A propos… „Dienstwagenprivileg“?

Ich bin ja selber kein Autofahrer – und habe auch noch nie einen Dienstwagen besessen… was ist eigentlich das „Dienstwagenprivileg“?

Bitte auch die Ergänzung am Ende des Artikels beachten.

Wussten Sie, was das „Dienstwagenprivileg“ in Deutschland ist? Damit bezeichnen manche Menschen eine Regelung im deutschen Steuerrecht, nach der Firmen die Kosten für Dienstwagen steuerlich absetzen können und den Nutzern solcher Autos nur 1% des Anschaffungspreises pro Monat als geldwerter Vorteil angerechnet werden. Man hat also das „Privileg“ ein Auto quasi gratis nutzen zu können.

Faktisch bedeutet das: Wenn eine Firma einem ihrer Angestellten beispielsweise einen Dienstwagen für 35000 EUR zur Verfügung stellt, kann sie dieses Ausgabe als Betriebs- oder Werbungskosten geltend machen und die Firma zahlt entsprechend weniger Steuern. Auch die Kosten für Kraftstoff und den Wertverlust kann die Firma steuerlich geltend machen. Dem Angestellten wiederum, der den Dienstwagen auch privat nutzen kann, werden 1% des Neupreises, also in diesem Fall 350 EUR im Monat, als geldwerter Vorteil zusätzlich zu seinem Einkommen angerechnet, was je nach Steuersatz etwa 150 EUR an Steuern monatlich bedeutet. Dazu kommen noch 0,03% pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Bei 25 km wären das dann noch einmal 0,75%. Am Ende fallen also rund 190 EUR an zusätzlichen Steuern monatlich an. Würde der Wagen allerdings privat finanziert, wären die Kosten um ein Vielfaches höher.

Der Kraftstoffverbrauch und die enstehende Umweltbelastung ist dabei völlig irrelevant. Eine Obergrenze gibt es meines Wissens nach nicht – wer also ein „SUV“ als Dienstwagen anschafft, kann die Kosten dafür ebenso geltend machen, wie für einen Kleinwagen, der für den Stadtverkehr des Angestellten vollkommen ausreichen würde. Auch die private Nutzung spielt keine Rolle.

Bezahlt wird das am Ende indirekt vom „Steuerzahler“ – also uns Allen, da der Verlust der Steuereinnahmen an anderer Stelle ggf. wieder ausgeglichen wird.

Man kann nun natürlich damit argumentieren, dass die deutsche Autoindustrie auch gute Geschäfte mit dem Verkauf von Autos als Dienstwagen an Firmen macht und eine Änderung dieser Regelung deutliche Umsatzeinbußen zur Folge hätte und womöglich Arbeitsplätze gefährdet. Persönlich glaube ich das aber nicht.

Ebenso gibt es die Meinung, dass andere Arbeitsmittel, wie Arbeitskleidung oder Büroausstattung ja ebenfalls steuerlich berücksichtigt werden und sich da auch niemand darüber beschwert, dass da nicht unbedingt die billigste Alternative ausgesucht wird. Allerdings verursacht Arbeitskleidung oder Büroaustattung nicht viele Jahre andauernder Umweltbelastung und verbraucht nicht etliche tausend Liter fossiler Brennstoffe in den Jahren ihrer Nutzung (die Energie zur Herstellung lasse ich hier bewusst außen vor, da sie bei einem Auto mehr ausmacht, als bei einem Schutzanzug für einen Arbeiter oder einem Schreibtisch für einen Büroangestellten).

Man möge mich korrigieren (E-Mails dazu sind willkommen), wenn ich hier völlig falsch liege – aber ich würde das als Lobbyismus pur bezeichnen – die Autoindustrie wird durch das Steuerrecht begünstigt. Will man das wirklich?

Wenn sowas auch für Fahrräder gilt, will ich ab sofort ein Dienstfahrrad – mit Rohloff Nabenschaltung, Vollfederung, hydraulischen Bremsen und einer jährliche Wartung in einer guten Werkstatt. Das wäre immer noch viel billiger, als ein Auto ;-)

Update 2011-11-27: Meine ursprüngliche Darstellung enthielt noch einen gravierenden Fehler – tatsächlich gilt die Berechnung des geldwerten Vorteils nicht jährlich, sondern monatlich. Auch ist die Entfernung zum Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Danke für den Hinweis! Das relativiert die Zahlen etwas, ändert aber nichts am grundlegenden Problem der steuerlichen Förderung von Dienstwagen unabhängig von ihrem ökologischem Schaden.

Siehe dazu auch http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_09_06/teure_e_autos_als.html

7 Gedanken zu „A propos… „Dienstwagenprivileg“?“

  1. Holger

    Es gibt bereits Unternehmen, die Regelungen für Dienstfahrräder haben (die Telekom z. B.).

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Danke für den Hinweis. Mit „JobRad“ gibt es ebenfalls die Möglichkeit, Fahrräder für die Mitarbeiter über den Arbeitgeber fördern zu lassen (siehe auch https://www.jobrad.org).

  2. Sebastian

    „die Autoindustrie wird durch das Steuerrecht begünstigt. Will man das wirklich? … und eine Änderung dieser Regelung deutliche Umsatzeinbußen zur Folge hätte und womöglich Arbeitsplätze gefährdet. Persönlich glaube ich das aber nicht.“

    Wir sollten uns eines bewusst sein: der Wohlstand Deutschlands stammt nicht durch irgendwelche Blogs (dazu zähle ich auch den Ihren) oder Internetseiten, noch durch das Spekulieren von Bankgeschäften oder auch neuerdings in StartUps. Sondern durch gute Produkte, wie Sie die deutsche Automobilindustrie bietet, wie sie der deutsche Mittelstand mit Maschinenbau beispielsweise bietet, die auf dem Weltmarkt gefragt sind.

    Es wird einen nationalen Umsatzrückgang zur Folge haben (dies kann sich jeder mit etwas Verstand malen: Fahrzeuge werden seltener ersetzt und allenfalls durch günstigere Modelle ersetzt. Dies mag auf den ersten (sozialistisch angehauchten?) Blick lohnenswert erscheinen. Auf den zweiten Blick verringert es das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt und erhöht eben die dort aufgerufenen Preise, womit soziale Effekte ad absurdum geführt werden. Ein normaler Bandarbeiter (nennen wir ihn so) ist in der Lage, sich ein oberes Mittelklassefahrzeug (die bevorzugten Dienstwägen sind eben Passat, A4, A6) nach einigen Jahren gebraucht zu leisten und kommt in den Genuss eines komfortablen Fahrzeugs, welches er sich sonst nicht hätte leisten können. Wer den Unterschied von Polo zu A6 „gefahren“ ist, wird dies bestätigen können. Einen Volks-Trabbant wünscht sich hoffentlich keiner zurück. So toll an der Kiste war jar nischt…

    Zuletzt: das Argument des Umweltschutzes (hier: „verbrennen von tausend Litern fossilen Brennstofen“) ist doch reiner Populismus, verglichen mit dem was tagalltäglich in der Welt passiert. Ein Frachtschiff verbrennt Unsummen mehr an fossilen Brennstoffen, die weitaus weniger gefiltert in die Luft gelangen. Dieses Argument ist billiger Populismus und hört sich gut an, wenn man auf teure Fahrzeuge blickt. Verbote fordern ist immer gut, solange sie einen selbst nicht treffen und aus Gründen der einfachen Allgemeinheit lohnenswert scheinen. Umweltschutz oder Naturschutz geht anders und wird in Deutschland bereits vorbildlich (oder manchmal auch etwas zu irrsinnig) umgesetzt.
    Sollte man private Blogs verbieten, da die Server und sämtliche Google-Suchanfragen ebenso subventioniert werden und Strom verbrauchen? Denke nicht, oder?

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Vermutlich haben Sie meinen Artikel falsch verstanden: Es liegt mir fern, Verbote zu fordern – davon steht auch nichts in meinem Text. Wie Sie darauf kommen, ist mir nicht nachvollziehbar. Ich habe damals viel mehr in Frage gestellt, ob es wirklich sinnvoll ist, den Verkauf von Autos durch Steuersubventionen in unbegrenzter Höhe und völlig ungeachtet der Notwendigkeit dafür zu fördern. Sie sind der Ansicht, das ist sinnvoll und notwendig, ich eben nicht.

      Der Vollständigkeit halber möchte ich aber noch ergänzen, dass der Betrieb meines Servers in keinster Weise subventioniert wird und ich dafür in voller Höhe selbst aufkomme.

  3. Jochen

    Ja es ist schön einen Dienstwagen zu haben. Was ich mich nur frage ist warum es ein Privileg sein soll? Es ist Teil des Lohns. Ist es ein Privileg Geld am Ende des Monats zu bekommen wenn ich gearbeitet habe? Ich denke nicht. Mein Passat hat um die 50000 € gekostet was für mich monatlich ca. 500€ virtuell höheren Lohn bedeutet den ich dann versteuere. Ich bezahle also für die vielleicht 2-300 privaten Kilometer pro Monat immer um die 200€. Ist das fair? Mal ja mal nein.
    Ich müsste einen zweiten Stellplatz in meiner Tiefgarage haben um ein Privat Auto unterzubringen wenn es dieses „Privileg“ nicht gäbe. Und ob ein 2. Auto wirklich umweltschonender wäre? Warum ist es ein Passat Kombi? Weil der Kofferraum voller Werkzeug, Ersatzteilen usw. ist. Will man den Kofferraum privat nutzen ist das Ausladen ziemlich zeitfressend. Das der Passat gut ausgestattet ist liegt nun auch daran das ich 60-70.000km pro Jahr dienstlich fahre.
    Die Höhe des Prozentsatzes ist vielleicht verhandelbar aber wo wollen wir hinkommen? Was ist gerecht ohne viel Bürokratie?
    Dass die Firmen den Wagen steuerlich absetzen ist doch absolut normal. Der Wagen ist nunmal eine Maschine die die Firma nutzt. Und jede noch nicht abgeschriebene Maschine hat nun mal steuerliche Effekte. Über die Steuerlichen Vorteile eines Drehmaschinenkaufs lese ich nirgends etwas. Liegt das vielleicht nur daran weil ganz wenige Leute privat eine Drehmaschine kaufen?
    Dienstwagen die gar nicht dienstlich genutzt werden sollten meiner Meinung nach diesen Steuervorteil nicht bekommen, jedoch wie soll man das beweisen?
    Grüße Jochen

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Es geht bei meinem Artikel nicht darum, dass der Dienstwagen für den Arbeitnehmer selbst ein Privileg ist, sondern dass es Steuergesetze gibt, die Autos als Fahrzeuge fördern und gegenüber anderen Verkehrsmitteln privilegieren. Dazu kommt, dass die Steuerersparnis um so höher ist, je mehr jemand verdient und dass es eben keine Obergrenze dafür gibt, was als Dienstwagen von der Firma steuerlich abgesetzt werden kann. Siehe dazu auch: Kritik an der steuerlichen Behandlung von Firmenwagen sowie Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung 2011/12. S. 212.. Zitat aus Letzterem:

      „358. Dass die pauschalierte Dienstwagenbesteuerung in vielen Fällen zu einer deutlich zu geringen Steuerschuld führt, ist ebenso bekannt (Diekmann et al., 2011).
      […]
      insgesamt werden Steuerlasten von der Gruppe der Dienstwagennutzer auf die Gruppe der Nicht-Dienstwagennutzer überwälzt. Die höchste ungerechtfertigte Steuerersparnis erzielen dabei die Steuerpflichtigen mit den höchsten Steuersätzen, deshalb sind auch die Verteilungswirkungen kritisch einzustufen. Der derzeitige Zustand ist somit unbefriedigend.“

      Auch nutzen Firmen diese Möglichkeit gerne, um Leuten einen Anreiz zu bieten, bei ihnen zu arbeiten – indem man Dienstwagen anbietet, die sich jemand privat vielleicht gar nicht kaufen würde, insbesondere mit entsprechender Motorisierung und Ausstattung. Als Argument wird dann gerne angeführt, dass man ja für die Dienstfahrten etwas Repräsentatives braucht oder man auf längeren Strecken ja niemandem zumuten will, mit einem „kleinen“ Auto fahren zu müssen. Tatsächlich kenne ich einen Fall, wo ein Porsche als Dienstwagen angeschafft und voll von der Steuer abgesetzt wurde. Somit schadet man mit der Steuergesetzgebung indirekt auch der Umwelt, weil potentiell umweltbelastendere Autos gekauft werden, obwohl einfachere Modelle mit geringerem Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen genauso ausreichen würden.

  4. Jürgen Rommeis

    Der Dienstwagen wird steuerlich gefördert. Aber ist es auch immer ein Dienstwagen? Der private Nutzungsanteil ist nicht selten deutlich höher und der Sprit kommt ja sehr oft kostenneutral für dem Mitarbeiter oben drauf. 2/3 der Neuzulassungen fallen in den Bereich Dienstwagenprivilleg. Dabei sind Fahrzeuge wie Audi Q7, BMW X6, VW Touareg für welches Jobprofil notwendig? Eine wie erklärbarer Anschaffung? Hier wird nicht selten ein Mitarbeiterbonbon von der Allgemeinheit subventioniert. Wer etwas anderes erzählt lügt. Nur der Ordnung halber, ich schreibe hier nicht vom Notarztwagen, dem Gelben Engel oder dem Audi A4 für den Außendienst. Ich wiederholen nochmal 2/3 der Neuzulassungen sind Dienstwagen. Die Niedrigverdienerin an der Supermarktkasse zahlt diesen Dienstwagen mit ihren Steuern und wird dann von diesem Privilleg von der Überholspur gedrängt. Eine echt traurige Nummer. Made in Germany. Man sollte der Made im Speck endlich die Grenzen aufzeigen denn die guten Zeiten sind für die meisten anderen Menschen in Deutschland nicht mehr vorhanden.

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