Wer ist eigentlich „nebenan.de“?

Vor einiger Zeit hatte ich einen Zettel im Briefkasten, dass ich mich doch bei dem kostenlosen Dienst „nebenan.de“ anmelden sollte – mit persönlichem Zugangscode und angeblich von einer „Lisa“ aus der Gegend, wo ich wohne. Natürlich hat „Lisa“ keine genaueren Daten angegeben oder Hinweise, wie man mit ihr in Kontakt treten könnte, so dass letztlich unklar bleibt, wer das denn ist und ob diese Person überhaupt existiert. Es gibt einzig den Hinweis darauf, dass die Plattform von der Firma Good Hood GmbH in Berlin betrieben wird.

Bei meiner weiteren Recherche ich ich einige erhellende Hinweise gefunden, siehe auch den Artikel dazu bei Wikipedia:

  • Der Gründer Christian Vollmann gilt als Star der deutschen Gründerszene und hat bereits iLove, MyVideo und eDarling gegründet.
  • Der Mitgründer Till Behnke ist heute Vorsitzender des Aufsichtsrats der gemeinnützigen Aktiengesellschaft gut.org, die betterplace.org betreibt.
  • Bereits zur Gründung im Jahr 2016 gab es 8 Millionen EUR vom Gründer Christian Vollmann und „anderen Investoren“.
  • 2017 sind der Burda Verlag und der Risikokapitalgeber Lakestar mit 16 Millionen EUR eingestiegen.
  • Christian Vollmer und Till Behnke sind mittlerweile Geschäftsführer der Good Hood GmbH, die nebenan.de betreibt.
  • nebenan.de hat den Konkurrenten, WirNachbarn.com, im Juni 2017 übernommen und betreibt in Frankreich den eigenen Dienst unter dem Namen mesvoisins.fr.

Es ist schwer zu glauben, dass dieses Projekt aus reiner Menschenfreundlichkeit entstanden ist und völlig selbstlos nur der Förderung guter Nachbarschaft dienen soll. Selbstverständlich wollen Investoren, wie Burda oder Lakestar langfristig damit Gewinne erzielen. Dazu muss man als ersten Schritt natürlich so viele Mitglieder wie möglich gewinnen. Der nächste Schritt ist dann die Vermarktung – etwa durch Werbung oder bezahlte Leistungen, die man über das kostenlose Angebot hinaus nutzen kann. Webung ist bereits geplant – ab Ende 2018 soll kostenpflichtige Werbung für lokale Händler kommen.

Dazu passt auch ein kritischer Artikel, der die Frage aufwirft, ob die Unterzeichner/innen der Einladungen überhaupt existieren: nebenan.de – Erfahrungen mit den Fake Nachbarn von nebenan (archivierte Version im November 2019). Auch der Spiegel hat bereits 2016 darüber berichtet: Online wird die Stadt zum Dorf.

6 Gedanken zu „Wer ist eigentlich „nebenan.de“?“

  1. G
    Gabriele Beekmann

    Es ist keineswegs gegeben, dass gute Nachbarschaft vom Himmel fällt. Es sollte zunächst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass man/frau helfen kann. Dass Menschen nicht vor Gericht gezerrt werden, weil die Birke zu viel Schatten spendet und, ach du liiiebe Zeit, auch noch Blätter verliert.
    Dass auch zivilisierter Austausch möglich ist. Dass freundliche Nachbarn von aufgeblasenen Frauen oder Männern nicht aus der Nachbarschaft getrieben werden.
    Dass es bei dem Bedürfnis, sich „Daheim“ wohl zu fühlen erfahrene Leitungspersonen gibt.
    Ein ebenso großes, wie auch zum Teil trauriges Thema.

  2. K
    Katharina

    Danke für den Artikel – sehr spannend!
    Bei so vielen spendenfreudigen Großunternehmen braucht „nebenan.de“ meine Spende wahrlich nicht.
    Der Nutzen ist fantastisch, und solange man zu nichts gezwungen wird, ist es für mich in Ordnung. Da habe ich bei WhatsApp/Facebook viel größere Bedenken.
    Katharina

  3. Angelina

    Wer sich von schönen Worten, wie Mitmenschlichkeit und Nachbarschaftshilfe, beeindrucken lässt, der glaubt auch, dass ein in Berlin ansässiges Unternehmen Interesse an guter Nachbarschaft in irgendwo hat. Gute Nachbarschaft entsteht m.M.n. ganz ohne äußere Unterstützung. Ohne dafür einem gewinnorientierten Unternehmen seine persönlichen Daten zu übermitteln und erst recht, ohne moralisch, oder politisch motivierte Anleitung. Wenn ich mich mit meinen Nachbarn stärker vernetzen will, kann ich einfach Telefonnummern tauschen. Freundliches Grüßen, ein Schwätzchen am Gartenzaun, oder einfach nur ein Schildchen mit: „hier, wer mag kann mitnehmen was ich rausgestellt habe“, tun es auch. Und dass man sich in der Nachbarschaft gegenseitig hilft und zur Seite steht, wo es möglich ist, ist eine Selbstverständlichkeit, die nicht von Fremden gesteuert werden muss. Ich habe ja nicht grundsätzlich etwas dagegen, dass jemand mit einer guten Idee gutes Geld verdient, aber dagegen, dass er nicht mit offenen Karten spielt.

  4. R
    Reimilus

    Ich nutze die Plattform schon eine ganze Weile, und habe dadurch doch schon einige nette Erfahrungen gemacht. Es wird unter anderem Hilfe angeboten oder eben von mir geleistet. Viele kleine und größere Dinge werden auch verschenkt. Gemeinsame Aktivitäten wie Doppelkopf – Runden in’s Leben gerufen, usw.. Bis jetzt bin ich vor kurzem auch erst einmal, um eine freiwillige Spende, die z.B. 3 € im Monat betragen kann, gebeten worden. Also damit kann ich leben. Helmut

  5. T
    Tom

    Nebenan.de ist ganz OK.

    Leider wurden meine Hinweise zur Software nicht beachtet.
    Mir wurde zwar geantwortet, dass sie geprüft werden, aber das war’s dann auch.

    Naja, das Grundprinzip von neuen Plattformen ist halt immer das gleiche: Später mal Werbung / gebührenpflichtige AddOns. Aber solange der Nutzen überwiegt kann ich die Nutzung empfehlen.

  6. C
    Christine

    Da schau‘ her, wieder einer, der Geld meint und „Menschlichkeit“ propagiert. Gefällt mir nicht! Danke für den Artikel!
    Christine

Öffentlichen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dies ist kein Kontaktformular! Wenn Du mir eine persönliche Nachricht schreiben möchtest, benutze die E-Mail-Adresse in meinem Impressum.

Du kannst die folgenden HTML-Tags im Kommentar verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>