Björn Böhning und der Radverkehr

Kürzlich wurde ich auf einen Artikel in der BZ aufmerksam gemacht:

https://www.bz-berlin.de/berlin/eine-wachsende-stadt-ohne-regeln-ist-keine-lebenswerte-stadt

Darin erklärt Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin, seine Vorschläge zum Radverkehr in Berlin. Leider zeigt Herr Böhning da genauso viel Kompetenz, wie bei der Gestaltung seiner Website.

Zitat:

Die heutigen Räder sind schon lange nicht mehr die guten alten Hollandräder allein. Mittlerweile sind Radrennmaschinen, teilweise mit Motor, auf den Straßen keine Seltenheit mehr. Warum soll hier denn nicht auch die Sicherheit erhöht werden?

Räder sollten wie das Auto nicht nur von den Nutzern selbst gut gepflegt und verkehrssicher gehalten werden, sondern es ist eine Überlegung wert, ob nicht auch neutrale Instanzen wie der TÜV beispielsweise für Elektrofahrräder die Kontrolle übernehmen sollten. Diese erreichen heute gut und gerne die Geschwindigkeit eines Mofas, für das es ja auch entsprechende Regelungen gibt.

Eine regelmäßige Kontrolle von Mofas durch den TÜV gibt es nicht (siehe § 3 Absatz 1 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung).

Und zum Thema „Geschwindigkeit“: ich nehme mal an, Herr Böhning ist schon lange nicht mehr selbst Fahrrad gefahren und wenn er das tut, dann wohl eher als Freizeitbeschäftigung und entsprechend langsam mit deutlich unter 20 km/h.

Was laut als „Mofa“ zugelassen ist, darf maximal 25 km/h schnell fahren, so wie Pedelecs, die ebenfalls nur bis 25 km/h per Motor unterstützen dürfen. Aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass man keine „Radrennmaschine“ braucht, um diese Geschwindigkeit auch mit reiner Muskelkraft zu erreichen. Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit quer durch Berlin fahre ich mit meinem Alltagsrad oft 25-30 km/h über längere Streckenabschnitte, wenn es die Verkehrssituation zulässt. Wenn nötig (und zulässig), sind auch 35 km/h über kurze Strecken kein Problem. Nein, ich bin kein Radsportler – nur seit gut 30 Jahren Alltagsradfahrer. Auf meinen täglichen Wegen erlebe ich aber auch viele andere Fahrradfahrer/innen, die nicht nennenswert langsamer sind als ich und die ebenfalls keine „Radrennmaschinen“ verwenden.

Weiteres Zitat:

Auch das Telefonieren am Steuer beispielsweise wurde geregelt. Die Hand gehört ans Lenkrad, nicht an die Tastatur. Vor diesem Hintergrund mutet es ziemlich absurd an, dass es für Radfahrer wenig vergleichbare Regeln gibt.

Auch hier irrt Herr Böhning. Selbstverständlich gibt es solche Regeln schon lange. Unerlaubte Handynutzung auf dem Fahrrad kostet aktuell 25 EUR Bußgeld, wenn man dabei erwischt wird. Und ja, auch Fahrräder gelten als „Fahrzeuge“, siehe §63a StVZO, weshalb §23 StVO auch für Fahrräder gilt.

Niemand muss Experte für jedes Thema sein – aber wenn man schon öffentlich Vorschläge unterbreitet, sollten man sich zumindest die Mühe machen, die Fakten vorher zu prüfen.

3 Gedanken zu „Björn Böhning und der Radverkehr“

  1. Aua, aua, aua. Sowas tut richtig weh …

    Aber es passt zur Verkehrssituation. Hauptsache, der Autoverkehr rollt.

  2. Hallo;

    wo können Sie denn in Berlin 25-30 km/h oder sogar 35 km/h mit dem Rad fahren? Es kommen doch sehr schnell wieder Ampeln. Oder meinten Sie außerhalb von Berlin?
    Gruß
    Jürgen

    1. Arno Welzel

      Nein, ich meine innerhalb des Rings z.B. von Charlottenburg nach Moabit (Kantstraße, Leibnizstraße, Bismarckstraße,…) oder von Wilmersdorf nach Kreuzberg (Wilmersdorfer Straße, Hohenzollerndamm, Hohenstaufenstraße, Pallasstraße, Yorckstraße…).

      Das geht problemlos. Höchstgeschwindigkeit laut meines Tachos in diesem Jahr waren bislang 36,18 km/h. Und ja, ich halte mich selbstverständlich an die Verkehrsregeln und halte auch an roten Ampeln. Wer ernstgenommen werden will, muss sich vor Allem an die allgemeinen Regeln halten.

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