Meine „Computer-Geschichte“

Gleich vorweg: Wer sich für alte Computer interessiert oder sich noch an die „guten alten Zeiten“ zurückerinnert, dem kann ich einen Blick in die Links empfehlen.

1982-1984

Im zarten Alter von etwa 13 Jahren bin ich das erste mal mit den damals typischen „Homecomputern“ in Berührung gekommen. Zu dieser Zeit waren Geräte wie der ZX81 von Sinclair, der TI99 4/A von Texas Instruments und natürlich auch der Commodore VC20 aktuell. Hobbymässig bastelte ich schon eifrig elektronische Schaltungen, kaufte viele Fachzeitschriften und verschlang förmlich alles, was mit dem Thema Elektronik und Computer zu tun hatte.

In einem grossen Kaufhaus in Augsburg wurde damals eine der ersten Fachabteilungen für Computer eröffnet. Dort wurden Homecomputer als Vorführgeräte ausgestellt und ich verbrachte viele Stunden nach der Schule in dieser Abteilung, um meine ersten Gehversuche auf einem der dort ausgestellten Exemplare des VC20 zu unternehmen. Ich lernte aus Zeitschriften BASIC, entwarf Programme auf dem Papier und probierte dann auf den Ausstellungsgeräten aus, ob meine Ideen funktionierten.

Zu meiner grossen Freude wurden irgendwann auch „Datasetten“ angeschlossen – umgebaute Cassettenrecorder, die zur Speicherung von Programmen auf Music-Cassetten (MC) verwendet wurden (MCs sind auch so ein Relikt, das sich trotz CD und MP3 erstaunlich lange gehalten hat). So konnte ich meine Erzeugnisse des Nachmittags auch speichern und am nächsten Tag da weitermachen, wo ich aufgehört hatte. Im Lauf der Zeit entwickelte sich das Ganze zu einem regelmässigen Treffpunkt, wo man immer alle Leute fand, die ähnliche Interessen hatten – eine durchaus gesellige Angelegenheit, die später auch auf die Computerabteilungen anderer Kaufhäuser ausgedehnt wurde :-).

Music Cassette
Die Datenspeicher dieser Zeit – Music-Cassetten, hier ein „Referenzmodell“ von TDK

1984-1985

Nachdem ich genug Geld gespart hatte, kam schliesslich der grosse Tag: Ich konnte mir endlich einen eigenen Computer leisten – es wurde ein gebrauchter Commodore VC20 mit Datasette. Als Bildschirm diente ein alter Schwarz/Weiss-Fernseher, etwa in der Größe eines 12″-Monitors, den ich von meiner Familie geschenkt bekam. Obwohl der Nachfolger C64 bereits auf dem Markt war, genügte mir der VC20 vollkommen. Die erste Zeit war ich kaum vom Computer wegzubekommen und lernte neben BASIC auch bald die technischen Details über die Arbeitsweise der Hardware kennen. Programmierung war für mich interessanter, als Video-Spiele oder fertige Programme zu benutzen.

1986-1989

Die Entwicklung ging weiter und der Commodore C64 fand auch in meinem Bekanntenkreis immer mehr Verbreitung. Ich entdeckte aber ein anderes Modell, das in Deutschland weniger bekannt war, mich aber technisch viel mehr faszinierte: Der Atari 800 XL. Diese Maschine verfügte wie der C64 über 64 kB Arbeitsspeicher und eine 6502-kompatible CPU, die mit etwa 1 MHz getaktet wurde, bot aber eine deutlich leistungsfähigere Hardware in Bezug auf Audio- und Videoausgabe (die selben Leute waren übrigens später an der Entwicklung der Amiga-Hardware beteiligt).

Ich konnte damals einen neuen 800 XL zu einem Spottpreis von umgerechnet unter 100 EUR kaufen. Kurze Zeit später kam auch ein passender Massenspeicher – wiederum ein Cassettenrecorder – dazu. Diskettenlaufwerke gab es zwar (wie auch schon für den VC20), aber sie waren für mich viel zu teuer. Der Fernseher wurde bald durch ein Farbmodell ersetzt – purer Luxus :-).

Auf dem Atari war mir BASIC bald nicht mehr ausreichend und ich begann, mich mit 6502-Assembler auseinanderzusetzen. Da das Angebot an Software in Deutschland nicht gerade üppig war, und ich als Schüler auch wenig Geld hatte, schrieb ich mir zunächst in BASIC ein einfaches Programm zur Umsetzung der 6502-Befehle in Maschinencode. Nachdem die BASIC-Version gut funktionierte, entwickelte ich eine verbesserte Version direkt in Assembler, die resident in einem geschützen Speicherbereich gehalten wurde und aus fast jedem Programm heraus per Hotkey aktiviert werden konnte. Diese Fassung habe ich an eine der damaligen Computer-Zeitschriften „Computer Kontakt“ als Beitrag eingeschickt und bekam prompt die Auszeichnung „Topprogramm des Monats“ (die Programme wurden damals noch in abgedruckter Form des Quelltextes veröffentlicht), verbunden mit einem Preisgeld von 1000 DM (500 EUR).

Computer Kontakt 1986
Meine erste Veröffentlichung in der „Computer Kontakt“

Von dem Preisgeld habe ich – was sonst ;-) – ein besseres Modell gekauft – einen Atari 130 XE samt 5,25″-Diskettenlaufwerk. Der 130 XE entsprach im wesentlichen dem 800 XL, hatte aber bereits ein Gehäuse, das im Design an die Atari ST-Reihe angelehnt war und verfügte über 128 kB Arbeitsspeicher (wovon die Hälfte über ein Bank-Switching-Verfahren seitenweise in einem bestimmten Adressbereich eingeblendet wurde, da die CPU durch ihren begrenzten Adressbereich nur auf 64 kB direkt zugreifen konnte). Das Diskettenlaufwerk wurde später auch noch mit einem „Turbo-Chip“ ausgerüstet, mit dem die Aufzeichnungsgeschwindigkeit und Kapazität erweitert werden konnte.

1990-1995

Mittlerweile Teil der „arbeitenden Bevölkerung“ (wenn auch noch in der Ausbildung) konnte ich mir einen Atari 1040 STE mit hochauflösendem Schwarz/Weiss-Monitor leisten. Diese Maschine war gegenüber dem 130 XE ein Quantensprung: 32-Bit-CPU (Motorola 68000) mit 8 MHz, 1 MB Arbeitsspeicher (den ich bald auf 4 MB erweitert habe), eingebautes 3,5″-Diskettenlaufwerk und ein Bildschirm, der ein gestochen scharfes Bild mit 640×400 Pixeln bei 72 Hz darstellte. Später kam auch eine SCSI-Festpatte mit 250 MB Kapazität dazu und zahlreiche Erweiterungen, wie eine schnellere serielle Schnittstelle, ein alternatives Betriebssystem („Mag!X“, später „Magic“ genannt) umschaltbar im selbstgebrannten EPROM sowie ein 1,44 MB-Diskettenlaufwerk (serienmässig wurden damals nur 720 KB-Laufwerke verbaut) samt passendem Floppy-Controller. Das Original-Betriebssystem „TOS“ (The Operating System) bot bereits eine grafische Oberfläche auf Basis von GEM.

Ein Tintenstrahldrucker (HP DeskJet 500) sowie ein 19200-Baud-Modem ergänzten das Ganze zu einer komplett ausgestatteten Anlage, die mir viele Jahre gute Dienste leistete.

Auf dieser Kiste lernte ich wieder etwas Neues: 68000-Assembler, „C“ und die wunderbaren Möglichkeiten von LaTeX, von dem es auch eine Portierung für den Atari ST gab. In C entwickelte ich nach einigen Jahren auch mein erstes grosses Projekt: „Thing“ (der Name stammt von einer Kneipe in Augsburg, die heute noch existiert, gesprochen „Ting“, siehe auch http://www.mein-thing.de) – gedacht als Alternative zu der eher spartanischen Desktop-Oberfläche von TOS. Zwar gab es zu dieser Zeit mit „Gemini“ bereits ein sehr erfolgreiches System, allerdings wurde Gemini nicht mehr weiterentwickelt. Ursprünglich war „Thing“ nur eine Nebenbeschäftigung – aber nach der ersten Veröffentlichung gab es bald zahlreiche, zufriedene Anwender und das Ganze entwickelte sich zu einem festen Teil der Atari-Softwareszene und fand zahlreiche Helfer, die sich daran beteiligten (Thomas Binder, dem mein besonderer Dank gebührt, auch für die spätere Weiterentwicklung und Pflege, Holger Weets für sein geniales Hilfesystem „ST-Guide“, Thomas Schulze für seine schönen Schriften und Thomas Künneth für „ThingImg“, mit dem auch farbige Bilder als Desktop-Hintergründe in Thing möglich wurden).

Screenshot Thing
Ein Screenshot von „Thing“, so wie es sich auf meinem 1040 STE präsentierte (ja, man konnte wirklich nur zwei Farben darstellen – aber wenn möglich, nutzte Thing auch die besseren Grafikmodi modernerer Maschinen)

Nachdem ich beruflich immer mehr mit PCs zu tun hatte und mir schliesslich auch selber einen PC angeschafft habe, musste ich aber die Arbeit an Thing aufgeben und übergab das Projekt an Thomas Binder. Atari selbst war auch bereits auf dem absteigenden Ast – das Ende war schon Mitte der 1990er Jahre absehbar. Die Zeit mit dem Atari war aber sicher eine der wichtigsten Erfahrungen für meine berufliche Zukunft – nicht zuletzt durch die Arbeit an Thing (grafische Oberflächen, die Programmierung in C, ereignisorientierter Programmablauf und vieles mehr).

Erstaunlicherweise findet sich sogar heute noch eine Seite zu „Thing“:

Artikel im Archiv der „ST Computer“

Und wer interessiert daran ist, seine eigene Version zu bauen – es ist Open Source und hier verfügbar:

https://github.com/arnowelzel/thing

Seit 1996

1996 hatte ich bereits beruflich mit PCs zu tun. Nach Ausbildung und Zivildienst konnte ich meine Kenntnisse in C auf die Welt von Microsoft Windows übertragen. Natürlich war dazu ein privater PC sehr vorteilhaft – denn auch wenn ich die Sprache bereits gut kannte, war Windows für mich programmiertechnisch absolutes Neuland und die Möglichkeit, mich auch privat weiterzubilden, war sehr willkommen. Später lernte ich auch Linux kennen und neben C viele andere Programmiersprachen (Pascal, Java, PHP, SQL, Shell-Scripte unter Linux usw.).

Seit 1997 bin ich auch im Web aktiv – siehe meine Website von 1997 im Archiv.

Mein erster Privat-PC war ein Pentium 75 mit 16 MB Arbeitsspeicher (der recht bald auf 32 MB erweitert wurde), einer Grafikkarte mit S3 Trio 32-Chip und 2 MB Speicher, „Soundblaster-kompatibler“ Soundkarte mit später nachgerüstetem MIDI-Modul, einer 850 MB IDE-Festplatte und 2x-CD-ROM-Laufwerk von Mitsumi. Das Ganze war in einem Midi-Tower verbaut und ich leistete mir den Luxus eines 15″-Farbmonitors von Sony mit Tinitron-Röhre, der ein hervorragendes Bild lieferte und etliche PCs überlebt hat.

Seit dem habe ich nie wieder einen Komplett-PC gekauft, sondern immer nur einzelne Komponenten ausgetauscht oder neue Geräte aus Einzelteilen selber aufgebaut. Dabei lernte ich auch so nette Entwicklungen wie die Matrox Mystique (3D-Grafik in Echtzeit mit Texturen, 640×480 Pixeln und 16 Bit Farbtiefe – wow) oder die Monster 3D von Diamond mit Voodoo Graphics-Chipsatz kennen (Quake GL und Loop-Through-Kabel – wer erinnert sich noch?).

Aktuelle Hardware, Oktober 2018

Mein aktueller privater PC (Stand Oktobr 2018) hat einen Intel Xeon E3-1231 v3 mit Arctic Cooling Freezer 7 Pro, eine Grafikkarte mit NVidia Geforce GTX 1060, 6 GB RAM und sehr leiser Kühlung (MSI „Twin Frozr“), 32 GB RAM, 256 GB SSD als Systemlaufwerk, sowie zwei weitere SSDs mit 512 GB und 1000 GB als Arbeitslaufwerke und diverse anderen Teile. Dank leiser Komponenten ist die Kiste recht unauffällig :-). Seit Oktober 2017 kommt als Bildschirm ein LG 27UD88 (27ʺ, 3840×2160 Pixel, S-IPS) zum Einsatz. Für die Internet-Anbindung verwende ich einen DSL-Anschluss und das Ganze lief bis Mai 2014 über einen separaten Computer mit FLI4L. Mehr dazu gibt es unter FLI4L. Aktuell kommt eine AVM Fritz!Box 7590 als Ablösung einer AVM Fritz!Box 7390 zum Einsatz.

Neben den PCs gibt es auch zwei PalmOS-PDAs, die aber beide nicht mehr genutzt werden – einen alten „Palm Pilot“ von US Robotics, und einen Sony Clié mit hochauflösendem Farbdisplay, der bis Ende 2007 noch gute Dienste geleistet hat – momentan nutze ich ein Smartphone mit Android, mit dem ebenfalls ein Datenabgleich mit dem PC möglich ist. Zusätzlich zum PC nutze ich auch noch ein altes Notebook, ein Lenovo X220, das mein Netbook Samsung NC10 abgelöst hat.

Die Entwicklung in 34 Jahren

Rückblickend auf die Anfänge habe ich mal einen kleinen Vergleich aufgestellt:

1984: Commodore VC20
CPU MOS 6502B / 0,973 MHz, 8 Bit Datenbus, 16 Bit Adressbus
RAM 5 kB (davon ca. 3,5 kB nutzbar), erweiterbar auf 64 kB
Grafik VIC 6561, 176×184 Pixel ausgegeben in einem Textmodus mit 22×23 Zeichen à 8×8 Pixeln mit wählbaren Farben für Vorder- und Hintergrund (jeweils für ein Zeichen) aus einer festen Platte von 16 Farben
Sound Teil des VIC 6561, 3 Stimmen mono zzgl. Geräuschgenerator
Massenspeicher Cassettenrecorder (ca. 90 KB auf einer 90-Minuten-Cassette)
2018: Individuell aufgebauter PC
CPU Intel Xeon E3-1231 v3 / 3400 MHz, 64 Bit Datenbus, 64 Bit Adressbus
RAM 33554432 kB (32 GB)
Grafik NVidia Geforce GTX 1060 / 1569 MHz GPU-Takt, 6 GB lokales RAM (GDDR5), 1280 „Unified Shader“-Einheiten zur Verlagerung von Aufgaben der CPU auf die Grafikkarte, Ausgabe auf einem TFT-Bildschirm mit 3840×2160 Pixeln, 16,7 Mio. Farben durch freie wählbarkeit von Rot-, Grün- und Blauanteil mit je 8 Bit
Sound Digitale Klangverarbeitung mit 24 Bit und 96 kHz, wahlweise über integrierte Audiohardware mit 7+1 Kanälen im PC oder über externe Wandler (z.B. Monitor mit Audioausgabe über einen DisplayPort-Anschluss).
Massenspeicher SSD 256 GB, 512 GB und 1000 GB, BD-Brenner mit DVD-RAM-Unterstützung (4,7 GB auf DVD-RAM, bis zu 50 GB auf BD-RE), RDX-Laufwerk

Einige der Komponenten des PC sind eher durchschnittlich – zum Zeitpunkt der Aufstellung waren schon schnellere Grafikkarten, CPUs etc. verfügbar. Es ist gut vorstellbar, dass die Entwicklung nicht mehr im selben Tempo voranschreitet, da irgendwann physikalische Grenzen der Machbarkeit erreicht werden. Dennoch ist beeindruckend, was die technische Entwicklung in diesem Bereich erreicht hat.