A propos… Helmpflicht für Fahrradfahrer

Kürzlich habe ich einen Artikel zum Thema „Fahrradhelm“ in der TAZ gelesen: „Gefährlicher Kopfschutz“.

Sehr schön, dass man in der Presse auch mal eine andere Sichtweise der Dinge hat.

In vielen anderen Blättern wird ja leider immer noch der Standpunkt vertreten, dass Fahrradfahren ohne umfangreichen Schutz und womöglich noch auf der „gefährlichen“ Fahrbahn ohne Radwege kaum zu verantworten sei.

Verstärkt wurde dieser Eindruck zusätzlich durch die Entscheidung des Oberlandesgerichtes Schleswig, dass eine Fahrradfahrerin auch ohne Eigenverschulden einen Teil ihres Unfallschadens selber tragen muss, weil Sie ohne Helm gefahren ist und durch den Unfall Kopfverletzungen erlitten hat (Az. 7 U 11/12) – siehe dazu auch den Artikel bei der „Zeit“.

Interessanterweise gab es aber früher schon andere Entscheidungen – so wurde Ende 2007 vom Saarländischen Oberlandesgericht die Berufung einer Autofahrerin in einem ähnlich gelagerten Fall abgewiesen. Sie hat ebenfalls damit argumentiert, dass die von ihr verletzte Radfahrerin keinen Helm getragen hat und deshalb eine Mitschuld anzurechnen sei (Az: 4 U 80/07).

Fahrrad in der Stadt – gefährlich?

Der ADFC BW bietet einen Kurs für Erwachsene an, wo u.A. auch die Benutzung der Fahrbahn vermittelt wird: „Mit dem Fahrrad sicher im Verkehr“. Zitate: „Sie lernen, souverän und selbstbewusst auf der Fahrbahn zu radeln, […]“, „Sie werden eine überraschende Erfahrung machen: Je mehr Platz Sie sich auf der Straße nehmen, desto rücksichtsvoller werden Sie von Autos überholt.“.

Es wäre schön, wenn der ADFC das auch in anderen Bundesländern anbieten würde – denn viele Forderungen nach Radwegen oder stärkerer Trennung zwischen Autos und Radfahrern beruhen sicher auch auf der Angst vieler Menschen, sich im Straßenverkehr gemeinsam mit Autos zu bewegen.

Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass diese Ängste meist unbegründet sind – ich bin über 10 Jahre lang täglich zwischen der Augsburger Altstadt und Pfersee mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren und war dort auch in der Grottenau und auf dem Leonhardsberg unterwegs. Damals gab es dort auch noch keine Fahrradstreifen – trotzdem bin ich in der ganzen Zeit nie in gefährliche Situationen geraten. Um so erstaunlicher fand ich es, dass man am Leonhardsberg einen Teil des Gehwegs bergab als benutzungsfplichtigen Radweg abgetrennt hat und jetzt auch in der Grottenau Radstreifen anlegt, weil dieser Abschnitt angeblich als Gefahrenschwerpunkt bei Fahrradfahrern gilt. Siehe auch den Artikel dazu bei der „Augsburger Allgemeine“.

Sehr interessant auch die Erfahrungen dazu von Martin Wohlauer auf der Bürgerveranstaltung „Mehr hier. Mehr wir. Mehr Augsburg.“ der SPD am 2. Juli 2013.

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