Digitalkameras und Smartphone als Webcam

Videkonferenzen gehören bei vielen Menschen mittlerweile zum Alltag und im zurückliegenden ersten Jahr Pandemie ist deshalb eine Art von Gerät in den Mittelpunkt gerückt, dass davor kaum benötigt wurde: Webcams.

Dabei ist aufgefallen, dass einerseits die Preise selbst für einfache Modelle zeitweise extrem angestiegen sind und andererseits viele Webcams auch im Jahr 2020 kaum besser sind als die Modelle 5-10 Jahre zuvor. Die Logitech C920 gilt immer noch als brauchbare Lösung mit FullHD-Auflösung, obwohl sie bereits im Jahr 2012 auf den Markt gekommen ist und technisch rund 8 Jahre alt.

Es gibt aber auch eine Alternative: Smartphones und einige Digitalkameras lassen sich mit zusätzliche Software der Hersteller auch als Webcam am Computer nutzen. Für Digitalkameras gibt es folgende Lösungen von Sony, Canon oder Nikon:

Nachdem ich selbst eine Kamera von Sony und eine von Canon besitze, konnte ich das auch praktisch ausprobieren.

Sony Imaging Egde Webcam

Ausprobiert habe ich die Lösung von Sony mit einer RX100 Mark IV. Diese Kamera ist zwar auch schon einige Jahre auf dem Markt, liefert aber mit dem 1-Zoll-Sensor und guter Optik eine deutlich höhere Bildqualität als die meisten Webcams.

Wichtig: in den Einstellungen die Kamera muss der Modus für den USB-Anschluss auf „PC Remote“ eingestellt sein.

Sony RX400 M4 USB-Einstellungen

Nach der Installation der Software wird die Kamera in den „Auto“-Modus gestellt, über USB verbunden und kann dann als USB-Webcam genutzt werden. Das Bild wird mit einer Auflösung von 1024×576 Pixeln aufgenommen, woran sich auch nichts ändern lässt. Das erscheint relativ niedrig – allerdings darf man nicht vergessen, dass die Auflösung nur ein Aspekt für die Bildqualität ist. Auch eine hohe Lichtstärke und geringes Rauschen tragen deutlich dazu bei. Sehr praktisch: die Kamera läuft mitkontinuierlichen Autofokus. Der optischen Zoom der Kamera ist ebenfalls nutzbar.

Fazit: trotz der geringeren Auflösung ist das Bild auch bei normaler Zimmerbeleuchtung recht gut und reicht für Videokonferenzen in der Regel aus.

Canon EOS Webcam Utility

Die Software von Canon arbeitet nach dem selben Prinzip wie bei Sony: es handelt sich um einen Treiber, der die angeschlossene Kamera als Webcam bereitstellt. Die Kamera muss dazu nur im einem Foto-Modus wie P, Av oder Tv eingeschaltet werden. Auch hier gibt es keine weitergehenden Einstellmöglichkeiten. Canon gibt allerdings im Gegensatz Sony keine Bildauflösung an.

Die Qualität in Verbindung mit einer EOS 700D ist eher enttäuschend. Das Bild ist niedrig aufgelöst und hat einen schwarzen Rand. Autofokus ist nicht möglich, auch nicht mit antippen des Auslösers.

Ob andere Kameras von Canon hier besser funktionieren, weiß ich nicht, aber in dieser Form kann ich die Software nicht empfehlen.

Smartphone als Alternative

Ja, man kann eine Digitalkamera auch als Webcam nutzen. Allerdings hängt das Ergebnis stark vom Hersteller ab und ist auch bei DSLRs nicht unbedingt gut. Ich rechne nicht damit, dass an den existierenden Webcam-Tools der Hersteller noch viel weiterentwickelt wird, daher bleibt als einziger Tip: ausprobieren.

Wer noch eine andere Option probieren möchte, kann auch sein Smartphone dafür verwenden. Unter Android habe ich DroidCamX ausprobiert. Davon gibt es auch eine Version für iOS. Das kann wahlweise über USB aber auch mit WLAN genutzt werden.

Nachdem man die App auf dem Smartphone gestartet hat, wird auf dem Display die IP-Adresse angezeigt, die man sowohl für die Vorschau in einem Browser wie auch mit dem Webcam-Client nutzen kann. Im Client kann man die Bildrotation und Vergrößerung und verschiedene Bildparameter wie Helligkeit, Kontrast Farbabgleich anpassen. Auch die Nutzung des Mikrofon im Smartphone für die Audioaufzeichnung ist möglich.

Wie Qualität ist selbst über WLAN durchaus brauchbar, wenn auch mit einer geringen Auflösung. Über USB ist das Bild höher aufgelöst. In jedem Fall ist diese Lösung eine echte Alternative zur Webcams, auch bei der Bildqualität. Man sollte das Smartphone allerdings für längere Sitzungen aktiv mit Strom versorgen.

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