Tötungen von Menschen mit Behinderung sind keine „Erlösung“

In Potsdam wurden fünf Bewohner/innen einer Behinderteneinrichtung angegriffen und vier davon sind an ihren schweren Verletzungen gestorben. Die mutmassliche Täterin ist eine 51 Jahre alte Pflegehelferin, die seit 20 Jahren dort tätig ist.

Das Ereignis ist schlimm und schwer verständlich. Aber noch schlimmer ist, wie darüber teilweise in den Medien berichtet wird. Da wird ernsthaft „Erlösung von Leiden“ als mögliches Tatmotiv genannt. Was soll das? Eine Behinderung zu haben, ist kein „Leid“ von dem jemand „erlöst“ werden muss und es gibt nichts, was diese Tat rechtfertigen kann! Das ist Ableismus in seiner schlimmsten Form.

Wir müssen aufhören, unsere Gesellschaft aufzuteilen in „Behinderte“ und „Normale“ und Menschen, die nicht einer vermeintlichen Norm entsprechen, in eine Parallelwelt abzuschieben. Eine Parallelwelt in der Menschen als Kinder auf „Förderschulen“ kommen, als Erwachsene dauerhaft in Behindertenwerkstätten arbeiten und mitunter in Wohnheimen leben, wo sie praktisch vom Rest der Gesellschaft komplett isoliert sind.

Wir müssen aufhören, Pflegekräfte als billige Hilfskräfte anzusehen, denen man nur gerade so viel bezahlt, wie unbedingt nötig ist und gleichzeitig an allen Stellen spart, wo es nur irgendwie geht (siehe dazu auch Die Anstalt – Politikversagen im Altenheim).

Wir müssen aufhören, bei der Diskussion über Covid-19 davon zu spechen, dass Maßnahmen übertrieben wären, weil man damit Leute schützt, die „sowieso nicht mehr lange gelebt hätten“.

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