Das erste Jahr in Berlin

Wie schnell die Zeit vergeht… jetzt lebe ich schon knapp über ein Jahr in Berlin. Zeit für eine kleine Rückblende, was in diesem Jahr alles passiert ist.

Der Umzug Augsburg – Berlin

Im April 2016 war es soweit: der Umzug nach Berlin. Wir haben dafür einen netten  Umzugsunternehmer aus Berlin gefunden, der uns auch einen guten Preis für den Transport gemacht hat. Es war durchaus beeindruckend zu sehen, wie der komplette Inhalt meiner Augsburger Wohnung einschließlich meiner Fahrräder im Laderaum eines umgebauten Sprinters Platz findet. Auf dem folgenden Bild ist noch nicht alles verladen, aber man sieht, dass es hilfreich ist, wenn jemand mit Erfahrung die Verladung übernimmt:

Meine Sachen sind dann wohlbehalten zuerst in einem Lager in Berlin Lichtenberg gelandet. Ich war dann noch einige Tage in Augsburg, um die Wohnung zu streichen und an den Vermieter zu übergeben.

An den Moment, als ich in den Zug nach Berlin eingestiegen bin, erinnere ich mich noch gut. Einerseits war ich froh, dass es mit dem Umzug geklappt hat, andererseits war es auch ein seltsames Gefühl, die Stadt zu verlassen, in der ich seit der Schulzeit aufgewachsen bin und rund 40 Jahre gelebt habe. Letztlich war ich aber sehr neugierig auf die Erfahrung, in Berlin nicht nur als Gast zu sein, wie in den Jahren davor, sondern dauerhaft dort zu leben.

Die ersten Monate in Berlin

Wenn ich früher zu Besuch war, beschränkte sich mein Aufenthalt meist auf wenige Orte der Stadt, wie etwa Kreuzberg zwischen Südstern, Hermannplatz und Kotbusser Tor, ab und zu Potsdamer Platz und gelegentlich mal ein Ausflug zum Tempelhofer Feld, Alexanderplatz und in den Tiergarten. Die Yorckstraße kannte ich im Wesentlichen nur als Umsteigepunkt von der S-Bahn in die U-Bahn auf meinem Weg vom Südkreuz nach Kreuzberg wenn ich aus Augsburg gekommen bin oder umgekehrt, wenn ich wieder auf dem Heimweg war.

Nun ging es darum, zu meiner neuen Arbeitsstelle in Moabit zu kommen und das idealerweise mit dem Fahrrad, damit ich auch mehr von der Geografie der Stadt kennenlerne. Mein erster Arbeitsweg mit knapp 7 km hat mich am Potsdamer Platz vorbei durch den Tiergarten geführt und hat mich an frühere Jahre in Augsburg erinnert, wo ich einige Zeit täglich von Hochzoll in die Innenstadt durch den Siebentischwald gefahren bin.

Ausflug nach Südfrankreich

Ende Mai konnten wir uns vom ersten Umzug etwas erholen in Südfrankreich, siehe meinen anderen Beitrag dazu.

Critical Mass

Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, Ende April 2016 bei der Critical Mass mitzufahren – noch mit meinem „Berliner Oldie“, nachdem mein Alltagscrosser noch eingelagert war. Nach der Rückkehr aus Südfrankreich war das Wetter in Berlin auch schon sehr angenehm und die Critical Mass im Mai entsprechend groß. Den Alltagscrosser hatte ich Anfang Mai aus dem Lager geholt und konnte jetzt auch damit mitfahren. Siehe auch meinen Bericht zur Critical Mass Berlin im Mai 2016.

Dresden

Beruflich bedingt war ich in den ersten Monaten noch häufig unter der Woche in Dresden – eine Stadt, die ich bis dahin noch gar nicht kannte. Manche der nachfolgenden Bilder sind etwas unscharf, weil sie mit einem Smartphone entstanden sind, das mit den teilweise schlechten Lichtverhältnissen Probleme hatte.

In Dresden habe ich auch „nextbike“ erstmals genutzt. Diesen Anbieter gibt es zwar auch in Augsburg, dort habe ich das selbst aber nie gebraucht. In Dresden fand ich es dagegen sehr angenehm, für wenig Geld meine täglichen Wege auf dem Fahrrad zurücklegen zu können. Die Fahrräder kann man ausserdem im Innenstadtbereich von Dresden überall abstellen und muss sich nicht auf feste Stellplätze beschränken.

Noch zwei Umzüge

Anfang August 2016 bin ich in unsere neue gemeinsame Wohnung eingezogen, meine Frau etwas später, nachdem wir alte Wohnung erst noch auflösen mussten. Für die Transporte haben wir den selben Umzugsunternehmer beauftragt, mit dem wir schon im April 2016 gute Erfahrungen gemacht haben.

In der neuen Wohnung es gibt jetzt ausreichend Platz für uns beide, samt unserer Möbel aus ehemals zwei getrennten Wohnungen und wir leben in einer durchaus angenehmen Ecke von Berlin mit guter Anbindung zum ÖPNV und noch innerhalb des S-Bahn-Rings.

Herbst und Winter – Festivalzeit

Traditionell finden um den Jahreswechsel verschiedene Filmfestivals statt, wie das Pornfilmfestival Berlin im Oktober 2016 und die Berlinale im Februar 2017.

Im Oktober 2016 gab es auch noch das Vintage Computing Festival Berlin, an dem ich als Aussteller ebenfalls teilgenommen habe.

Schliesslich habe ich im November 2016 auch noch eine nette Sauna entdeckt – die Thermen an der Heerstraße. Nicht direkt in der Nähe und auch nicht besonders schick, aber durchaus empfehlenswert, wenn man nur eine normale Sauna will und kein „Erlebnisbad“.

Bombenalarm in Augsburg

Bei meinem Besuch in Augsburg bei der Familie über Weihnachten 2016 gab es noch einige Aufregung: bei Bauarbeiten wurde eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg genau in der Nähe der Ecke gefunden, wo ich früher gelebt habe (siehe auch den Bericht im Spiegel). Das ganze Gebiet wurde für die Räumung einen Tag evakuiert – mit rund 54000 Menschen. Hätte ich noch in Augsburg gewohnt, wäre ich von der Aktion auch betroffen gewesen. Den Tag habe ich dann mit meiner Familie im Haus einer guten Freundin knapp außerhalb des Sperrgebiets verbracht.

Entdecke die Möglichkeiten

Eine Sache, die ich in Berlin als sehr angenehm empfinde, ist die Menge an Angeboten, was sich auch aus der Größe der Stadt ergibt. Es gibt es in der Stadt praktisch alles. Allein im Umkreis von 2 km um unsere Wohnung gibt es etliche Supermärkte (Norma, Aldi, Rewe, Edeka), einen Getränkemärkt (Hoffmann) fast vor der Haustür, diverse Bio-Läden und die Westfälische Straße mit einem sehr guten Metzger (Fleischerei Bünger), diversen Weinläden und Wäschereien und sogar einer Filiale der Hofpfisterei.  Ebenfalls nicht weit entfernt gibt es die Bäckerei von Christa Lutum und die Fußgängerzone in der Wilmersdorfer Straße, wo es u.A. auch Filialen von TK Maxx und Mediamarkt gibt. Direkt Laufweite zu unserer Wohnung gibt es auch einen Baumarkt (Bauhaus). Am S-Bahnhof Charlottenburg gibt es einen russischen Supermarkt, Rossia, der 24 Stunden täglich geöffnet hat.

Wenn wir mal nicht selber kochen wollen, findet sich auch ein umfangreiches Angebot an Gastronomie in der Umgebung. Speziell in der Kantstraße gibt es viele asiatische Küchen, die sehr zu empfehlen sind und nicht sehr teuer, wie etwa Lo Men’s Noodlehouse oder Aroma gleich daneben. Am Stuttgarter Platz gibt es die Salumeria da Pino, ein Geschäft für italienische Feinkost, wo man auch direkt vor Ort etwas essen kann – nicht unbedingt billig, aber dafür sehr lecker. Als eine gute Freundin aus Augsburg zu Besuch war, haben wir das Koshary Lux beim Savignyplatz entdeckt, das ich auch sehr empfehlen kann.

Auch sonst ist viel geboten: Ausstellungen, Theater und Kinos kann man das ganze Jahr über besuchen und im Sommer einen der vielen Stadtparks oder das Tempelhofer Feld – oder man macht einen Ausflug zum Wannsee, der auch mit dem Fahrrad gut erreichbar ist, wenn man etwas Zeit hat. Vom Drachenberg aus hat man einen sehr schönen Ausblick über die Stadt und kann auf dem Hin- oder Rückweg in einer der Gaststätten beim S-Bahnhof Grunewald eine Pause im Biergarten machen.

Endlich angekommen

Nach einem Jahr kenne ich die Geografie der Stadt einigermaßen, auch wenn ich die ÖPNV-Auskunft und die Navigationssoftware auf meinem Smartphone nach wie vor sehr zu schätzen weiß. Zumindest habe ich aber nun eine Vorstellung von der Lage und den Entfernungen zwischen einzelnen Bezirken und kenne viele Wege mittlerweile recht gut. Ich bin angekommen und fühle ich mich in Berlin zu Hause, auch wenn ich Augsburg immer als „Heimat“ empfinden werde.

Mein Arbeitsweg ist mit 6 km bequem mit dem Fahrrad machbar und führt durch Charlottenburg und am Tiergarten vorbei durch das Hansaviertel. Gelegentlich besuche ich aber auch Freunde in Kreuzberg und Schöneberg und habe so viele neue Ecken von Berlin kennengelernt. Auch eine Tour nach Potsdam an der Avus entlang und am Wannsee vorbei war schon dabei. Die Yorckstraße ist jetzt nicht mehr nur ein Umsteigepunkt auf dem Weg zum Südkreuz, sondern ein Stück des von mir bevorzugten Weges zwischen Halensee und Kreuzberg.

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