Critical Mass Augsburg und die Polizei

Im Juni habe ich an der „Critical Mass“ in Augsburg teilgenommen (siehe auch meinen Beitrag dazu). Wie schon damals berichtet, ist der Umstand, dass jemand von der Fahrradstreife der Augsburger Polizei in zivil mitgefahren ist, bei einigen Leuten nicht gut angekommen.

Mittlerweile wurde auf Wunsch einiger Mitfahrer ein anonymer Protest gegen die Überwachung durch die Polizei veröffentlicht.

Grundsätzlich kann ich verstehen, dass manche Leute sich beobachtet fühlen, wenn ein Polizist mitfährt und respektiere diese Meinung, auch wenn ich sie nicht uneingeschränkt teile. Andererseits wird damit meiner Ansicht nach ein falsches Bild verbreitet und der Beitrag ist stellenweise auch schlicht falsch. Ich war dabei – der Polizist ist nicht „ganz hinten“ mitgefahren, sondern mitten in der Gruppe und ich hatte mit ihm auch ein interessantes Gespräch zum Thema „Radbasteln“, nachdem er selbst sieben Fahrräder besitzt und auch privat ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer ist.

Es gibt auch nicht „die“ Critical Mass als homogene Gruppe, die hinter solchen Aussagen steht und im Blog wird auch klargestellt, dass es keine Organisatoren gibt und dass auch das Blog keine offizielle Website der Critical Mass ist.

Zudem wurden auf dem Blog auch schon Bilder mit klar erkennbaren Gesichtern von Teilnehmern veröffentlicht, ohne sie vorher zu fragen – siehe z.B. den Bericht von der CM im Juni 2013. Von mindestens einer Person, die dort erkennbar ist, weiss ich, dass sie nicht gefragt wurde, ob es in Ordnung ist, das Bild im Blog zu veröffentlichen. Wenn man es wirklich ernst meinen würde mit der Gefahr von „Überwachung“ oder den möglichen Nachteilen für Einzelne, deren Teilnahme bekannt ist, sollte man hier auch konsequent sein und entweder die Gesichter unkenntlich machen oder die Leute auch fragen – sonst könnte es auch sein, dass man sich vom Blog „beobachtet“ fühlt, weil man ja damit rechnen muss, dass Bilder veröffentlicht werden, wo man als Teilnehmer klar erkennbar ist.

Und dann noch dieses Zitat: „Die Critical Mass ist eine Fahrradfahrt, nichts sonst.“

Allerdings wundere ich mich schon etwas, dass das Blog die Aktion dann als „Protestfahrt“ bezeichnet und das Logo auf den T-Shirts eine geballte Faust ist – wenn man doch „nur“ friedlich auf dem Fahrrad in einer Gruppe fährt und niemanden stören will.

Selbstverständlich ist die Critical Mass kein „Sonntagsausflug im Grünen“ sondern ganz bewusst das Eintreten für mehr und sicheren Fahrradverkehr im Straßenverkehr und man will damit auch Anderen zeigen, dass die Straße nicht nur ihnen gehört und sie auch warten müssen, wenn die Gruppe vor ihnen fährt, eine Kreuzung quert oder viele Runden im Kreisverkehr dreht und Autos damit zum halten zwingt.

Hier scheint bei manchen Leuten ein etwas „selektives“ Selbstverständnis zu herrschen: Einerseits will man von offizieller Seite nur als friedliche Fahrradfahrer gesehen werden, die gegen keine Regeln verstoßen und nur ihr Recht wahrnehmen, gemeinsam in einer Gruppe durch die Stadt zu fahren – andererseits tritt man als „Protest“ auf und zeigt mit der geballten Faust im Logo auch eine gewisse „Kampfbereitschaft“.

Dennoch – ich werde wohl auch nächste Woche wieder dabei sein (kommenden Freitag, 26. Juli 2013 um 18:00 Uhr am Rathausplatz), weil ich das Engagement für „Fahrradfahren in der Stadt“ grundsätzlich wichtig und gut finde. Wer mitfahren will – jede/r ist willkommen!

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