Das gute Gefühl der Sicherheit

ABUS skizziert ein Schreckensszenario zum Thema „Fahrrad fahren“, um die Notwendigkeit von Fahrradhelmen zu unterstreichen.

Auf http://www.abus.de/de/main.asp?ScreenLang=de&select=0104c ist zu lesen:

„Fahrradhelme können Leben retten! – 2003 sind in Deutschland fast 70.000 Radfahrer im Straßenverkehr verletzt worden – 6000 Menschen starben bei Verkehrsunfällen. Vor allem radfahrende Kinder und ältere Personen sind gefährdet. Hier kann schon das Tragen eines Fahrradhelmes das Risiko immens mindern.“

Das erweckt den Eindruck, als wäre man auf dem Fahrrad jederzeit der Gefahr von Verletzung und Tod ausgesetzt und ein Fahrradhelm würde genau das verhindern. Diese Aussage ist natürlich Unsinn – ein Helm verhindert einen Unfall nicht und Kopfverletzungen sind nicht die einzige Todesursache bei Unfällen.

Auf http://www.abus.de/de/main.asp?ScreenLang=de&select=0901&docID=50 wird wiederum erklärt, dass sich in Deutschland pro Jahr rund 90000 Unfälle im Zusammenhang mit Leitern ereignen, sowie:

„Hektik und mangelnde Konzentration sind die mit Abstand häufigsten Unfallursachen bei Arbeiten im Haushalt sie machen rund 60 Prozent der etwa 2,7 Millionen Haushaltsunfälle, die sich jährlich in Deutschland ereignen, aus.“

Komischerweise wird in diesem Text aber für Arbeiten im Haushalt nicht das Tragen von Helmen empfohlen.

Die zuerst genannten Zahlen sind aus dem Jahr 2003 – also fast 10 Jahre alt. Grund genug, sich aktuellere Daten dazu anzusehen:

Verkehrsunfälle 2008 2009 2010
Mit Personenschaden 320614 310806 288297
Getötete 4477 4152 3648
Schwerverletzte 70644 68567 62620
Leichtverletzte 338403 329104 308550
Beteiligte insgesamt 648796 616741 595702
… davon Fahrradfahrer 86209 86569 82520
… davon Fußgänger 36865 35778 34651
Getötete Fahrradfahrer 456 462 381
Getötete Fußgänger 653 591 476
Getötete PKW-Fahrer 2368 2110 1840

Quellen:
Destatis, Unfälle und Verunglückte im Straßenverkehr
Destatis, Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden nach Art der Verkehrsbeteiligung
Destatis, Getötete bei Verkehrsunfällen nach Art der Verkehrsbeteiligung

Es wurden also nicht 70000 Fahrradfahrer pro Jahr verletzt, sondern in dieser Größenordnung waren Fahrradfahrer beteiligt an statistisch erfassten Unfällen. Erfasst werden Unfälle aber immer, sobald die Polizei eingeschaltet wird – auch wenn es nur um Sachschaden geht und keine oder nur harmlose Verletzungen vorliegen.

Des weiteren wurden natürlich nicht 6000 Fahrradfahrer getötet, sondern weniger als 500. Nicht schön – aber bei weitem nicht so dramatisch, wie es ABUS darstellt. Im gleichen Zeitraum sind zudem mehr Fußgänger und noch viel mehr PKW-Fahrer bei Unfällen gestorben. Für Fußgänger und PKW-Fahrer werden aber keine Helme empfohlen.

2 Gedanken zu „Das gute Gefühl der Sicherheit“

  1. Claudio

    Il percorso fatto è tutto du una pista ciclabile o su strada? Grazie
    Claudio

    1. Arno Welzel

      Strada e pista ciclabile.

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