Der lange Weg zum rauchfreien Leben

Vor einigen Monaten habe ich das Rauchen aufgehört. Meine Erfahrungen dabei helfen vielleicht auch Anderen, die gerade darüber nachdenken, das Rauchen aufzugeben oder gerade erst damit anfangen, ein rauchfreies Leben zu führen und noch mit dem „inneren Schweinehund“ kämpfen… ich kenne das Gefühl nur zu gut. Aber es lohnt sich durchzuhalten!

Ein Leben als Raucher in Zahlen

Ich habe, wie viele Raucher/innen, bereits als Jugendlicher damit angefangen, genauer gesagt im Alter von etwa 15 Jahren im Jahr 1985. Hauptsächlich geschah dies, weil Andere in meiner Umgebung ebenfalls damit begonnen hatten und ich einfach dazu gehören wollte. Man könnte es auch als eine Art Initiationsritus sehen – wer rauchte war kein Kind mehr, sondern betrat die Welt der Erwachsenen. Tatsächlich war ich auf dem Bild, das „Computer Kontakt“ im Jahr 1986 von mir abgedruckt hat, bereits regelmäßiger Raucher. Anfang 2015 war ich 45 Jahre alt und hatte eine „Raucherkarriere“ von rund 30 Jahren hinter mir.

Im Jahr 1986 kostete eine Schachtel mit 21 Zigaretten im Automaten 4 DM oder umgerechnet etwa 2 €. Im Jahr 1992 wurde der Preis auf 5 DM (2,50 €) für 22 Zigaretten erhöht dann im Jahr 2000 auf 6 DM (3 €) und 2001 nach Einführung des Euro auf 3 € für 21 Zigaretten.  Ende 2004 ging es dann hoch auf 4 € für eine Schachtel mit 19 Zigaretten und im Jahr 2012 kostete die selbe Packungsgröße im Automaten bereits 5 €, nachdem man zwischenzeitlich die Packungsgrößen auf teilweise auf 17 Zigaretten pro Schachtel reduziert hatte. Nach 2004 wurden auch Schachteln für 6 € im Einzelhandel eingeführt für die Leute, denen die Packungsgrößen im Automaten zu klein geworden waren.

Zur Abschätzung der Gesamtausgaben für meinen Zigarettenkonsum gehe ich der Einfachheit halber von einer Schachtel pro Tag seit 1986 aus, auch wenn das nicht ganz stimmt, da ich am Anfang noch nicht so viel geraucht habe. Das gleicht sich aber dadurch aus, dass es später mitunter auch mehr als eine Schachtel pro Tag war.

Zeitraum Preis pro Schachtel Ausgaben insgesamt
1986-1991 2,00 € 4380,00 €
1992-1999 2,50 € 7300,00 €
2000-2004 3,00 € 5475,00 €
2005-2011 4,00 € 10220,00 €
2012-2015* 5,00 € 6077,00 €
SUMME 33425,00 €

* 2015 nur die ersten vier Monate

Im Ergebnis habe ich für Zigaretten über 30000 € ausgegeben. Am Ende waren es laufende Kosten von deutlich über 1500 € pro Jahr.

Die ersten Zweifel

Dass Tabakrauch den Körper schädigt, und viele Menschen an den Folgen sterben, ist eine Tatsache. Wir Raucher sind aber groß darin, die gesundheitlichen Risiken zu beschönigen. Da wird dann gerne der eigene Großvater genannt, der auch im hohen Alter noch geraucht hat oder bekannte Persönlichkeiten, wie Helmut Schmidt. Es gibt aber ebenso Fälle von langjährigen Rauchern die daran gestorben sind, wie Yul Brynner (verstorben an Lungenkrebs), Leonard Nimoy (verstorben an COPD) oder das Beispiel von Roland Kaiser, der nur durch eine Lungentransplantation COPD überlebt hat.

Wenn man älter wird und sich mit „Raucherhusten“ und anderen gesundheitlichen Folgen des Zigarettenkonsums herumschlagen muss, dann verdrängt man diese Tatsachen und sagt, dass man ja jederzeit aufhören kann mit dem Rauchen, wenn es sein muss. Tatsächlich hält einen starken Raucher aber fast nichts davon ab, seiner Sucht nachzugeben. Ob Zahnbehandlung oder starke Erkältung – sobald es irgendwie geht, wird trotzdem geraucht.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Bronchitis, wegen der ich mehrere Wochen bettlägerig war und die nur mit starker Antibiotika in den Griff zu bekommen war. In dieser Zeit habe ich nicht geraucht und war froh, als die Fieberschübe und Hustenanfälle zurückgingen. Dass die Erkrankung so heftig verlaufen ist, war zweifellos auch begünstigt durch den jahrzehntelangen Zigarettenkonsum. Trotzdem hat mich das nicht davon abgehalten, sofort wieder zu rauchen, als es mir wieder halbwegs besser ging – die psychische Abhängigkeit war einfach stärker als die Erkenntnis, dass ich ohne Nikotin und Tabakrauch besser leben würde.

Schließlich habe ich die Konsequenzen des Rauchens auch im Alltag deutlicher zu spüren bekommen: der typische „Raucherhusten“, besonders morgens nach dem Aufstehen, hat sich häufiger bemerkbar gemacht und auch bei manchen Fahrradtouren habe ich die Folgen schlechterer Durchblutung in Beinen und Armen gespürt. Mir wurde langsam bewusst, dass ich so wahrscheinlich keine weiteren 30 oder 40 Jahre ohne gravierende Einschränkungen leben werde. Die Bestätigung habe ich durch eine ärztliche Untersuchung bekommen. Dabei wurde festgestellt, dass meine Lunge bereits erste Anzeichen einer COPD zeigt – eine Folge des langen Zigarettenkonsums.

Bis zur Diagnose kannte ich den Begriff „COPD“ überhaupt nicht. Diese Abkürzung steht für  „chronic obstructive pulmonary disease“ oder auf Deutsch „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“. Es handelt sich dabei um eine unheilbare Erkrankung der Lunge, die in fortgeschrittenen Stadien Atemnot und Sauerstoffmangel verursacht und zwangsläufig zum Tod führt. Rechtzeitig erkannt, kann man damit aber leben, wenn man das Rauchen aufgibt.

COPD ist stigmatisiert, weil Tabakrauch ein wesentlicher Risikofaktor für diese Krankheit ist und man Betroffenen unterstellt, ihre Erkrankung durch fahrlässiges Verhalten selbst verursacht zu haben. Wer aber selbst nie geraucht hat, kann kaum nachvollziehen was es bedeutet, nikotinsüchtig zu sein. Viele Raucher/innen beginnen bereits als Jugendliche damit, wo sie die Risiken schlicht nicht beurteilen können. Die Tabakindustrie ist sich auch sehr wohl bewusst, dass man Menschen möglichst früh im Leben als „Kunden“ gewinnen muss, und bewirbt ihre Produkte entsprechend, indem sie genau die Punkte in der Werbung hervorhebt, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wichtig sind.

Der Entschluß aufzuhören

Anfang Mai 2015 habe ich nach der ärztlichen Untersuchung den Entschluss gefasst, das Rauchen aufzugeben und lebe seitdem rauchfrei. Ich habe ohne große Vorbereitung einfach aufgehört. Die noch halb volle Schachtel habe ich in den Müll geworfen und meinen Umfeld gesagt, dass ich ab sofort nicht mehr Rauchen werde.

Die ersten Tage

Der Tag der letzten Zigarette war ein Freitag – und es war gut, dass ich ein Wochenenende vor mir hatte, um die akuten Entzugserscheinungen zu bewältigen, bevor ich wieder in’s Büro gegangen bin. Die ersten Tage habe ich durch den Entzug kaum geschlafen und war auch ziemlich schlecht gelaunt. Freunde, Familie und mein Arbeitsumfeld habe ich dann auch darauf hingewiesen, dass meine Stimmung durch den Nikotinentzug eher schlecht ist und sie es nicht persönlich nehmen sollen, wenn ich gereizt reagiere. Nachdem ich die ersten beiden Nächte kaum schlafen konnte, hatte ich mir am dritten Tag auch Nikotinpflaster gekauft – und sie nur zwei Tage benutzt. Tatsächlich war es wohl überflüssig, da die akuten körperlichen Entzugserscheinungen schon nach ein paar Tagen vorbei sind – einschließlich dem Bedürfnis nach Zigaretten am Morgen. Die größere Herausforderung ist die psychische Abhängigkeit, deren Überwindung deutlich länger dauert und bei vielen Menschen auch von Rückfällen begleitet ist.

Veränderungen in den ersten Wochen

Nach einigen Wochen konnte ich wieder viel mehr riechen und schmecken, auch weil die Sinne nicht mehr regelmäßig durch Tabakrauch betäubt wurden und sich die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Körpers verbessert hat. Der Effekt war beeindruckend – nun habe ich selbst bemerkt, wie intensiv die „Duftwolke“ bei manchen Leuten ist, wenn sie vorher geraucht haben und ich habe den Geschmack vieler Lebensmittel neu entdeckt.

Ein Punkt, der mich stark beschäftigt hat, ist das Gefühl, einen Teil der eigenen Persönlichkeit aufzugeben und etwas dabei zu verlieren – denn alle wichtigen Ereignisse in meinem Leben habe ich als Raucher erlebt, wie etwa die erste eigene Wohnung, den beruflichen Einstieg als Softwareentwickler oder den Tod geliebter Menschen.

Der Stand nach vier Monaten

Mittlerweile lebe ich im fünften Monat rauchfrei. Das Gefühl von Verlust, das ich anfangs hatte, lässt erfreulicherweise nach und ich beginne langsam, das Leben ohne Zigaretten als Normalzustand zu erleben und zu genießen. In manchen Situationen denke ich immer noch an Zigaretten – besonders dann, wenn ich alleine zu Hause bin. Dennoch bin ich zuversichtlich, weil ich merke, dass solche Momente weniger werden und mein Umfeld mich positiv darin bestärkt, nicht aufzugeben.

Eine leichte Gewichtszunahme hat sich ebenfalls eingestellt – allerdings pendelt sie sich bei etwa 4 bis 5 kG ein und wird auch nicht mehr. Man sollte nur der Versuchung widerstehen, Süßigkeiten als Ersatz für Zigaretten zu konsumieren – lieber zuckerfreie Kaugummis nehmen, wenn der Mund eine Beschäftigung braucht. Allerdings war ich vorher schon kein besonderer Liebhaber von Schokolade und daran hat sich nichts geändert.

Mein gesundheitlicher Zustand hat sich weiter verbessert. Beim Fahrradfahren fühlt es sich an, als hätte ich immer leichten Rückenwind und die manchmal aufgetretenen Wadenkrämpfe in den Beinen bei längeren Fahrten sind komplett verschwunden. Wenn ich mich zwischendurch körperlich stärker anstrenge, schnaufe ich nicht mehr so stark, bin viel schneller wieder auf normalem Niveau und mein Ruhepuls ist von ehemals 70-80 auf unter 60 Schläge pro Minute gesunken – eine körperliche Kondition, die ich zuletzt vor über 10 Jahren hatte :-).

Neben dem gesundheitlichen Aspekt ist für mich die angenehmste Veränderung die neu gewonnene Freiheit, nicht ständig Zigaretten rauchen zu müssen. Dass meine Wohnung nicht mehr nach kaltem Rauch stinkt und meine Kleidung und ich selbst auch frischer riechen, ist ebenfalls ein Gewinn an Lebensqualität.

Nicht zuletzt ist auch der finanzielle Aspekt wichtig. In den zurückliegenden Monaten habe ich rund 600 Euro eingespart, die ich für andere Dinge nutzen kann. Ich bin nicht mehr länger ein Unterstützer der Tabakindustrie, die im Jahr 2014 in Deutschland immer noch über 24 Milliarden Euro umgesetzt hat.

Nicht aufgeben!

Noch habe ich einen langen Weg vor mir und es wird noch viele Monate, wenn nicht sogar einige Jahre brauchen, bis ich gar nicht mehr an Zigaretten denken muss. Bisher habe ich es ohne Rückfall geschafft. Dennoch mein Rat an Andere: Auch wenn man es nicht gleich auf Anhieb schafft und rückfällig wird – nicht aufgeben und es nochmal versuchen! Es lohnt sich auf jeden Fall, auch nach 30 Jahren oder mehr.

Einen Aspekt sollte man aber immer bedenken: eine Sucht zu überwinden funktioniert nur, wenn man das aus eigenem Antrieb freiwillig tut. Wenn man nur deshalb das Rauchen aufgibt, weil man dazu gedrängt wird oder um Anderen einen Gefallen zu tun, wird man sehr wahrscheinlich damit scheitern.

Für das Umfeld von Raucher/innen, die aufhören wollen: Unterstützt das Vorhaben mit positiver Motivation. Nichts ist frustrierender, als wenn Andere nur darauf warten, dass man scheitert und das auch deutlich zum Ausdruck bringen.

6 Gedanken zu „Der lange Weg zum rauchfreien Leben“

  1. Stephan

    Alle Achtung für Deinen mutigen und selbstkritischen Artikel.

    Wenn man die Ausgaben für die Zigaretten stattdessen angespart hätte, kämen durch Zinzen und Zinseszins konservativ gerechnet nochmals 10 000 € dazu:

    4380€*(1+0.025)^24 + 7300€*(1+0.025)^16 + 5475€*(1+0.025)^11 + 10220€*(1+0.025)^4 + 6077€*(1+0.025)^1 = 43453€

    Was mich wundert, dass Du als passionierter Fahrradfahrer das Rauchen und das Fahrradfahren solange miteinander vereinbaren konntest, Du mußt eine sehr robuste Konstitution haben.

    Ich wünsche Dir weiterhin Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit bei Deinem eingeschlagenen Weg!

    Stephan

  2. Christine

    Lieber Arno,

    nachdem ich ja hautnah sowohl Deine ersten Anfänge des Rauchens, als auch die darauf folgenden 30 Jahre miterlebt habe, bin ich einfach nur mächtig stolz auf Dich, dass Du das so geschafft hast bis jetzt. Ich bin zuversichtlich, dass Du auch weiterhin nicht mehr rauchen wirst!
    Dein Artikel ist mir so nah gegangen, dass ich auch das Rauchen aufgeben werde. Es gibt einfach keinen guten Grund zu rauchen, ausser der verdammten Sucht. Aber es wird mir eine Ehre sein, dagegen anzukämpfen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ichs auf Anhieb so schaffen werde wie Du. Aber ich will es versuchen!

    Danke für Dein gutes Vorbild!

  3. Christine

    So, nun denke ich, habe ich es auch geschafft fürs erste. Ich rauche jetzt seit dem 22.09.2015 keine einzige Zigarette mehr und fühle mich ausgesprochen wohl dabei.
    Ich hätte nie gedacht, dass es letztlich doch so einfach ist, aufzuhören.
    Ich habe einfach die vorhandenen Zigaretten entsorgt, alle „Rauchutensilien“ wie Aschenbecher, Feuerzeuge usw. weggepackt, bzw. verschenkt. Die ersten Tage war es etwas ungewohnt, nichts mehr in der Hand zu haben. Ich habe noch sehr oft an Zigaretten gedacht, viele Situationen waren ja damit verknüpft – immerhin habe ich ca. 47 Jahre meines Lebens täglich ca. 20 bis 25 Zigaretten geraucht.
    Mittlerweile fehlt mir nichts mehr. Im Gegenteil, mir geht es wie Dir, lieber Arno. Ich genieße meine Wohnung, die nicht mehr nach Rauch stinkt. Ich genieße die Situation, wie z.B. an der Straßenbahnhaltestelle stehen und den anderen zuzusehen, wie sie hektisch eine rauchen und habe selbst nicht mehr das Bedürfnis zu rauchen. Herrlich!
    Ich hätte nie geglaubt, was das für ein Zugewinn an Lebensqualität ist, nicht mehr rauchen zu müssen.
    Nochmals danke dafür, Du warst der Anstoß für mich! Ich werde auch dabei bleiben, denn es ist ungleich schöner ohne Zigaretten zu leben.

  4. Bert

    Vielen Dank für die super Seiten zum Thema Fahrrad. Habe viele Sachen gelesen die ich noch nicht wusste. Kompatibilät von Shimano komponenten u.s.w.

    Habe dann noch Ihre Kommentare zum Nichtrauchen entdeckt. Bravo! Auch ich habe lange geraucht und bin so froh das ich diesen Blödsinn nicht mehr machen muss.

    Bitte durchhalten, es wird immer besser ohne das Nikotin.

    Dank Gruß Ermunterung vom Bert

    1. Arno Welzel

      Vielen Dank für das Lob und die aufmunternden Worte. Ich bin mittlerweile seit rund 7 Monaten rauchfrei und sehr zuversichtlich, dass es auch so bleibt.

  5. Peter

    Ich lese gerne solche Geschichten, und drücke beide Daumen! Mein Vorfahre hatte mit 34 mal eine wochenlange Grippe, und hat die Gelegenheit genutzt auszusteigen. Er wird aber immer noch grantig, wenn ihm einer eine hinhält. Aber jetzt ist er 70+ und die die ihm eine hinhalten, kommen nicht mehr vorbei…

    Wenn du dem ganzen die Krönung aufsetzen möchtest, solltest du dich dafür einsetzen, dass Zigarettenautomaten verschwinden. Tabakläden haben nachts in schwachen Stunden einfach zu, das würde sicher vielen Menschen helfen, aufzuhören.

    Bei mir ist es Kaffee, da bin ich ein Suchtler. Und Kaffeemaschinen stehen echt überall.
    Ich renn mit Thermoskanne und Tee herum…

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