Eine Woche mit der Pebble

Seit etwa einer Woche nutze ich die „Mutter“ aller Smartwatches – eine Pebble in der klassischen Variante, die bereits 2012 als Kickstarter-Projekt vorgestellt wurde und der hier gezeigten Form seit etwa Anfang 2013 regulär auf dem Markt ist. Ich verwende die Pebble in Kombination mit einem Smartphone, auf dem Android 5.1.1 läuft.

Update Dezember 2016: Pebble hat sich entschlossen, ihre Sachen an Fitbit zu verkaufen und die Uhren sind nicht länger erhältlich. Mit Android 6 gibt es bei mir leider häufig Verbindungsabbrüche, so dass die Pebble auch nicht mehr sinnvoll im Alltag nutzbar ist :-(.

Update Januar 2017: Fitbit will offenbar die Infrastruktur für die Pebble mindestens 2017 noch erhalten. Nachdem ich mit Android 6 auf meinem Smartphone noch andere Probleme hatte, habe mich dazu entschlossen, wieder zu Android 5.1.1 zurückzukehren. Seit dem ist auch die Pebble wieder problemos verwendbar :-).

Die Pebble im Überblick

Geliefert wird die Pebble in einer kleinen Schachtel, ähnlich wie andere Armbanduhren. Im Lieferumfang befindet sich neben der Uhr noch ein Ladekabel für USB und eine Kurzanleitung für die Inbetriebnahme. Ein Netzteil ist nicht vorhanden.

Pebble, Verpackung geöffnet

Das Ladekabel ist eine spezielle Konstruktion für die Pebble: ein Halter mit gefederten Kontaktstiften haftet seitlich an der Uhr mit Hilfe von zwei kleinen Magneten. Die Konstruktion ist auch verpolungssicher aufgebaut – man kann das Ladekabel nicht versehentlich falsch herum anbringen. Der Vorteil dieser Konstruktion ist, das die Uhr dadurch komplett wasserdicht ist, was bei den meisten anderen Smartwatches nicht der Fall ist. Wenn nötig, kann man das Ladekabel auch einzeln nachkaufen. Hier sollte man aber darauf achten, das Originalteil zu bekommen, da billige Nachbauten von Drittherstellern häufig deutlich schwächere Magnete verwenden und nur schlecht halten.

Pebble mit Ladekabel

Ein großer Vorteil neben der Wasserfestigkeit: der Akku hält je nach Art der Nutzung rund eine Woche. Bei neuere Modellen anderer Hersteller, wie der Apple Watch oder Moto 360, muss man den Akku in der Regel täglich aufladen. Durch die lange Laufzeit kann man auch davon ausgehen, dass der Akku wenigstens 7 Jahre nutzbar bleibt, wenn man von etwa 70 Ladezyklen pro Jahr ausgeht und 500 Ladezyklen, für die der Akku insgesamt ausgelegt ist. Sollte der Akku dennoch eines Tages nicht mehr funktionieren, besteht zumindest die Möglichkeit einer Reparatur, da Pebble nach dem kritischen Bericht von iFixit mittlerweile die Rückseite mit Schrauben versehen hat, so dass das Gehäuse auch zerstörungsfrei geöffnet werden kann.

Das mitgelieferte Armband ist eher zweckmäßig und nicht besonders hochwertig: Vollgummi mit einer Metallschnalle. Ich empfand das Material nach ein paar Tagen ziemlich unangenehm zu tragen. Allerdings lässt es sich leicht austauschen, da für die Befestigung normale Federstege verwendet werden. So passt jedes Uhrenarmband mit einer Breite von 22 mm. Ich habe daher nach ein paar Tagen ein wasserfestes Lederarmband, „Mariner“, der Firma Hirsch angebracht.

Pebble mit Lederarmband

Aufgrund der Form wirkt die Uhr recht groß, zumindest an meinem Handgelenk. Aber das täuscht: Tatsächlich ist die Pebble nur wenig größer als die meisten Digitaluhren und mit 11,5 mm auch im Vergleich nicht besonders dick. Eine Casio WV-59DE-1AVEF Funkarmbanduhr ist beispielsweise 12,5 mm dick und deutlich schwerer.

Die Bedienung erfolgt mit vier Tasten: Drei Tasten auf der rechten Seite für „hoch“, „runter“ und „Auswahl“ sowie eine vierte Taste links für „zurück“. Einen Touchscreen gibt es nicht, dafür aber einen Lagesensor, der z.B. dazu verwendet werden kann, um die Hintergrundbeleuchtung mit einer kurzen Bewegung des Handgelenks einzuschalten. Einige Apps nutzen den Sensor zur Steuerung von Funktionen.

Für Benachrichtigungen ist ein Vibrationsmotor vorhanden, den ich auch immer sehr gut wahrgenommen habe. Ein Sensor für die Umgebungshelligkeit sorgt dafür, dass die Hintergrundbeleuchtung tagsüber nicht automatisch eingeschaltet wird. Diese Funktion ist bei Bedarf auch abschaltbar.

Ebenfalls vorhanden ist ein elektronischer Kompass. Um diesen auch praktisch nutzen zu können, muss man sich aber erst eine passende App auf der Uhr installieren, wie etwa Compass.

Inbetriebnahme

Um die Pebble in Betrieb zu nehmen, verbindet man sie über Bluetooth mit einem Smartphone, auf dem man vorher die App von Pebble installiert hat. Geeignet sind dafür sowohl Android-Geräte als auch ein iPhone.

Nach dem ersten Verbindungsaufbau prüft die App auf dem Smartphone, ob die Firmware der Pebble auf dem aktuellsten Stand ist und führt bei Bedarf ein Update aus, was über Bluetooth ein paar Minuten dauert. Danach kann man zusätzliche „Watchfaces“ und Apps auf der Pebble installieren.

Pebble ohne Smartphone

Auch wenn keine Verbindung zu einem Smartphone möglich ist, bleibt die Pebble grundsätzlich benutzbar – insbesondere grundlegende Funktionen wie Zeitanzeige oder die Verwendung installierter Apps wie Stoppuhr oder Timer sind ohne aktive Smartphone-Verbindung problemlos möglich. Um Strom zu sparen, kann man auch jederzeit die Bluetooth-Verbindung der Pebble manuell abschalten.

Praktische Anwendung

Die Pebble ist in erster Linie eine Armbanduhr. Das macht auch die Gestaltung deutlich. Für das Display verwendet Pebble ein transflektives „Memory LCD“ von Sharp mit einer Auflösung von 144×168 Pixeln.  Dieses Display benötigt nur sehr wenig Energie (laut Hersteller nur 60 µW), weshalb es auch dauerhaft eingeschaltet ist und man die Uhrzeit jederzeit auch ohne aktive Hintergrundbeleuchtung ablesen kann. Wenn nötig, sorgt ein Druck auf den „Zurück“-Knopf links oben oder eine schnelle Bewegung mit dem Handgelenk für die Aktivierung der Hintergrundbeleuchtung für einige Sekunden.

Der große Unterschied zu normalen Armbanduhren ist schon hier sichtbar: die frei anpassbare Darstellung über verschiedene „Watchfaces“. Mitgeliefert werden verschiedene Varianten für digitale und analoge Anzeige, wie „Simple Analog“, „Sliding Text“ und „Tictoc“.

Pebble Watchface „Simple Analog“ Pebble Watchface „Sliding Text“ Pebble Watchface „Tictoc“

Wenn man will, kann man auch andere Alternativen ausprobieren oder sich mit dem SDK von Pebble selber ein Watchface programmieren. Ich nutze derzeit „Zoooom“ – eine stark vergrößerte Darstellung einer analogen Uhr, die nur den Stundenzeiger und Markierungen für viertel Stunden enthält. Eine andere Variante, die ich gelegentlich auch gerne verwende, ist „White Pixels“ mit der Anzeige von Stunden und Minuten als Punkteraster.

Pebble Watchface „Zoooom“ Pebble Watchface „White Pixels“

Darüber hinaus gibt es noch eine riesige Auswahl weiterer Möglichkeiten, die man sich direkt über die Smartphone-App installieren kann.

Eine nützliche Funktion, die ebenfalls fest eingebaut ist, ist die Fernsteuerung der Musikwiedergabe des Smartphones. Man sieht dabei im Display auch Informationen zum aktuell gespielten Titel und kann nicht nur Titel wechseln und die Wiedergabe starten und stoppen, sondern auch die Lautstärke über die Pebble einstellen.

Pebble, Musikwiedergabe Pebble, Musikwiedergabe aktiv Pebble, Musikwiedergabe mit Lautstärkeregelung

Neben der Anzeige der Uhrzeit ist die wesentliche Anwendung einer Smartwatch die Weiterleitung von Benachrichtigungen durch das Smartphone. So sieht man auf der Uhr, wenn jemand anruft und kann das Smartphone auch lautlos in der Tasche haben, ohne jemanden durch Anrufe zu stören. Auch neue E-Mails oder Kurznachrichten bekommt man so auf Wunsch mit und kann dann entscheiden ob man gleich antwortet oder erst später. Da die ersten Zeilen der jeweiligen Nachricht angezeigt werden, muss man in der Regel auch das Smartphone gar nicht erst aus der Tasche holen. Bei manchen Benachrichtigungen, wie z.B. SMS, kann man auch direkt an der Pebble mit Standard-Antworten reagieren, ohne das Smartphone überhaupt benutzen zu müssen.

Pebble, Auswahlmenü für SMS Pebble, Antwortmöglichkeiten für SMS Pebble, Auswahl einer Standardantwort für SMS

Schliesslich gibt es noch die Möglichkeit, beliebige Anwendungen zusätzlich zu installieren. Neben Stoppuhr und Timer kann man auch den eingebauten Kompass zur Orientierung verwenden oder die Kamera des Smartphones mit einer Live-Vorschau von der Pebble aus steuern.

Pebble Timer Pebble Stoppuhr Pebble Kompass Pebble Kamerasteuerung

Die Tasten für „hoch“ und „runter“ können auch als Schnellstart-Taste für jeweils eine Anwendung eingestellt werden, die gestartet wird, wenn man die Taste länger gedrückt hält. So habe ich derzeit auf einer Taste die Fernsteuerung für die Musikwiedergabe und auf der anderen Taste den Kompass.

Neue Tricks für ein altes Pferd

Pebble OS 3.8Mit der „Pebble Time“ wurde 2015 ein neues Modell der Pebble vorgestellt, das neben einem Farbdisplay auch eine neuere Version von Pebble OS als Betriebssystem erhalten hat.

Ende Dezember 2015 wurde diese Version auch für die alten Pebble-Modelle angepasst und wird als Update installiert, wenn man auf dem Smartphone die „Pebble Time“-Version der App installiert.

Ein besonderes Merkmal dieser Version ist die „Timeline“-Ansicht, die mit den zwei Tasten rechts sowohl künftige Ereignisse wie auch zurückliegende Einträge der letzten anzeigt. Als Standard werden täglich der Sonnenauf- und untergang mit Wettervorhersage eingetragen. Darüber hinaus erscheinen aber auch Termine aus den ausgewählten Kalendern im Smartphone und Einträge von Apps, wie z.B. „Battery+“ mit dem Hinweis, wann der Akku wieder aufgeladen werden sollte.

Pebble TimelinePebble Timeline, Hinweis von Battery+

Über die Auswahltaste kann man zu jedem Ereignis weitere Details und mögliche Aktionen aufrufen und auf Wunsch auch künftige Einträge der jeweiligen App dauerhaft abstellen.

Die Zahl der installierbaren Apps und Watchfaces ist nicht mehr auf 8 beschränkt. Reicht der Speicher zur Benutzung einer App nicht aus, werden andere Apps oder nicht aktive Watchfaces automatisch ausgelagert auf das Smartphone und bei Bedarf automatisch wieder geladen.

Die Anordnung der Einträge im App-Menü erfolgt jetzt nicht mehr direkt an der Pebble, sondern nur noch in der Smartphone-App, wo man die Einträge in der Liste antippen und verschieben kann. Einzig der Punkt für die Systemeinstellungen ist auf der Pebble immer als erster Eintrag oben in der Liste zu finden.

Die Fernsteuerung für die Musik-Wiedergabe am Smartphone benutzt automatisch den aktiven Player. Eine manuelle Auswahl in der Smartphone-App ist nicht mehr nötig, man muss aber ggf. den Player im Smartphone manuell starten, bevor eine Steuerung möglich ist. Auch die Bedienung wurde überarbeitet: man muss nicht mehr die Auswahltaste gedrückt halten, um zur Lautstärkeregelung zu wechseln, sondern es genügt ein kurzes drücken der Taste. Start und Stopp der Wiedergabe wird entsprechend durch zweifaches drücken der Ausahltaste erreicht.

Der Standard für Benachrichtigungen umfasst nun alle Apps auf dem Smartphone. Man kann bei Bedarf einzelne Benachrichtigungen an der Pebble selbst oder in einer entsprechenden Liste in der Smartphone-App ausblenden.

Benachrichtung für E-Mail Benachrichtung für E-Mail, Auswahlmenü Benachrichtung für E-Mail, Auswahlmenü

Vorher musste man die Apps explizit auswählen, wodurch es passieren konnte, dass man einzelne Apps vergessen hat, deren Meldungen man aber durchaus sehen wollte.

Die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung ist jetzt in vier Stufen einstellbar, ebenso die Dauer zwischen 3 und 8 Sekunden.

Es gibt eine neue, optional aktivierbare „Standby“-Funktion: wird die Pebble für mehr als 30 Minuten nicht bewegt (etwa wenn man sie abends abgelegt hat), trennt sie die Verbindung zum Smartphone und schaltet die Bluetooth-Verbindung ab, um Strom zu sparen. Es werden dann auch keine Benachrichtigungen mehr vom Smartphone angezeigt. Sobald sie bewegt wird, wird die Verbindung wieder aufgebaut.

Persönliches Fazit

Die Pebble wirkt im Vergleich zu Smartwatches mit Farbdisplay und Touchscreen eher anachronistisch – aber der einfache Aufbau hat auch viele Vorteile:

  • Die Pebble ist kaum größer als konventionelle digitale Armbanduhren und sehr leicht.
  • Die Uhrzeit ist jederzeit ablesbar.
  • Die Pebble ist wasserdicht.
  • Eine Akkuladung hält mindestens mehrere Tage, oft auch über eine Woche.
  • Es gibt echte Tasten zur Bedienung, die in vielen Situationen deutlich praktischer sind, als ein Touchscreen.

Ein weiterer Vorzug ist die offene Architektur und universelle Nutzbarkeit: Egal ob man ein Android-Gerät oder iPhone benutzt – beide Plattformen werden unterstützt und einige Leute haben auch schon die Unterstützung für Windows Phone oder Blackberry entwickelt. Eigene Apps kann man mit dem frei erhältlichen SDK selber entwickeln.

Ich habe den Kauf der Pebble nicht bereut und werde sie gerne noch länger gerne nutzen. Wer bei ansonsten gleichen Eigenschaften lieber eine farbige Darstellung hat eine etwas kompaktere Bauform bevorzugt, für den ist die neuere „Pebble Time“ mit transflektivem Farbdisplay und Mikrofon für Spracheingaben eine interessante, wenn auch deutlich teurere Alternative.

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