Das zweite Leben eines alten Notebooks

Vor einiger Zeit habe ich über darüber berichtet, dass ich bald in Berlin lebe. Die ersten Monate werde ich allerdings beruflich bedingt „Wochenendheimfahrer“ sein und unter der Woche keinen Zugang zu meinem PC haben. Mein altes Netbook funktioniert zwar rein technisch auch nach rund sieben Jahren noch – aber mit dem kleinen Display und der langsamen CPU ist es mittlerweile kaum mehr, als eine Notlösung für unterwegs. Ein normales Notebook wäre wesentlich sinnvoller.

Die Lösung ist ein ausgemustertes Lenovo Thinkpad X220 aus Firmenbeständen. Mein Exemplar ist von Anfang 2012 und damit rund vier Jahre alt. Trotzdem ist es von den technischen Daten her immer noch sehr gut benutzbar:

CPU: Intel Core i5 2520M (Dual Core mit Hyper-Threading, 3 MB Cache, 2,5-3,2 GHz, bis zu 16 GB RAM im Dual-Channel-Betrieb)
GPU: Intel HD 3000 (integriert in die CPU)
Arbeitsspeicher: 1×4 GB PC3-10600 (DDR3), maximal bis zu 2×8 GB möglich
Massenspeicher: 2,5″ SATA, 320 GB HDD mit 7200 U/min
Bildschirm: 1366×768 Pixel, 12,5″ (16:9), LED-Hintergrundbeleuchtung
Netzwerk: Ethernet 1 GBit/s, WLAN mit 2×2 MIMO bis zu 300 MBit/s (Intel Centrino Advanced-N 6205), UMTS mit HSDPA
Schnittstellen: Stromversorgung, LAN (RJ45), 3×USB 2.0, VGA, DisplayPort, Headset-Anschluss, Einschübe für SD-Karten und ExpressCard 54, Einschub für Mini-SIM-Karte, Docking-Port
Stromversorgung: 6-Zellen-Akku mit 5600 mAh (je nach Nutzung 4-6 Stunden Laufzeit)
Sonstiges: Webcam, Stereo-Lautsprecher, Stereo-Mikrofon, zuschaltbare Tastaturbeleuchtung

Erste Eindrücke

Abgesehen von leichten Gebrauchsspuren und etwas Staub ist das Notebook in einem sehr guten Zustand und sehr robust konstruiert. Die Größe liegt zwischen Netbook und Laptop – nicht zu klein, aber immer noch kompakt und mit etwa 1,5 kG (mit 6-Zellen-Akku) auch leicht genug, dass man es noch bequem auf Reisen mitnehmen kann. Auch die Geräuschentwicklung ist sehr zurückhaltend: solange die CPU nicht stärker beansprucht wird, ist das Gerät nahezu lautlos, was im normalen Alltagseinsatz der Normalzustand ist.

Ebenfalls dabei ist auch eine Docking-Station, „UltraBase Series 3“, die einen (auswechselbaren) CD/DVD-Brenner von LG (mit DVD-RAM-Unterstützung) sowie Anschlüsse für LAN, 4×USB, VGA, DisplayPort und getrennte Anschlüsse für Audioausgang und Mikrofoneingang bietet. Die Docking-Stationen „ThinkPad Mini Dock Plus Series 3“ und „ThinkPad Port Replicator Series 3“ können ebenfalls verwendet werden. Docking-Station und Notebook bilden über eine Verriegelung eine feste Verbindung, die je nach Modell mit einem Hebel an der Seite (wie in den Bildern zu sehen) oder mit einem großen Druckknopf gelöst werden kann.

Sehr angenehm ist die Tastatur: trotz kompakter Bauweise des Gerätes hat sie die selbe Größe wie eine reguläre PC-Tastatur und bietet ein gut durchdachtes Layout. Ebenfalls vorhanden ist eine zuschaltbare Tastaturbeleuchtung, die mit einer kleinen LED oberhalb des Bildschirms realisiert wurde und als „Mini-Flutlicht“ den Bereich vor dem Bildschirm ausleuchtet. Neben dem Trackpad unterhalb der Tastatur gibt es auch den typischen „TrackPoint“, der schon bei den ersten ThinkPads von IBM vorhanden war.

Beim Bildschirm merkt man, dass es sich um eine etwas einfachere Ausführung handelt: Das TN-Panel hat eine starke Blickwinkelabhängigkeit und keinen sehr hohen Kontrast. Auch die Auflösung von 1366×768 Pixeln ist nicht sehr hoch. Für die meisten Alltagsarbeiten reicht es aber trotzdem gut aus und ich habe auch nicht vor, Bildbearbeitung o.Ä. darauf zu betreiben. Immerhin ist das Panel matt und stört nicht mit Spiegelungen der Umgebung.

Wer will, kann auch ein IPS-Panel einbauen – entweder lässt man das über einen Dienstleister für etwa 140 EUR machen oder man kauft ein passendes Panel als Ersatzteil ab etwa 70 EUR und tauscht es selber aus. Entsprechende Anleitungen findet man im Web.

Wer sich über die „altbackene“ Optik der Oberfläche wundert: Ja, das ist bewusst so eingestellt und ich mag das so ;-).

SSD und zusätzlicher Arbeitspeicher

Man merkt dem Gerät die Ausrichtung für den professionellen Einsatz deutlich an: Arbeitsspeicher und Festplatte können leicht ausgetauscht werden und je nach dem, ob einem geringes Gewicht und Größe oder lange Akkulaufzeit wichtiger sind, kann man wahlweise eine von drei verschiedenen Akkuvarianten zwischen 4 Zellen mit 1950 mAh bis zu 9 Zellen mit 9000 mAh verwenden. Wer eine wirklich lange Laufzeit braucht, kann zusätzlich einen „Slice“-Akku an der Unterseite des Gerätes anbringen und so zusammen mit dem internen Akku bis zu 24 Stunden Laufzeit erreichen. Erfreulicherweise ist der vorhandene 5600 mAh-Akku mit 6 Zellen immer noch in einem brauchbaren Zustand – 4 bis 6 Stunden Laufzeit sind damit immer noch möglich. Auch ist es aktuell (April 2016) kein Problem, passende Akkus als Ersatzteil neu zu bekommen.

Um die Leistung etwas zu verbessern, habe ich ein zusätzliches 4 GB-Modul eingebaut, so dass der Speicher mit insgesamt 8 GB im Dual-Channel-Betrieb arbeitet, und die Festplatte durch eine 250 GB-SSD (Samsung EVO 850) ausgetauscht. Beides wurde anstandslos erkannt.

Die SSD liefert rund 350 MB/s, was dem Notebook zu sehr kurzen Startzeiten und einer insgesamt hohen Leistung verhilft.

Lenovo ThinkPad X220, Benchmark mit Samsung 850 EVO

Mobiles Internet mit UMTS

Durch das integrierte UMTS-Modul kann man auf Wunsch auch ohne WLAN und Handy mobiles Internet nutzen. Voraussetzung ist eine Mini-SIM-Karte mit Datentarif, die im Akkuschacht eingesetzt wird, sowie geeignete Software.

Da ich aus verschiedenen Gründen nicht ganz darauf verzichten kann, läuft auf dem Notebook bis auf weiteres Windows 7. Das unterstützt zwar theoretisch auch UMTS-Module und einen passenden Treiber bietet Lenovo auch an – aber praktisch kommt man ohne die Software „ThinkVantage Access Connections“ von Lenovo nicht aus.

Unter Linux sollte UMTS ebenfalls benutzbar sein, da die Hardware grundsätzlich unterstützt wird – ich habe es allerdings nicht praktisch ausprobiert.

Erweiterungsmöglichkeiten mit ExpressCard

Der Steckplatz für ExpressCard bietet die Möglichkeit, fehlende Funktionen zu ergänzen, wie z.B. Anschlüsse für USB 3, falls einem USB 2 nicht ausreicht, etwa für externe Festplatten. Passende Karten gibt im Versandhandel schon ab etwa 15-20 EUR.

Persönliches Fazit

Das Lenovo ThinkPad X220 war bei Erscheinen ein sehr gutes Gerät und ist auch nach vier Jahren immer noch eine gute Wahl als Gebrauchtgerät. Mit SSD und erweitertem Arbeitsspeicher fällt der Unterschied zum „großen“ PC sehr gering aus und die Docking-Station erlaubt auch die bequeme stationäre Nutzung mit externem Bildschirm und Tastatur/Maus. Gebraucht bekommt man solche Geräte je nach Ausstattung teilweise schon für unter 250 EUR – das ist auf jeden Fall eine Überlegung wert, bevor man sich einen einfachen „Billig-Laptop“ kauft, der in der Regel auch kaum unter 300 bis 400 EUR zu bekommen ist.

3 Gedanken zu „Das zweite Leben eines alten Notebooks“

  1. Hallo,

    ich kaufe auch schon seit vielen Jahren gebrauchte Lenovos. Die sind in meinen Augen immer noch besser und stabiler als billige Neue. Mit SSD stehen die geschwindigkeitsmäßig ebenfalls nix nach.

    Probleme hatte ich bisher nur mit Treibern unter neueren Windows Versionen. Aber alles lösbar.

    mfg
    Andy

  2. Moritz

    Hallo,
    sag mal bitte was zu dem großen Schwachpunkt des Displays und zwar oben, da wo die Antenne verbaut ist.
    Da kann es leicht passieren, dass beim öffnen oder schließen des Bildschirmdeckels diese Leiste abbricht. Ziemlicher Murks, was Lenovo da auf dem Markt gebracht hat.
    Wie sind deine Erfahrungen?
    Mfg

    1. Arno Welzel

      Bisher habe ich das Display nur einmal geöffnet, um das Panel durch ein Exemplar mit IPS zu ersetzen. Da hatte ich keine Probleme.

      Siehe auch den anderen Beitrag dazu und das dort enthaltene Video.

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