Erste Eindrücke von DVB-T2 HD

Bis März 2016 habe ich noch DVB-S2 mit DVBViewer an meinem PC genutzt. Beim Umzug nach Berlin habe ich die alte Satellitenschüssel samt Halterung aber nicht mitgenommen, weil unklar war, ob ich in der neuen Wohnung noch eine Möglichkeit zur Aufstellung haben werde. Nun ist es so, dass in Deutschland jeder Haushalt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Beitrag in Höhe von derzeit 17,50 EUR monatlich bezahlen muss, unabhängig davon, ob man ein Empfangsgerät bereithält oder nicht. Daher habe ich nach Möglichkeiten gesucht, zumindest die frei empfangbaren Sender nutzen zu können, ohne dafür zusätzlich monatliche für einen Kabelanschluß oder IPTV bezahlen zu müssen.

Die Lösung war ein DVB-T2-Receiver als USB-Stick, konkret ein Hauppauge WinTV-dualHD. Dieser Reciever kann zwei verschiedene Programme gleichzeitig empfangen und ist unter Windows auch mit DVBViewer problemlos nutzbar. Dazu kommt noch LAV-Filter als Codec für die HEVC-Dekodierung, die für DVB-T2 HD erforderlich ist.

In Berlin gab es schon vor dem offiziellen Umschalttermin einen Testbetrieb, bei dem ARD und ZDF in HD-Auflösung empfangbar waren. Die übrigen Kanäle waren alle noch in Standardauflösung und zumindest in meiner Wohnung trotz Aktivantenne teilweise nur schlecht empfangbar, wie etwa BR. Das hat sich mit der Umstellung am 29. März 2017 erfreulicherweise deutlich verbessert. Einerseits sind nun alle Sender ausnahmslos in HD und zusätzlich ist auch die Empfangsqualität höher. Alle Programme werden in 1080p, also Full-HD mit 1920×1080 Pixeln bei 50 Vollbildern pro Sekunde übertragen. Zum Vergleich: bei DVB-S2 mit H.264 kommt nur „einfaches“ HD mit 1280×720 Pixeln zum Einsatz. Entsprechend hoch ist die Bildqualität, wie die nachfolgenden Beispiele einiger Sender zeigen. Einschränkungen gibt es nur da, wo das Ausgangsmaterial in geringerer Auflösung vorliegt und nachträglich skaliert wurde.

Die Wiedergabe funktioniert völlig problemlos und flüssig und durch die Hardware-Unterstützung durch die Grafikkarte für die Wiedegabe von HEVC auch ohne nennenswerte Belastung der CPU.

Der „elektronische Programmführer“ (Electronic Program Guide – EPG) und Teletext sind ebenfalls nutzbar:

Alle weiteren Funktionen von DVBViewer, wie Timeshift und Aufnahme von Sendungen sind ebenfalls uneingeschränkt verwendbar. Es gibt für DVBViewer auch eine Erweiterung, um HbbTV nutzen zu können, die ich aber derzeit nicht nutze.

Das einzige Problem, was ich derzeit noch habe: der deutschsprachige Audiokanal von Arte kann mit LAV-Filter nicht störungsfrei wiedergegeben werden. Mit dem Standard-Audiodecoder von Microsoft, der in Windows 7 enthalten ist, geht es zwar, dieser hängt sich aber nach einem Kanalwechsel von Arte zurück zu einem anderen Sender auf und die Audiowiedergabe fehlt dann komplett. Das kann man zwar beheben, indem man nach dem Kanalwechsel den Filtergraph für DirectShow neu aufbauen lässt, allerdings dauert das auch einige Sekunden und ist daher keine wirklich praktikable lösung. Daher lasse ich Arte derzeit außen vor.

Update, 2. April 2017: Für die Probleme bei der Audiowiedergabe gibt es eine Lösung, siehe meinen anderen Beitrag dazu. Damit ist auch Arte uneingeschränkt nutzbar.

Update 15. April 2017: Die hier beschriebene Kombination funktoniert auch mit Windows 10, wobei man ggf. auch madVR als Video-Renderer benutzen sollte. Siehe dazu den Beitrag zu Windows 10.

Persönliches Fazit

Auch wenn ich kein großer TV-Nutzer bin – ab und zu gibt es durchaus interessante Beiträge bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und der Rundfunkbeitrag muss ohnehin bezahlt werden.

Mit DVB-T2 HD hat die Bildqualität einen deutlichen Fortschritt gemacht und übertrifft teilweise sogar noch die Übertragung über Satellit. Gemessen am Aufwand durchaus lohnenswert, da für den Empfang ohne zusätzliche laufende Kosten eine kleine Antenne im Zimmer ausreicht, wo vorher eine Satellitenschüssel auf dem Balkon nötig war. Dass die privaten Sender, wie ProSieben, SAT1, RTL u.A. über DVB-T2 nur noch als PayTV zu bekommen sind, ist mir persönlich egal, da ich sie mir auch vorher schon nicht mehr angesehen habe.

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