgen, sondern auch über Inhalte von Websites, die mehrsprachig vorliegen.

Man sucht beispielsweise nach der englischen Übersetzung für „Kettenschaltung einstellen“ und erhält dann eine Liste mit Auszügen von Texten, in denen der Satz oder einzelne Wörter daraus vorkommen, jeweils in Deutsch und in Englisch. Die Auszüge enthalten auch jeweils eine Quellenangabe, woher der Text stammt. Allerdings ist schwer zu sagen, ob die gefundenen Übersetzungen auch korrekt sind – besonders, wenn sie nicht von professionellen Übersetzern stammen.

Für Nutzer ist das Angebot kostenlos. Geld verdient Linguee bislang scheinbar mit Werbung, die man dort buchen kann.

Vor einigen Monaten habe ich bemerkt, dass ein gewisser Teil der Besucher offenbar über Links bei Linguee bei mir gelandet ist. Da meine Website fast durchgängig zweisprachig ist, ist das für Linguee natürlich eine gern genutzte Quelle.

Nun ist es so, dass sämtliche Inhalte von mir unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0 veröffentlicht werden – d.h. es ist erlaubt, Inhalte für eigene Angebote verwenden, auch für kommerzielle Zwecke, solange mein Name als Autor genannt wird und was noch wichtiger ist: solange die daraus entstandenen Inhalte selbst ebenfalls in der selben Weise lizensiert sind und entsprechend CC BY-SA verwendet werden dürfen.

Allerdings ist bei Linguee keine spezielle Lizenz für die Nutzung des Angebotes erkennbar – bei den Nutzungsbedingungen unter http://www.linguee.de/deutsch-englisch/page/termsAndConditions.php findet man:

Nutzung
[…]
Es ist untersagt, die Dienste entgeltlich an Dritte weiterzuleiten.
[…]
Urheberrecht
[…]
Sämtliche Rechte an der im Rahmen dieses Online-Angebots entwickelten Software, den zugrunde liegenden Datenbanken und sonstigen Inhalten liegen bei der Linguee GmbH, soweit nicht ausdrücklich ein anderer Urheber oder Rechtsinhaber genannt wird.“

Deswegen schrieb ich Ende Mai 2011 die Betreiber von Linguee deswegen an und habe nachgefragt, welche Inhalte von meinem Angebot erfasst werden und wie die Quellenangaben ausgestaltet sind, verbunden mit dem Hinweis auf die von mir verwendete Creative Commons Lizenz für meine Inhalte.

Als Reaktion wurde mir wurde erläutert, dass die Veröffentlichung von Textauszügen mit Quellenangabe ohne Zustimmung rechtlich zulässig ist – mit Hinweis auf ein Urteil dazu vom Bundesgerichtshof I ZR 259/00 – und man würde auch Einschränkungen durch robots.txt und Meta-Angaben beachten. Man würde aber dennoch umgehend alle Inhalte aus meiner Website bei Linguee entfernen und ich solle doch daran denken, dass auch andere Suchmaschinen ggf. auf meine öffentlichen Inhalte zugreifen und ich möge mich ggf. an die jeweiligen Betreiber wenden, wenn ich das nicht will.

Nun – meine Frage zielte nicht darauf ab, dass ich nicht will, dass jemand Texte von mir zitiert. Mir ging es viel mehr darum, ob man mit Regeln in der robots.txt ggf. den Umfang der Zugriffe anpassen kann, wenn man nicht möchte, dass jede Seite in deren Datenbank landet oder dass es vielleicht für Webmaster irgendwann auch Analysetools gibt, ähnlich wie die „Webmaster-Tools“ bei Google. Das habe ich damals Linguee dann auch gesagt – eine Antwort darauf gab es aber nicht mehr.

In den Monaten darauf verschwanden dann offenbar tatsächlich sämtliche Textauszüge, die man aus meiner Website entnommen hat, da es keine Zugriffe mehr über Links bei Linguee gab.

Nun habe ich eher zufällig bemerkt, dass man es sich mittlerweile wohl wieder anders überlegt hat – in meinen Logs tauchten wieder Zugriffe auf, die als Referrer Linguee enthielten – eine Abfrage nach „Kettenschaltung einstellen“ bei Linguee am 19. September 2011 hat dann u.A. auch dieses Textfragment gefunden:

arnowelzel.de bei Linguee
Quelle: http://www.linguee.de/deutsch-englisch/search?source=auto&sourceoverride=none&query=Kettenschaltung&moreResults=1

Immerhin gibt es mittlerweile auch eine FAQ dazu, wo aber nicht viel mehr steht, als man mir damals schon per E-Mail mitgeteilt hat:

Zitat aus http://www.linguee.de/deutsch-englisch/page/faq.php#indexedwebsite:

„[…] Linguee indiziert nur Seiten, die für Suchmaschinen (wie auch Google, Yahoo usw.) frei gegeben sind, die also nicht durch gängige Methoden wie der Anlage einer robots.txt-Datei ausgeschlossen wurden. Sie können diese robots.txt-Datei umformulieren, um nicht mehr von Suchmaschinen indiziert zu werden; Details dazu finden Sie hier. Wenn Ihre Seite nur aus dem Linguee-Index entfernt werden soll, nutzen Sie bitte das Feedback-Formular auf der Feedbackseite. Bitte beachten Sie, dass Linguee-Nutzer danach nicht mehr auf Ihre Seite aufmerksam werden. Soll Ihre Seite auch aus anderen Suchmaschinen (Google, Yahoo usw.) entfernt werden, wenden Sie sich bitte an die entsprechenden Anbieter.“

Die „Details“, auf die in der FAQ verwiesen werden, sind nichts anderes als ein Link auf einen Text bei Wikipedia zur Funktion von robots.txt, konkret Robots_exclusion_standard. Es geht also nur „alles oder nichts“ – entweder man lässt sämtliche Inhalte über eine Meldung auf der „Feedback“-Seite bei Linguee löschen oder man sperrt alle Suchmaschinen aus.

Liebe Betreiber von Linguee:

Es mag ja rechtlich vollkommen legal sein, öffentlich zugängliche Inhalte in Auszügen mit Quellenangabe zu zitieren, auch ohne besondere Zustimmung der Urheber. Ich habe auch Verständnis dafür, dass man mit seiner Arbeit Geld verdienen möchte. Auch habe ich kein Problem damit, dass Auszüge meiner Texte als Beispiele für Übersetzungen zitiert werden.

Dennoch wäre es eine nette Geste, wenn Sie, statt auf Gerichtsurteile zur Legalität ihres Angebotes zu verweisen, wenigstens dokumentieren würden, mit welchem User-Agent sich ihr Bot meldet und ob er durch spezifische Regeln in der robots.txt steuerbar ist – nicht jeder Text den ich schreibe, ist geeignet, um als Beispiel für Übersetzungen zu dienen, auch wenn er bei anderen Suchmaschinen trotzdem auffindbar sein soll.

2 Gedanken zu „Linguee… oder „mit fremden Inhalten Geld verdienen““

  1. Ein sehr guter Text für ein Deutsch lerner. Es stimmt, dass Linguee sein Bot identifizieren sollte, und mehr mit die Urheber arbeiten sollte.

    Viel Glück aus Bogotá, Kolumbien, SüdAmerika.

    David

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Mittlerweile kann man auch bei Linguee den Bot genauer mit einer eigenen robots.txt steuern. Siehe dazu auch http://www.linguee.com/bot

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