CarbonROM auf dem Sony Xperia Z3 Compact

Im September 2017 wurde eine Lücke in Android im Zusammenhang mit Bluetooth entdeckt und unter dem Namen „BlueBorne“ veröffentlicht. Leider hat Sony damals beschlossen, für das Xperia Z3 Compact keine Updates mehr bereitzustellen, da das Gerät mit knapp 3 Jahren seit Markteinführung schon zu alt war (siehe auch meinen damaligen Beitrag dazu).

Erfreulicherweise gab es aber eine inoffizielle Portierung von LineageOS 14.1 mit dem Stand von Android 7.1, in dem auch die Bluetooth-Lücke behoben war. Dort hat sich allerdings auch der Effekt gezeigt, dass die Bluetooth-Verbindung in unregelmäßigen Abständen immer wieder kurzzeitig abgebrochen und neu aufgebaut wurde. Bei meiner Smartwatch hat mich das nicht sehr gestört, weil das meist nur wenige Sekunden gedauert hat und die generelle Benutzbarkeit der Smartwatch nicht wesentlich eingeschränkt hat. Bei Bluetooth-Kopfhörern war dieses Problem aber mehr als störend – etwa wenn ich auf Reisen im Zug Musik hören möchte und die Wiedergabe einfach zwischendruch abbricht. Ich habe mich daher nach einer Alternative umgesehen und CarbonROM entdeckt. Im Gegensatz zu LineageOS ist CarbonROM keine inoffizielle Portierung, sondern ein offiziell an das Xperia Z3 Compact angepasstes ROM, dass regelmäßig Updates erhält.

Installation

Die Installation entspricht der von LineageOS, daher ist die nachfolgende Beschreibung weitgehend eine Kopie meines älteren Beitrags dazu:

  • Entsperren des Bootloaders
  • Installation von Team Win Recovery Project (TWRP)
  • Sicherung der aktuellen Daten
  • Löschen des internen Speichers
  • Installation von CarbonROM
  • Optional: Root-Zugriff

Bootloader entsperren

Die Entsperrung des Bootloaders ist bei Sony online möglich. Siehe dazu die entsprechende Seite im Entwicklerbereich von Sony. Dabei gehen auch die DRM-Schlüssel für einige Sony-spezifische Funktionen verloren, wie etwa einige Algorithmen zur Bildoptimierung der Kamera-App von Sony. Das war mir persönlich aber egal, da ich schon lange als Alternative „OpenCamera“ nutze, die ebenfalls sehr gute Bilder liefert.

Erforderlich ist dafür eine Verbindung über USB im Fastboot-Modus. Diesen erreicht man, indem man das Gerät ausschaltet und dann mit gedrückter Lautstärkewippe nach oben über USB mit dem PC verbindet. Neben den Kommandozeilentools aus dem Android SDK (Version 26 oder älter ist eventuell nötig, da neuere Versionen für diesen Zweck u.U. nicht mehr zuverlässig funktionieren) sind dazu auch Treiber nötig, die man für Windows bei Sony bekommt. Für die Installation unter Windows 10 muss man allerdings die Überprüfung von Treibersignaturen abschalten, da sich der Treiber sonst nicht installieren lässt. Eine Anleitung dazu findet man u.A. bei RandomBrick.de.

Installation von TWRP und CarbonROM

Hat man den Bootloader erfolgreich entsperrt, kann man sich an der Anleitung entsprechend dem Beitrag im XDA-Forum orientieren. Für TWRP empfehle ich aber, nicht die Version aus der Anleitung zu verwenden, sondern die neuere Version 3.1.1 aus diesem XDA-Beitrag. Bei älteren Versionen von TWRP kann es passieren, dass die Installation eines Custom-ROM abgelehnt wird, weil die Prüfung des Gerätetyps im Installationsscript des Custom-ROM fehlschlägt.

Die Version 3.1.1 kann ebenfalls in der FOTAKernel-Partition installiert werden und wird normalerweise durch ein Custom-ROM nicht überschrieben. Nachdem man die Version aus der oben genannten Quelle heruntergeladen hat, entpackt man die ZIP-Datei und installiert das Recovery-Image dann wie folgt:

fastboot flash FOTAKernel twrp-3.1.1-0-z3c_V02.img

Nach diesem Schritt muss die Verbindung über USB wieder getrennt werden. TWRP kann man dann starten, indem man das Gerät mit gedrückter Lautstärkewippe nach unten einschaltet. Die Status-LED leuchtet als Bestätigung, dass TWRP vorhanden ist, nach dem Einschalten kurz in lila Farbe auf. Die Lautstärkewippe hält man dann solange gedrückt, bis TWRP startet, mindestens aber solange, bis die Status-LED leuchtet.

Wichtig: Das alte System sollte man in TWRP vor dem Löschen des Speichers vollständig sichern, falls man wieder dorthin zurückkehren will!

Von CarbonROM habe ich nicht die aktuelle Version 6.1 verwendet, die es nur als wöchentlichen Build gibt, sondern die archivierte Release-Version 5.1 von Januar 2018, die noch auf Android 7.1.2 basiert. Diese Version kann man unter folgender Adresse herunterladen: https://basketbuild.com/devs/CarbonROM/.OLD/Nougat/z3c (CARBON-CR-5.1-MOO-RELEASE-z3c-20180131-0646.zip). Wer etwas experimentierfreudiger ist, kann aber auch die aktuelle Version von https://get.carbonrom.org/device-z3c.html ausprobieren, die bereits auf Android 8 aufbaut. Hier muss man aber eventuell mit Einschränkungen bei der Hardwareunterstützung oder einzelner Systemfunktionen leben.

Vor der Installation von CarbonROM sollte man in TWRP eine vollständige Löschung des internen Speichers vornehmen, um spätere Probleme wegen Resten des alten Systems zu vermeiden. Das gilt auch, wenn man bereits LineageOS verwendet hat! Dabei muss man etwas Geduld mitbringen – das Formatieren der System- und Cache-Partition dauert u.U. mehrere Minuten. Dieser Schritt ist aber nur einmal nötig. Weitere Updates von CarbonROM können ohne vollständiges Löschen installiert werden.

Nachdem CarbonROM installiert wurde, dauert auch der erste Neustart etwas länger. Künftige Starts gehen aber nach meiner Erfahrung dann deutlich schneller als mit dem Original-ROM.

Sollte TWRP nach der Installation nicht mehr mit der oben beschriebenen Methode startbar sein, kann man es auch gefahrlos erneut im Fastboot-Modus in die FOTAKernel-Partition installieren.

Im Gegensatz zu LineageOS war die Installation von Google Play nicht erforderlich. Sollte man es dennoch benötigen, findet man entsprechende Pakete auf http://opengapps.org, die man mit TWRP installieren kann. Benötigt wird eine Version für ARM und Android 7.1. Ich empfehle dabei die „nano“-Version, die nur die minimal benötigten Dinge sowie die Apps enthält, die man nicht über Google Play nachträglich installieren kann. Sollte man dann noch Bedarf für Apps wie Google Maps o.Ä. haben, kann man diese regulär über Google Play bekommen.

Root-Zugriff

Variante 1: SuperSU

Für den Root-Zugriff mit SuperSU kann man die Variante „Recovery Flashable.zip“ von der offiziellen Quelle herunterladen: http://www.supersu.com/download. Diese Datei wird dann ebenfalls mit TRWP installiert.

Achtung: nach dem ersten Neustart erscheint SuperSU noch als App, danach nicht mehr! Die Einstellungen für SuperSU befinden sich dann in den normalen Android-Systemeinstellungen:

Auch die offizielle Version, die über Google Play angeboten wird (auch die kostenpflichtige „Pro“-Version), ist danach installierbar.

Variante 2: Magisk

Nachdem SuperSU nicht als Open Source verfügbar ist und damit auch die „SafetyNet“-Prüfung von Google nicht mehr funktioniert, bietet sich die freie Lösung Magisk als Alternative an. Die Quellen dazu gibt es bei Github, wie auch die offiziellen Releases. Auch dieses Tool kann über TWRP installiert werden und bietet neben Root-Zugriff auch zahlreiche Module zur Erweiterung des Systems.

Siehe dazu auch den offiziellen Thread bei XDA.

Der große Vorteil von Magisk ist, dass es „systemless root“ bietet, d.h. die /system-Partition muss nicht verändert werden. Unter Verwendung des Moduls „MagiskHide Props Config“ kann man auch den Fingerprint des Gerätes anpassen, um eine gültige „SafetyNet“-Prüfung zu erhalten.

Hinweis: wenn man von SuperSU auf Magisk wechseln will, genügt es nicht, SuperSU zu entfernen. Man muss außerdem CarbonROM noch einmal neu installieren, um wieder ein „sauberes“ System ohne Root-Modifikationen zu erhalten. Die vorhandenen Daten und Apps können dabei erhalten bleiben, da kein vollständiges Löschen des Systems nötig ist – einfach CarbonROM neu installieren und danach Magisk.

Praktische Erfahrungen im Alltag

Sehr positiv: sämtliche Hardwarekomponenten werden unterstützt, auch der Kamera-Knopf, der in OpenCamera zum Fokussieren und als Auslöser nutzbar ist.

Eine deutliche Verbesserung ist die Bluetooth-Unterstützung. Verbindungsverluste, wie ich sie unter LineageOS noch mehrfach täglich erlebt habe, treten bei CarbonROM nicht mehr auf.

Eine weitere Annehmlichkeit sind die zusätzlichen Einstellmöglichkeiten mit „CarbonFibers“. Damit kann man zahlreiche Elemente der Oberfläche in Aussehen und Verhalten, wie auch das Verhalten der Hardware-Tasten oder die Benachrichtigungs-LED anpassen.

Ergänzt wird das Ganze durch die mitgelieferte Erweiterung „substratum“, mit der man das Aussehen der gesamte Oberfläche von Android oder einzelnen Teile davon ändern kann – sowohl in Android selbst, aber auch in einzelnen Apps.

Die einzige Funktion, die bei mir nicht sinnvoll nutzbar ist, ist das Online-Update, da TWRP auf dem Z3 Compact nicht direkt von CarbonROM aus als Recovery startbar ist – das wäre aber nötig, um heruntergeladene Updates mit TWRP installieren zu können. Da man neue Versionen aber jederzeit auch manuell von der offiziellen Download-Seite bekommt, sehe ich das nicht als großes Problem an.

Geschwindigkeit und Akkulaufzeit entsprechend etwa LineageOS. Eine Akkuladung reicht in der Regel für mehr als 24 Stunden und das Gerät reagiert sehr schnell.

Weblinks

Bootloader-Unlock in der Sony Developer World

Fastboot-Treiber von Sony

CarbonROM 5.1 für das Z3 Compact

XDA: TWRP 3.1.1 für das Z3 Compact

The Open GApps Project

SuperSU

Magisk bei XDA

7 Gedanken zu „CarbonROM auf dem Sony Xperia Z3 Compact“

  1. Tux in deine Fres..

    Wie sieht es mit dem rooten des OS aus? Seitens CarbonROM ist root unterstützung nicht vorhanden.

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Sorry – ich habe im Artikel zwar SuperSU erwähnt, aber vergessen, das genauer zu erläutern.

      Man kann SuperSU auch mit TWRP installierbar herunterladen: http://www.supersu.com/download. Ich ergänze das noch im Artikel.

  2. TM

    Hallo,
    ich habe letztes Wochenende mein z3c von StockROM auf Carbon nach dieser Beschreibung erfolgreich umgebaut. Läuft nun erstaunlich schnell und ohne Probleme. Wie neu!

    DANKE dafür!

  3. Andre

    Moin. Ich habe den Artikel zum Z3c interessiert gelesen, da ich selbst das Z1c mit einem Custom-ROM nutze. Daher die Frage, funktioniert mit dem Z3c Voice over LTE und WLAN-Call?, beides geht mit meinem Gerät leider nicht. Da die Geräte noch fast gleich groß sind, denke ich über einen Tausch nach, da VOLTE schon ganz nett ist.

    Gruß
    Andre

    1. Arno Welzel Arno Welzel

      Voice over LTE sollte gehen. Ob WLAN-Call auch funktioniert, kann ich leider nicht sagen, da ich das selber noch nie genutzt habe.

      1. Andre

        danke Arno. Dann werd ich mein Z1c mal eintauschen gegen ein Z3c. Bin mal gespannt. Gruß aus Cloppenburg. Andre

  4. Name hab ich

    Auch ich möchte mich schnell für die tolle Anleitung bedanken. Bisher hatte ich nie eine CustomROM installiert geschweige denn mein Handy gerootet, weil ich für mich keinen Nutzen daraus gezogen habe.
    Nachdem ich nun seit geraumer Zeit schon neuere Android-Hardware verwende und das Z3C nicht in Verwendung war kam mir dieser Beitrag gelegen. Jetzt kann ich die alte Hardware guten Gewissens meinen Eltern vermachen.

    Lediglich ein Hinweis: Mit den platform-tools v28 von Google ließ sich der Bootloader nicht nach Anleitung von Sony entsperren, dazu hat es eine ältere Version (v26) benötigt.

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