Traditionelle Schraubkränze

von Sheldon „TickTickTick“ Brown

mit Überarbeitungen und Ergänzungen von John Allen

Übersetzung von Arno Welzel, Original unter http://sheldonbrown.com/freewheels.html.

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von links nach rechts: traditioneller Schraubkranz mit Gewinde, traditionelle Nabe mit Gewinde, Kassettennabe, Ritzelkassette

Schraubkranz- oder Kassettennabe?

Ältere Mehrgang-Fahrräder sind mit einfacheren Hinterradnaben ausgestattet, die ein Gewinde auf der rechten Seite des Nabengehäuses aufweisen. Traditionelle Schraubkränze verwenden passende Gewindegänge, durch die sie auf die Nabe geschraubt werden.

Das ist anders als beim modernen Design der „Kassettennaben“, bei dem der Freilauf-Mechanismus einen mehr oder weniger festen Bestandteil der Nabe bildet. Siehe dazu auch meinen Artikel über Kassettennaben.

Ein Standard-Schraubkranz wird auf der Nabe montiert, indem man ihn auf das entsprechende Gewinde der Nabe dreht. Durch die Kräfte beim Pedalieren wird der Schraubkranz fester auf das Gewinde gezogen, so dass für die Montage keine Werkzeuge nötig sind.

Schraubkranzgewinde

Das Standard-ISO-Gewinde für Schraubkränze ist 1,375 × 24 TPI, das selbe, wie für Standard-ISO-Tretlager.

Typ Zoll Metrisch
Italienisch 1,378″ × 24 tpi 35 × 1,058 mm
U.S.A. 1,375″ × 24 tpi 34,92 × 1,058 mm
Britisch 1,370″ × 24 tpi 34,80 × 1,058 mm
Französisch 1,366″ × 25,4 tpi 34,7 × 1 mm
Metrisch BMX 1,181″ × 25,4 tpi 30 × 1 mm

Alle aktuellen Schraubkränze und Naben mit Gewinden verwenden ISO-Gewinde, egal wo sie hergestellt wurden. Die älteren britischen und italienischen Standards verwendeten die selbe Gewindesteigung, aber mit einem leicht abweichenden Gewindedurchmesser und sind grundsätzlich untereinander austauschbar. Allerdings ist es für kräftige Fahrer und bei Tandems am besten, sie nicht zu mischen – Schraubkränze reissen mitunter die Gewinde von Aluminiumnaben ab. Ein französischer Schraubkranz lässt sich anfangs auf eine ISO/Britisch/Italienisch-Nabe aufschrauben, wird sich aber schnell verklemmen. Ein ISO/Britisch/Italienisch-Schraubkranz wird die Gewindegänge einer französischen Nabe abtragen und durchrutschen, wenn versucht wird, den Schraubkranz zu benutzen. Montieren Sie einen Schraubkranz nie mit Gewalt – Sie würden damit die Nabe ruinieren.

Die Schale eines Tretlagers kann als Gewindemaß für einen Schraubkranz dienen: Die Maße sind normalerweise auf den Schalen gekennzeichnet. Halten Sie das Gewinde gegen die der Nabe und schauen Sie im Gegenlicht dazwischen. Wenn die Gewindegänge über die gesamte Breite eng ineinander greifen, ist die Gewindesteigung identisch. Wenn Sie nur wackelig zueinander stehen, weicht sie ab. Sie können die Gewindesteigung eines Schraubkranzes prüfen, indem Sie die linke Schale eines ISO-Tretlagers einschrauben (nicht die rechte Schale, die ein Linksgewinde hat). Die Schale wird sich leicht eindrehen lassen, wenn die Steigung identisch ist – aber vergewissern Sie sich, dass sie einen Schraubkranzabzieher griffbereit haben, damit Sie die Schale abschrauben können.

Schraubkränze entfernen

Ein Schraubkranz wird auf der Nabe montiert, indem man ihn auf das entsprechende Gewinde der Nabe dreht. Durch die Kräfte beim Pedalieren wird der Schraubkranz fester auf das Gewinde gezogen.

Ein Schraubkranz, der schon lange benutzt wurde, besonders durch kräftige Fahrer bei niedrigen Übersetzungen, kann recht schwierig zu entfernen sein, weil die Verschraubung so fest ist.

Schraubkranzkörper haben einen größeren Durchmesser als die Flansche vieler Naben. Warnung: Lösen Sie einen Schraubkranz, bevor Sie die Speichen durchtrennen, um die Felge zu wechseln, andernfalls sind Sie möglicherweise nicht mehr in der Lage den Schraubkranz zu lösen oder die Speichen auf der rechten Seite des Laufrads auszutauschen. Der Nabenkörper (zwischen den Flanschen) vieler Naben wird brechen, wenn Sie nur die linke Seite einspeichen und dann versuchen, den Schraubkranz abzuschrauben.

Obwohl man einen Schraubkranz von Hand aufschrauben kann, indem man einfach die Ritzel im Uhrzeigersinn dreht, helfen die Ritzel nicht, wenn man ihn entfernen will, weil der Freilaufmechanismus den Schraubkranz entgegen dem Uhrzeigersinn frei drehen lässt. Um einen Schraubkranz zu entfernen, wird ein spezielles Werkzeug benötigt, das als „Abzieher“ bezeichnet wird und mit dem man den Kern des Schraubkranzes greifen kann.

Dieses Werkzeug ist eine Einheit mit Nuten, die in einem Schraubstock eingespannt oder mit einem Schraubenschlüssel gedreht wird. Die Nutzen greifen in die entsprechenden Aussparungen im inneren (nicht-drehenden) Teil des Freilaufkörpers. Verschiedene Marken von Schraubkränzen verwendeten unterschiedliche Nut-Muster, aber es gab eine Tendenz zum Aufbau von Shimano als Standard.

Ältere Schraubkränze hatten einfache Nuten und passende Abzieher mit zwei oder vier „Greifern“. Die Form und Abstände dieser Greifer variierten von einer Marke zu anderen. Es war recht häufig für diese Greifer, die Nuten rund zu drehen oder abzubrechen und den Schraubkranz zu ruinieren. Wenn die Nuten einmal beschädigt sind oder man einen Schraubkranz entfernen und entsorgen will, für den man kein Werkzeug hat, muss man den Schraubkranz zerlegen und den Kern in einen Schraubstock einspannen – mit der linken Seite des Laufrades nach oben – und dann das Laufrad gegen den Uhrzeigersinn abschrauben.

Wenn ein Abzieher mit Greifern eingesetzt wird, sollte er gegen den Schraubkranz mit der Achse oder dem Schnellspannerhebel (ohne Federn) gesichert werden. Sobald der Schraubkranz gelockert ist, muss die Achsmutter oder der Schnellspanner gelöst werden bevor man den Schraubkranz weiter abschraubt – andernfalls beschädigen Sie noch etwas.

Einige, weit verbreitete Abzieher

Park FR-1tl7203Aktuelles Shimano-Modell mit grosser Vielzahnaufnahme, 12 Zähne (funktioniert auch mit SRAM/Sachs und den meisten HG-Verschlussringen.) Park FR-2tl7204
Sun Tour 2 Greifer
Park FR-3tl7205
Sun Tour 4 Greifer
Park FR-4tl7206Atom/Regina Vielzahn, 20 Zähne. (Etwa der selbe Aussendurchmesser wie ein amerk. Nickel.)

Der übliche Weg zur Demontage eines Schraubkranzes ist es, den Abzieher in einen stabil montierten Schraubstock einzuspannen und das Laufrad vom Schraubkranz abzuschrauben. Wenn Ihr Schraubstock dies zulässt, funktioniert es besser, wenn das Laufrad in einer vertikalen Position eingespannt wird, was Ihnen ermöglicht, das Rad kräftiger zu drehen, ohne auf dem Boden zu abzurutschen. Dies gibt Ihnen einen bessere Hebelwirkung, um das Rad zu drehen. Ich war es gewohnt, in einer Werkstatt zu arbeiten, wo wir einen Schraubstock seitlich an einem Türrahmen zu diesem Zweck montiert hatten. Mein aktueller Schraubstock hat ein zusätzliches Gelenk, das es erlaubt, die Klemmbacken um 360 Grad zu drehen. Unglücklicherweise fehlt diese nützliche Funktion bei vielen Schraubstöcken, so dass Sie das Laufrad in horizontaler Ausrichtung einspannen müssen.

Ein alternativer Ansatz, der, wie ich finde, bei wirklich hartnäckigen Schraubkränzen gut funktioniert, ist die Verwendung eines Ringschlüssels, um den Abzieher zu halten und den Griff des Schlüssels mit einem grossen Gummihammer kräftig zu schlagen. Dazu verwende ich eine Kettenpeitsche von Park Tool, da sie ein hexagonales Loch im Griff enthält, in das die Abzieher von Park Tool perfekt passen.

Der professionelle FRW-1 Griff und die SR-1 Kettenpeitsche.

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Welche Methode Sie auch verwenden, es ist am Besten, wenn auf dem Laufrad ein Reifen montiert und aufgepumpt ist. Das erhöht die Griffigkeit und reduziert die Gefahr von Schäden an der Felge.

Schraubkränze montieren

Die Montage eines Schraubkranzes ist recht einfach und benötigt überhaupt keine Werkzeuge. Grundsätzlich schrauben Sie einen Schraubkranz genau so auf, wie Sie auch einen Deckel auf ein Marmeladenglas schrauben würden. Das endgültige Festziehen erfolgt durch „Fußkraft“, sobald Sie den ersten Hügel hochfahren. Sie können spüren, wie der Schraubkranz ein Stück nach vorne springt. Wenn Sie den Schraubkranz für jemand anderen montieren, ist es eine gute Idee, die Ritzel mit einer Kettenpeitsche anzuziehen oder das Fahrrad in jedem Gang einmal zu fahren, um zu vermeinen, dass der Eindruck zu entsteht, es wäre etwas nicht in Ordnung. Um künftige Probleme bei der Entfernung des Schraubkranzes zu vermeiden, ist es sehr wichtig, das Gewinde zu fetten, bevor der Schraubkranz auf die Nabe montiert wird!

Die Art des Fettes, das dafür verwendet wird, ist überhaupt nicht wichtig, aber Sie müssen wenigstens ein wenig verwenden. Die Mischung, die oft verwendet wird, um Speichennippel am festfressen zu hindern, ist dafür auch geeignet.

Vergewissen Sie sich sorgfältig, dass der Schraubkranz gerade aufgeschraubt wird. Schraubkranzgewinde sind ungewöhnlich fein für ihren Durchmesser und die Aluminiumgewindegänge auf der Nabe sind weich und werden sehr leicht beschädigt, wenn der Schraubkranz verkanten aufgeschraubt wird. Noch einmal: Wenn ein Schraubkranz zuerst direkt auf die Nabe geht, sich dann aber verklemmt, wenden Sie keine Gewalt an: Sie haben nicht passende Gewinde und würden die Nabe beschädigen.

Schmieren von Schraubkränzen

Schraubkränze sollten von Zeit zur Zeit mit einem mittelschweren Öl geschmiert werden. Das ist leicht durchzuführen und erfordert in der Regel keine Demontage.

Das Fahrrad sollte mit dem Hinterrad in der Luft und in einem Winkel von etwa 45 Grad nach Links gehalten werden. Eine zweite Person kann hilfreich dafür sein. Nun werden die Pedale einige Mal gedreht, um das Hinterrad in eine schnelle Rotation zu versetzen und sich dann frei drehen zu lassen (ein hoher Gang ist dabei hilfreich).

Wenn man in das kleinste Ritzel schaut, sieht man, dass das Ritzel steht, während das Laufrad sich dreht, aber man sieht den inneren Teil des Schraubkranzes, der sich mit dem Laufrad dreht. Man gibt einige Tropfen Öl auf den Schlitz zwischen dem sich drehenden und dem feststehenden Teil. Schwerkraft und Kapillarkräfte helfen dabei, das Öl in den Schraubkranz zu befördern.

Dies wiederholt man einige Male, bis der Klang der Sperrklinken sich ändert (sie werden normalerweise leiser, wenn das Öl sie erreicht.

Das sollte etwa einmal im Jahr getan werden, oder immer dann, wenn das Geräusch des Freilaufs laut und kratzig wird.

Austauschen von Ritzeln und Instandsetzung

Die meisten Mehrfachschraubkränze haben ersetzbare, austauschbare Ritzel. Es war eine übliche Dienstleistung von Fahrradgeschäften, Schraubkränze in jeder gewünschten Ritzelkombination aufzubauen. Unglücklicherweise, sind Austauschritzel durch den allgemeinen Rückgang von Schraubkränzen nicht mehr so leicht direkt verfügbar, wie es einst der Fall war. Sie finden sich bei eBay und es ist möglich, ältere, abgenutzte Ritzel mit etwas vernünftigem Abschleifen instandzusetzen.

Ritzel älterer Schraubkränze hatten längere Zähne, als es heute üblich ist. Wenn die Ritzel und die Kette gemeinsam verschlissen sind, bildeten Sie eine Hakenform auf der Rückseite jedes Ritzelzahns. Die kürzeren Glieder einer neue Ersatzkette würden in die Aushöhlung hinter dem Haken eines Zahns fallen, hinauf über den nächsten Zahn klettern und dann nach vorne springen, wenn der dieser Zahn nach oben kommt.

Es ist möglich, die Lebensdauer eines Ritzels mit hakenförmigen Zähnen zu verlängern, indem man die Haken mit einem Dremel oder einer Planschleifmaschine abschleift. Die gehärtete Metalloberfläche wurde bereits abgetragen, weshalb das neu belebte Ritzel schneller verschleißen wird, als ein Neues. Neuere Ritzel müssen üblicherweise einfach ausgetauscht werden, weil die Zähne bei weitem nicht lang genug sind, um eine Instandsetzung zu ermöglichen: Siehe dazu auch meinen Artikel über die Abnutzung von Ritzeln und Ketten.

Um die Ritzel von einem Schraubkranz zu entfernen, verwendet man normalerweise zwei Kettenpeitschen: eine, um das Ritzel abzuschrauben, die zweite, um den Freilauf daran zu hindern, sich zu drehen. Das geht am einfachsten mit dem Schraubkranz auf einem Laufrad montiert. Oder Sie verwenden eine spezielle Schraubkranzzwinge an Stelle der zweiten Kettenpeitsche. Entfernen Sie den Schraubkranz vom Laufrad, um die Schraubkranzzwinge zu benutzen.

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Schraubkranzzwinge. Das Bild dient nur der Illustration. Die Schraubkranzzwinge muss zur Benutzung in einen Schraubstock eingespannt werden und falls zwei Ritzel mit fast der selben Größe getrennt werden sollen, plazieren Sie das kleinere Ritzel unterhalb, um die Kettenpeitsche weniger zu beeinträchtigen.

Bei älteren, europäischen Schraubkränzen, wurden alle Ritzel aufgeschraubt. Die grossen Ritzel wurden dabei besonders fest angezogen. Die beiden grössten Ritzel hatten Linksgewinde und wurden von der Rückseite des Schraubkranzes her montiert.

Aufgrund der niedrigen Übersetzung der größeren Ritzel wurden diese üblicherweise sehr, sehr fest angezogen und es konnte eine beachtliche Anstrengung erfordern, sie abzuschrauben. Die kleineren Ritzel wurden von aussen mit einem normalen Rechtsgewinde geschraubt. Wenn Sie keine Kettenpeitsche haben oder versuchen, besonders hartnäckige Ritzel mit Gewinden zu entfernen, können Sie statt dessen auch ein kurzes Stück Kette, eingespannt in einen Schraubstock verwenden.

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Ein Stück Kette und ein Schraubstock können ebenfalls ein Ritzel halten

In der Praxis hat man niemals alle Ritzel auf einmal entfernt, weil ein Ritzel benötigt wurde, um den Schraubkranz zu halten, während man das gewünschte Ritzel abgeschraubt hat. Es gab spezielle Werkzeuge, die das Gewinde gehalten haben, um das letzte Ritzel abnehmen zu können, aber ich fand nie, dass man so etwas braucht. Ein anderer Weg, alle Ritzel zu entfernen ist es, die beiden größten Ritzel gegeneinander festzuziehen, die verbleibenden kleineren Ritzel zu lockern und dann die größten Ritzel voneinander zu lösen. Britische Cyclo-Schraubkränze waren anders – alle Ritzel wurden von der linken Seite her aufgeschraubt, bis auf das kleinste – und das am schnellsten Verschleißende! Dieses Ritzel war integraler Bestandteil des Freilaufkörpers und konnte nicht entfernt werden. Mechaniker, die das nicht wussten, haben Zähne des Ritzels abgebrochen beim Versuch, es zu entfernen. Aber das sind uralte Geschichten und Sie werde möglicherweise nie einen britischen Cyclo-Schraubkranz zu Gesicht bekommen!

Neuere Schraubkränze verwenden Ritzel mit Nuten: Man muss nur die äußeren beiden Ritzel abschrauben und die anderen Ritzel können dann einfach abgenommen werden. Shimano Hyperglide-Schraubkränze verwenden durchgängig Ritzel mit Nuten und einen Verschlussring mit Gewinde, ähnlich dem System, das bei Hyperglide-Kassettennaben verwendet wird.

Behalten Sie die Abstandshalter zwischen den Ritzeln im Auge, um die korrekten Abstände zwischen den Ritzeln beizubehalten, wenn Sie den Schraubkranz wieder zusammensetzen. Wenn Sie die Ritzel wieder auf den Freilaufkörper setzen, fetten Sie die Gewinde, um Korrosion zu vermeiden und das Entfernen beim nächsten Mal zu erleichtern.

Viele Ritzel sind asymetrisch. Die hohe Seite der Zähne von SunTour-Ritzeln zeigt nach rechts. Die Rampen zur Aufnahme der Kette bei neueren Ritzeln zeigen ebenfalls nach rechts. Wenn sie umgekehrt montiert werden, schalten diese Ritzel sehr schlecht. Einige ältere Ritzel sind symmetrisch, so dass man die Lebensdauer verlängern kann, indem man sie umdreht.

Geschichte der Schraubkränze

Es waren 2 oder 3 verschiedene Gewindegrössen auf einem Schraubkranz üblich, so dass Ritzel, die für eine Position gedacht waren, nicht unbedingt an einer anderen Position passten. Schraubritzel hatten auch eingebaute Abstandshalter, so dass sie nur in einer Richtung verwendet werden konnten.

In der Mitte der 1970er hat Sun Tour und später Shimano das Schraubkranz-Geschäft der lange etablierten, europäischen Hersteller, wie Atom, Campagnolo, Cyclo, Everest, Maillard, Regina, TCD… übernommen. Sie erreichten dies durch überlegenes Design und gute Verarbeitung, obwohl die Metallurgie der japanischen Produkte nicht so gut war:

Einer der Gründe dafür, dass die Japaner in der Lage waren, den Markt gegenüber den europäischen Herstellern zu übernehmen, war der Umstand, dass die grösseren Ritzel aufgesteckt und mit dem Freilaufkörper über Nuten gesichert wurden und nicht mit Gewinden. Die Steckritzel wurden mit einigen, kleineren geschraubten Ritzeln fixiert. Da die einzigen, geschraubten Ritzel nur die Kleineren waren, (die nicht so stark festgeschraubt werden) war es viel einfacher, sie zu entfernen und auszutauschen.

Die japanischen Schraubkränze boten auch besser geformte Zähne, wodurch sie wesentlich besser schalteten. Die Ritzelzähne von Sun Tour waren an der Spitze in einer Richtung abgerundet, um der Kette zu erleichtern, in die richtige Position zu rutschen, wenn geschaltet wurde. Shimano verwendete ein Design mit „gedrehten Zähnen“, bei dem die Rückseiten der Zähne in eine Position gebracht wurde, in der die Kette beim Schalten leichter vorbeikommt.

Japanischen Schraubkränze hatten auch eine bessere, tiefere und zuverlässigere Aufnahme für Abzieher. Sun Tour nutzte eine konventionelle Verbindung mit zwei Nuten, diese waren aber viel tiefer, als bei den europäischen Modellen und der Abzieher wurde für eine perfekte Verbindung zu den Sun Tour Schraubkränzen entwickelt. Shimano war der wichtigste Vorreiter in der Verwendung von Abziehern mit Vielzahn-Aufnahme, die weitgehend immun gegenüber dem Problem abgedrehter Nuten waren.

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Französischer Schraubkranz mit Schwachen Nuten
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SunTour-Schraubkranz mit stärkeren Nuten.

Wieviele Gänge?

Der erste Mehrfachschraubkranz hatte drei Ritzel unter Verwendung der konventionelle 1/8″-Kette.

In den 1950ern wurden engere 1/32″-Ritzel und Ketten eingeführt, was den Wechsel zu 4-fach-Schraubkränzen innerhalb der 114 mm-Einbaubreite von Rahmen ermöglichte.

5 Gänge

In den späten 1950ern wurde die Einbaubreite auf 120 mm erweitert, was die Verwendung von 5-fach-Schraubkränzen ermöglichte. Dies erforderte zusätzliche Abstandshalter auf der rechten Seite der Achse, um zu vermeiden, dass die Kette am Rahmen schleifte. Die zusätzlichen Abstandshalter erforderten außerdem, die Speichen rechts steiler zu spannen, was dazu führte, dass die Laufräder etwas schwächer wurden.

6 Gänge

In den 1970ern gab es einen Wechsel in die Richtung von 6-fach-Schraubkränzen. Dabei gab es zwei Typen:

6-fach mit „Standard“-Abständen wie bei den existierenden 5-fach-Schraubkränzen von etwa 5,3 mm

Die 6-fach-Schraubkränze mit Standard-Abständen erforderten eine Erweiterung der Einbaubreite auf 126 mm, was die Probleme, die mit dem Wechsel auf 5-fach enstanden, noch verschlechterte, aber immer noch in den meisten Fällen befriedigende Dienste leistete.

6-fach mit „Ultra Six ®“-Abständen von etwa 5 mm. Dies erlaubt es, einen Ultra Six ®-Schraubkranz direkt als Ersatz für eine Standard-5-fach-Einheit auf einer 120 mm-Nabe zu verwenden. Der Schlüssel für die Funktion war es, eine schmalere Kette anzufertigen. Das Innere der Kette war wie immer, aber die neuen, schmaleren Ketten verwendeten kürzere Bolzen, so dass die Enden der Bolzen nicht über die Laschen hinausragten, wie es die Bolzen konventioneller Ketten taten.

7 Gänge

In den 1980ern wurden diese beiden Ansätze kombiniert, um 7-fach-Schraubkränze zu entwickeln, mit Abstanden von 5 mm („Ultra“), die zu den selben 126 mm-Naben passten, wie die „Standard“-6-fach-Schraubkränze.

8 Gänge

In den frühen 1990ern ist die Industrie zu 8-fach-Paketen mit 130 mm Einbaubreite übergegangen. 8-fach war sowohl für Schraubkränze wie auch bei Kassettennaben verfügbar. Wie schon beim Wechsel von 4- auf 5-fach und von 5- auf 6-fach erforderte dies zusätzliche Abstandshalter auf der rechten Seite der Achse, um ein Schleifen der Kette am Rahmen zu vermeiden.

Wie es sich herausstellte, war die vergrößerte Länge der ungestützen Achse, die aus der rechten Seite der Nabe herausragte, einfach zu lang für konventionelle 10 mm-Gewindeachsen. 8-fach-Schraubkränze wurden einige Jahre verkauft, aber ein großer Anteil der Fahrer, die sie gekauft haben, hatten Probleme mit verbogenen/gebrochenen Achsen. Im Ergbnis sind 8-fach-Schraubkränze schliesslich weitgehend vom Markt verschwunden.

Dies fällt zusammen mit der zunehmenden Popularität von Kassettennaben, die das Problem der überstehenden Achse nicht hatten. Als die Anzahl der Ritzel weiterhin zunahm auf 9-fach und darüber, wurden Schraubkränze für anspruchsvolle Anwendungen obsolet. 9-fach- oder 10-fach-Schraubkränze wurden nie produziert, da alle modernen Fahrräder mit Kettenschaltung von anständiger Qualität das deutlich überlegenere System der Kassettennaben verwenden.

Anpassen und Aufrüsten

[Das meiste in diesem Abschnitt ist die Schuld von John Allen :-)]

Muss man eine alte Gewindenabe auswechseln, um auf eine moderne, indexierte Schaltung aufzurüsten?

Nicht, solange Sie nicht darauf bestehen, mehr Ritzel zu haben, als Sie wahrscheinlich brauchen. Es ist liest sich natürlich schöner, 9, 10, 11 Gänge anbieten zu können, aber man erhält einen großen Übersetzungsbereich und kleine Schaltschritte mit 6 oder 7 Ritzeln und einer Kompakt-Zweifachkurbel (siehe auch dieses Beispiel) oder einer Dreifachkurbel.

Die meisten modernen Schraubkränze – selbst alte SunTour Ulta – weisen Ritzelabstände von 5 mm auf, was mit gerasterten Shimano 7- oder 8-fach-Schalthebeln und Schaltwerken funktioniert – siehe dazu auch die Tabelle der Ritzelabstände. Zusätzliche Gänge des Schalthebels werden durch die Begrenzungen des Schaltwerks blockiert. Eine 8-fach-Kette funktioniert mit allen Schraubkränzen mit schmalen Ritzelabständen und ist haltbarer, als die schmaleren Ketten für 9-fach und mehr.

7-fach-Schraubkränze mit der Abstufung 13-15-17-19-21-24-28 Zähne sind von Shimano, SunRace und IRD verfügbar. Das ist eine angenehme, gleichmäßige Abstufung, oder Sie wählen eine andere – siehe dazu auch die Liste der verfügbaren Schraubkränze von Harris Cyclery [Anm. des Übers.: In Europa wird man ggf. einen anderen Anbieter suchen müssen]. Moderne Schraubkränze haben die selben Eigenschaften für leichte Gangwechsel wie Kassetten.

Sofern Sie keine Friktionsschalthebel einsetzen möchten, benötigen Sie neue Schalthebel. Bei indexierten Lenkerendhebeln, Daumenschalthebeln am Lenker oder Rahmenschalthebeln können Sie den aktuellen Gang fühlen. „Trigger“-Schalthebel oder solche, die in Brems-/Schaltkombinationen enthalten sind, kehren nach jedem Schaltvorgang wieder in ihre Ausgangsposition zurück, so dass Sie nicht wissen, welchen Gang sie gerade verwenden. Sie neigen auch dazu, teuer zu sein. Die aufgeschweißten Sockel für Rahmenschalthebel an machen alten Rahmen passen nicht zu heutigen, indexierten Schalthebeln oder Zuganschlägen, so dass man eine Adapterschelle benötigt.

Ein schmaler 6-fach-Schraubkranz funktioniert mit der Einbaubreite von 120 mm zwischen den hinteren Ausfallenden, die in den 1970ern üblich war. Ein 7-fach-Schraubkranz benötigt mindestens eine Breite von 126 mm, aber meistens sind nur Stahlrahmen schmaler und sie können kalt verformt werden, um die Ausfallenden weiter auseinander zu bringen. Man muss eventuell auch das Hinterrad neu zentrieren – siehe dazu auch den Artikel zu Rahmenbreiten. Um zu einer Kassette zu wechseln, muss zusätzlich das Hinterrad ausgetauscht werden.

Sicher, die Auswahlmöglichkeiten bei Schraubkränzen sind etwas begrenzt, solange man nicht gerade alte Ritzel hortet. Früher, in den Tagen von 4-, 5- und selbst 6-fach-Schraubkränzen war es üblich, die Abstufungen anzupassen. Nachdem so wenige Ritzelpositionen verfügbar waren, war es wichtiger, spezifische Größen anzubieten, die zum Fahrstil und den Rahmenbedingungen der Fahrer passen.

Als sich die Anzahl der Gänge zu 7-, 8-, 9- und nun 10-fach-Kassetten vermehrte, wurde dies zu einem weniger wichtigen Punkt. Im Ergebnis sind angepasste Abstufungen wesentlich unüblicher als früher. Aber bei einem Dreifach-Kettenblatt mit großem Übersetzungsbereich ist das ohnehin kein großes Problem.

Auf der anderen Seite – viele ältere Fahrradfahrer nehmen an, dass es schwieriger ist, eine Ritzelkassette anzupassen, als es bei den alten Schraubkränzen der Fall war. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall! Kassetten sind viel einfacher anzupassen, da alle Ritzel das gleiche Nutmuster verwenden, so dass jedes Ritzel (außer dem Kleinsten) an jeder Position des Freilaufkörpers genutzt werden kann. Bei Schraubkränzen war der Freilaufkörper „abgestuft“, so dass die Ritzel für verschiedene Positionen an unterschiedlichen Nutmustern oder Gewinden angebracht wurden. In diesen Tagen hatten bessere Fahrradwerkstätten grosse „Ritzeltafeln“ mit dutzenden Haken um all die verschiedenen Permutationen zwischen Zähnezahl und Befestigungsgröße vorzuhalten, die nötig waren, um angepasste Schraubkränze herzustellen. Allgemein benötigte man für jeden Hersteller eine eigene Tafel, weil jeder Hersteller sein eigenes, proprietäres Design hatte.

Freilaufkörper von Schraubkränzen warten

Bei einigen SunTour Pro Compe und Perfect Schraubkränzen neigt der Verschlussring dazu, sich zu lösen. Glücklicherweise fallen nur die Lagerkugeln heraus: Die Achse und die Ausfallenden werden die anderen Teile an ihrem Platz halten. Es ist normalerweise möglich, den Verschlussring wieder anzuschrauben (entgegen dem Uhrzeigersinn) und nach Hause zu fahren, solange man nicht im Leerlauf rollt. [Anm. d. Übers.: Im Original „as long as you don’t coast“ – was bedeutet, dass man pedaliert, solange das Fahrrad rollt, damit sich der Freilauf nicht entgegen der Nabe dreht.]

Einige Schraubkränze haben mehr innere Abstandshalter als nötig, was dazu führt, dass sie spürbar taumeln während man sie fährt. Deshalb müssen Sie so einen Schraubkranz eventuell warten, wenn Sie ihn behalten wollen.

Hinweis: Außer in dringenden Fällen (wiederherstellen eines liebgewonnenen, antiken Schraubkranzes oder um mit einem defekten Schraubkranz wieder auf die Strasse zu bekommen) ist es die Schwierigkeiten allgemein nicht wert. Der Schraubkranz ist das unwichtigste Lager an einem Fahrrad, da er sich nur dreht, wenn er keine Last trägt.

Trotzdem werden einige Leute meinen Rat ignorieren und versuchen, einen Schraubkranz zu warten, deshalb im Folgenden, wie es gemacht wird:

Man montiert den Schraubkranz auf ein Laufrad, damit man etwas hat, mit dem man ihn festhalten kann. Nun sollte man einen Ring mit zwei Löchern für einen entsprechenden Schlüssel sehen. Dies ist normalerweise der Ring, in dem der Markenname des Schraubkranzes eingestanzt ist und eventuell auch zwei Pfeile im Uhrzeigersinn und das Wort „remove“.

Falls man so einen Ring nicht sieht, kann es nötig sein, das kleinste Ritzel zu entfernen, um Zugang zu bekommen. Dies ist üblich bei Schraubkränzen mit Ritzeln von 13 Zähnen oder weniger. Man benötigt dazu zwei Kettenpeitschen, eine um das Ritzel abzuschrauben, eine zweite, um den Freilauf daran zu hindern, sich zu drehen, während man das Ritzel abschraubt.

Mit einem Hammer und einem flachen Schraubendreher dreht man den Ring im Uhrzeigersinn. Der Ring ist ein Lagerkonus mit einem Linksgewinde („verkehrtes“ Gewinde), und sobald man ihn entfernt hat, sieht man eine Reihe von 1/8″-Lagerkugeln und einen Stapel mit sehr dünnen Unterlegscheiben. Die Unterlegscheiben sind Abstandshalter und man kann sie entfernen, um das Lager enger einzustellen, falls der Schraubkranz zu viel Spiel hat.

Wenn man weiter zerlegen möchte, nimmt man einfach das Ritzelpaket an diesem Punkt ab und das Innenleben wird enthüllt, einschliesslich einer zweiten Reihe von 1/8″-Kugeln am Fuss des Schraubkranzes und einer oder zwei gefederten Sperrklinken, die den Ratschenmechanismus bilden.

Für die Montage kann man ein zähes Fett verwenden, um die Kugeln an der richtigen Stelle zu fixieren, während man die Einheit wieder zusammensetzt. Der trickreiche Teil sind die Sperrklinken. Früher gab es spezielle Klammern, um die Sperrklinken zusammenzuhalten, während man den Schraubkranz wieder zusammengesetzt hat. Dieser Klammern gibt es nicht mehr.

An Stelle der speziellen Klammern kann man auch ein Gummiband mit einem daran befestigten Faden verwenden. Man montiert die Sperrklinken, wickelt dann das Gummiband darum, um sie gegen ihre Federn zu drücken.

Sobald der äussere Teil des Schraubkranzes mehr oder weniger an seinem Platz ist, zieht man am Faden, um das Gummiband aus der Mitte herauszuziehen.

Verwenden Sie mittelfesten Schraubensicherungslack für den Sicherungsring, damit dieser sich nicht lösen kann.

Shimano ® Freilaufkörper

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freehubtoolDiese können in der gleichen Weise gewartet werden, wie konventionelle Schraubkränze. Man benötigt ein schwer zu beschaffendes, altes Spezialwerkzeug von Shimano (TL-FH 40), um die Abdeckung abzuschrauben, die gleichzeitig die Lagerschale des Hauptlagers bildet.