Der WDR und das Thema „Leben im Rollstuhl“

Wenn man über das Thema „Leben im Rollstuhl“ berichten möchte, kann man sich mit betroffenen Menschen treffen und sich ihren Alltag zeigen lassen. Man kann aber auch einen Journalisten, der selbst keinen Rollstuhl braucht,  in einen Krankenhausrollstuhl setzen und ihn dann berichten lassen, wie das so ist. Meistens kommt dabei wenig sinnvolles heraus – auch hier wieder nur das übliche „oh die armen Menschen im Rollstuhl“. Auch die Frage, ob man mit einer Gehbehinderung Sex haben kann, durfte offenbar nicht fehlen m(.

Mehr dazu siehe auch den Artikel bei Übermedien.

Zitat:

Schrankel ist nichtbehindert und kann, das wurde gleich in den ersten Sequenzen klar, sehr schlecht Rollstuhl fahren. Er wirkte wie ein Journalist mit Schuhcreme im Gesicht, der herausfinden will, wie das Leben als schwarzer Mensch in Deutschland ist. Eine solche Reportageidee würde man in den meisten Redaktionen als absurd abweisen; bei behinderten Menschen gibt es da nach wie vor weit weniger Skrupel

Und weiter:

Für das, was der WDR da gemacht hat, gibt es einen Begriff: Inspiration Porn. Geprägt hat ihn die verstorbene australische Journalistin Stella Young, die selbst Rollstuhlfahrerin war. Der Begriff beschreibt das Phänomen, eine Gruppe von Menschen zu Objekten zu machen, um einer anderen Gruppe von Menschen etwas Gutes zu tun.

In diesem Fall geht es also darum, einen behinderten Menschen zu einem Objekt der Bewunderung zu machen, damit nichtbehinderte Menschen, die den Film schauen, sich inspiriert fühlen, um so ein wohliges Gefühl aufkommen zu lassen: „Ganz egal wie schlecht mein Leben ist, es könnte noch schlimmer sein“, formulierte es Stella Young. „Ich könnte diese Person sein.“

Raul Krauthausen hat übrigens schon 2015 das „Ein Tag im Rollstuhl“-Problem thematisiert.

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