Bremsen und Abbiegen

von Sheldon „Front Brake“ Brown

überarbeitet von John „One Good Turn…“ Allen

Übersetzung von Arno Welzel, Original unter http://sheldonbrown.com/brakturn.html.

Bremsen – vorne, hinten oder beide?

Nachdem ihr Fahrrad zwei Bremsen hat, eine für jede Hand, müssen Sie besonders darauf achten, wie Sie jede von beiden benutzen, um so sicher wie möglich stehenzubleiben.

Gesunder Menschenverstand

Der gesunde Menschenverstand rät einem, beide Bremsen gleichzeitig zu verwenden. Dies ist möglicherweise ein guter Ratschlag für Anfänger die noch nicht gelernt haben ihre Bremsen geschickt einzusetzen, aber wenn Sie diese Stufe nicht überschreiten, werden Sie nie in der Lage sein so schnell und sicher zu bremsen, wie ein Fahrradfahrer, der gelernt hat die Vorderradbremse alleine einzusetzen.

Maximale Verzögerung – Notbremsungen

Die schnellste Möglichkeit, ein konventionelles Fahrrad abzubremsen, besteht darin, die Vorderradbremse so stark zu betätigen, dass das Hinterrad gerade vom Boden abhebt. In dieser Situation kann das Hinterrad nicht zum Bremsvorgang beitragen, da es keinen Bodenkontakt mehr hat.

Werde ich nicht über den Lenker stürzen?

Die Hinterradbremse ist ausreichend für Situationen, in denen die Bodenhaftung schlecht ist oder wenn der Vorderreifen geplatzt oder „platt“ ist. Beim Bremsen auf trockenem Boden liefert die Vorderradbremse aber die maximale Bremskraft, sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis.

Wenn Sie sich die Zeit nehmen, die Vorderradbremse richtig einzusetzen, werden Sie ein sicherer Fahrer sein.

Viele Fahrradfahrer scheuen sich die Vorderradbremse zu benutzen, in der Angst dabei über den Lenker zu stürzen. So etwas passiert, aber meistens Leuten die nicht gelernt haben die Vorderradbremse richtig zu dosieren.

Ein Fahrradfahrer, der sich beim Bremsen allgemein auf die Hinterradbremse verlässt, kann in eine Notsituation geraten und greift in seiner Panik nach der ungewohnten Vorderradbremse für zusätzliche Bremskraft. Dies kann die klassischen „Über den Lenker stürzen“-Unfälle verursachen.

Jobst Brandt hat eine sehr pausible Theorie, dass die typischen „Über den Lenker“-Unfälle nicht so sehr durch das zu starke Abbremsen verursacht werden, sondern viel mehr durch starkes Bremsen ohne gleichzeitiges Abstützen mit den Armen: Das Fahrrad bleibt stehen, die Schenkel des Fahrers bewegen sich nach vorne bis sie gegen den Lenker stossen, und das Fahrrad, das nicht mehr länger das Gewicht des Fahrers trägt, kippt nach vorne.

Dies kann nicht passieren wenn Sie nur die Hinterradbremse verwenden, denn sobald das Hinterrad abhebt, gibt es keine Bremswirkung mehr, die dadurch verursacht wurde. Unglücklicherweise braucht es aber mehr als doppelt so lange, nur mit der Hinterradbremse alleine zum Stehen zu kommen, weshalb es für jeden Fahrradfahrer, der schneller fährt, zu unsicher ist. Es ist wichtig, dass Sie ihre Arme einsetzen um sich selbst während einer starken Bremsung abzustützen, damit Sie Lenkerstürze zu vermeiden. In der Tat ist es eine gute Technik, sich auf dem Sattel soweit wie möglich nach hinten zu bewegen, um den Schwerpunkt möglichst weit nach hinten zu verlagern. Dies gilt sowohl für die Verwendung der Vorderradbremse, der Hinterradbremse oder beiden gleichzeitig. Die gleichzeitige Verwendung beider Bremsen kann ein „Schlingern“ bewirken. Wenn das Hinterrad rutscht, während gleichzeitig vorne gebremst wird, neigt das Hinterrad dazu, nach vorne zu schwingen, da das vordere Laufrad eine stärkere Verzögerung ausübt, als das hintere. Sobald das Hinterrad zu rutschen beginnt, kann es sich genauso leicht zur Seite bewegen, wie vorwärts.

Wenn Sie mir nicht glauben, kann Sie vielleicht John Forester überzeugen… sehen Sie sich seinen Eintrag in der rec.bicycles FAQ über die Verwendung der Vorderradbremse an. Unglücklicherweise hat der Betreiber dieser Site die Angewohnheit, Links häufig zu ändern, weshalb Sie evtl. im Index der rec.bycicles FAQ nachsehen müssen, um den Artikel zu finden. Oder lesen Sie den Ratschlag von John Allen durch (in Englisch).

Das Hinterrad rutschen zu lassen, nutzt den hinteren Reifen sehr schnell ab. Eine einzige Vollbremsung ausschließlich mit der Hinterradbremse bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h (30 mph) mit einem blockierten Hinterrad kann das Profil eines Straßenreifens hinunter bis zur Karkasse abnutzen!

Lernen, die Vorderradbremse zu verwenden

Die maximale Bremskraft entsteht, wenn die Vorderradbremse so stark betätigt wird, dass das Hinterrad gerade vom Boden abhebt. Wenn dies passiert, wird eine schwache Betätigung der hinteren Bremse dazu führen, dass das Hinterrad rutscht.

Wenn Sie ein konventionelles Fahrrad fahren, ist der beste Weg zum Erlernen der Beherrschung der Vorderradbremse, auf einem Parkplatz oder einem anderen sicheren Platz mit beiden Bremsen zu üben, aber die meiste Kraft in die Vorderradbremse zu geben. Pedalieren Sie, während Sie bremsen, so dass ihre Beine ihnen unmittelbar zeigen wann das Hinterrad anfängt zu rutschen. Drücken Sie die Bremshebel vorsichtig und zerren Sie nicht daran, so dass Sie spüren, wenn das beginnt. Üben Sie zunehmend stärkere Bremsvorgänge, bis dies beginnt, so dass sie das Gefühl einer starken Bremsung kennenlernen, bei der das Hinterrad fast abhebt.

Prüfen Sie die Bremsen auf diese Weise wann immer Sie ein unbekanntes Fahrrad fahren. Einige Bremsen sind empfindlicher als Andere und Sie müssen das „Gefühl“ der Bremsen kennen.

Sobald Sie sicher im Umgang mit der Vorderradbremse sind, üben Sie auch die Bremsen loszulassen, um die Kontrolle wieder zu erlangen, bis es eine automatische, reflexartige Reaktion ist. Ziehen Sie die Bremse bei einer sehr niedrigen Geschwindigkeit stark genug, so dass das Hinterrad zu rutschen beginnt oder gerade abhebt. Wenn das passiert, lassen Sie die Bremse sofort los. Tragen Sie ihren Helm.

Einige Fahrradfahrer bevorzugen es, ein Fahrrad ohne Freilauf, ein „Fixed Gear“, zu fahren. Wenn man auf einem „Fixed Gear“ vorne stark abbremst, gibt einem der Kettenantrieb eine hervorragende Rückmeldung über die Traktion des Hinterrads. (Dies ist einer der Gründe, weshalb „Fixed Gear“-Fahrräder für Fahrten im Winter bevorzugt werden.)

Wenn man auf einem „Fixed Gear“ nur vorne bremst, zeigen einem die Beine exakt, wann man die maximal mögliche Bremswirkung der Vorderradbremse erreicht. Sobald man das auf einem „Fixed Gear“ gelernt hat, wird man in der Lage sein, jedes Fahrrad besser abzubremsen, indem man nur die Vorderradbremse benutzt.

Wenn Sie das Konzept eines „Fixed Gear“-Fahrrads faszinierend finden, es gibt von mir einen Artikel über “Fixed Gear”-Fahrräder für die Benutzung auf Straßen und auch eine Seite mit Erfahrungsberichten über “Fixed Gear”-Fahrräder von glücklich „Bekehrten“.

Verwenden der Hinterradbremse

Geschickte Fahrradfahrer verwenden die Vorderradbremse alleine etwa zu 95%, aber es gibt Situationen, in denen die Hinterradbremse bevorzugt werden sollte:

Rutschige Oberflächen. Auf einem guten, trockenen Weg, ist es normalerweise unmöglich, das Vorderrad durch Bremsen zum Rutschen zu bringen. Auf einer rutschigen Oberfläche wiederum ist es aber eher wahrscheinlich. Es ist kaum möglich, ein rutschendes Vorderrad zu beherrschen. Wenn die Gefahr dafür hoch ist, sind Sie besser beraten, ihre Geschwindigkeit mit der Hinterradbremse zu steuern.

Unebene Oberfläche. Auf unebenen Oberflächen können die Laufräder springen und den Bodenkontakt verlieren. Wenn die Wahrscheinlichkeit dafür hoch ist, verwenden Sie nicht die Vorderradbremse. Wenn Sie die Bremse betätigen, während das Vorderrad in der Luft ist, wird es angehalten, und mit einem stehenden Laufrad während der Fahrt auf dem Boden aufzusetzen, ist keine gute Sache.

Platter Vorderreifen. Wenn der Vorderradreifen platzt oder plötzlich Luft verliert, sollten Sie nur die Hinterradbremse verwenden, um sicher anzuhalten. Ein Rad mit einen Reifen ohne Luftdruck abzubremsen kann dazu führen, dass der Reifen sich von der Felge löst, was sehr wahrscheinlich zu einem Unfall führt.

Gerissenes Bremsseil …oder andere Ausfälle der Vorderradbremse.

Verwenden beider Bremsen zusammen

Generell rate ich davon ab, beide Bremsen zusammen zu verwenden. Allerdings gibt es Ausnahmen:

Wenn die Vorderradbremse nicht kräftig genug ist, um das Hinterrad anzuheben, kann die Hinterradbremse helfen, aber das Beste ist es, die Vorderradbremse zu reparieren.

Typische Felgenbremsen verlieren erheblich an Effektivität, wenn die Felgen nass sind, so dass die Verwendung beider Bremsen zusammen den Bremsweg verkürzen kann.

Wenn die Vorderradbremse blockiert oder stottert, so dass Sie diese nicht weich abstimmen können, können Sie diese nur mit geringer Kraft am Bremshebel einsetzen. Auch hier ist eine Reparatur erforderlich.

Bei langen, durchgehenden Bergabfahrten kann ihre Hand für die Vorderradbremse ermüden oder Sie riskieren die Überhitzung eines Reifens bis er platzt. In diesem Fall ist es am Besten, die Arbeit auf beide Bremsen zu verteilen. Pumpende Wechsel zwischen der einen und der anderen Bremse erwärmt die Oberfläche jeder Felge nur kurz und baut mehr Hitze ab, bevor sich diese nach innen zu den Reifen ausbreitet. Wenn eine scharfe Abbremsung nötig ist, ist die Vorderradbremse wie üblich effektiver.

Wenn man sich in eine Kurve legt, verteilt sich die Traktion der Räder zwischen dem Bremsvorgang und der Kurvenfahrt. Wenn man beide Bremsen zusammen verwendet, reduziert das die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Räder rutscht und dadurch zum Sturz führt. Je stärker man sich in die Kurve legt, desto schwächer kann man bremsen, weshalb Sie ihre Geschwindigkeit vor einer Kurve anpassen sollten. Wenn Sie sich sehr stark in der Kurve neigen, müssen Sie die Bremsen sofort lösen.

Bei langen oder niedrigen Fahrrädern, wie Tandems oder Liegerädern mit langem Radstand ist die Wirkung der Vorderradbremse durch das Durchrutschen des Vorderrads begrenzt, da die Geometrie das Abheben des Hinterrades verhindert. Solche Fahrräder können am schnellsten abgebremst werden, indem man beide Bremsen gleichzeitig betätigt.

Warnung zu Tandems: Wenn Sie ein Tandem alleine fahren (kein Stoker an Bord), wird die Hinterradbremse wegen mangelnder Traktion praktisch wirklungslos. Die Gefahr des Schlingerns ist besonders hoch, wenn ein alleine fahrender Tandemfahrer beide Bremsen gleichzeitig benutzt. Dies trifft in geringerem Maß auch zu, falls der Stoker ein kleines Kind ist.

Welche Bremse auf welcher Seite?

Es gibt eine bemerkenswerte Uneinigkeit darüber, welche Bremse mit welchem Hebel verbunden werden soll:

  • Einige Fahrradfahrer sagen, es ist am besten, mit der stärkeren, rechten Hand (unter der Annahme, es handelt sich um Rechtshänder) die Hinterradbremse zu bedienen.
  • Motorradfahrer steuern mit der rechten Hand grundsätzlich die Vorderradbremse. Fahrradfahrer, die auch Motorrad fahren, bevorzugen daher diese Anordnung.

Es lassen aber auch nationale Trends beobachten:

  • In Ländern, in denen Fahrzeuge links fahren, ist es üblich, die Bremsen so zu montieren, dass die Vorderradbremse mit dem rechten Hebel bedient wird.
  • In Ländern, in denen Fahrzeuge rechts fahren, ist es üblich, die Bremsen so zu montieren, dass die Vorderradbremse mit dem linken Hebel bedient wird.

Die Theorie, die für mich an wahrscheinlichsten ist, ist dass diese nationalen Standards aus dem Problem entstanden sind, dass ein Fahrradfahrer in der Lage sein muss Handzeichen zu geben und dabei gleichzeitig die Hauptbremse erreichen soll. Diese logische Idee beruht unglücklicherweise auf der Annahme, dass die Hinterradbremse die Hauptbremse ist.

Aus diesem Grund montiere ich meine eigenen Fahrräder so, dass man mit der rechten Hand die Vorderradbremse betätigt, was aber nicht die Norm in den U.S.A. ist [Anm. d. Übers.: Das trifft auch auf viele Ländern Europas zu].

Ich verfahre auch so, weil ich Rechtshänder bin und mit meiner geschickteren Hand die kritischere Bremse bedienen will. Siehe dazu auch meinen Brief an das Bike Culture Magazin.

Andererseits, wenn Sie bereits eine Vorliebe entwickelt haben, sollten Sie am Besten dabei bleiben – oder fahren Sie mindestens einige Wochen unter wenig fordernden Bedingungen, um ihre Reflexe wieder zu trainieren. In einem Notfall müssen Sie schneller reagieren, als Sie nachdenken können. Wenn Sie zwischen einem Mac und einem Windows-PC wechseln, wo die selben Tasten unterschiedliche Zeichen erzeugen, oder zwischen einer Klarinette und einem Saxophon, wo sie unterschiedliche musikalische Noten erzeugen, wissen Sie, wie ihre Reflexe Sie aus dem Konzept bringen. Wenn Sie es gewöhnt sind, das Hinterrad mit der hinteren Bremse zu blockieren, kann das wechseln der Bremszüge zu einem Flug über den Lenker führen. Wenn Sie meistens die vordere Bremse verwenden, kann das wechseln der Bremszüge dazu führen, das Hinterrad zu blockieren und den Bremsweg zu verlängern. Diese Probleme sind besonders wahrscheinlich, wenn Sie ein unbekanntes Fahrrad benutzen, deshalb noch einmal, prüfen Sie die Bremsen mit einer leichten Betätigung, bevor Sie sich aufmachen.

Herauslehnen beim Abbiegen

Um mit einem Fahrrad abzubiegen, muss man sich in die Richtung, in die man abbiegen will, herauslehnen. Je schneller man fährt und je enger die Kurve ist, desto stärker muss man sich in die Schräglage begeben. Man hat keine Wahl, bei einer bestimmten Geschwindigkeit und einem bestimmten Kurvenradius muss der Schwerpunkt von Fahrrad/Fahrer zu einem gewissen Grad zur Seite verlagert werden oder das Fahrrad ist nicht im Gleichgewicht.

Worüber man Kontrolle hat, ist ob man das Fahrrad mehr, weniger oder gleich stark schräg stellt, wie den eigenen Körper, um den Schwerpunkt so weit zu verlagern, wie nötig.

Starkes schrägstellen des Fahrrads, während der Körper aufrecht bleibt

Dieser Ansatz ist bei Anfängern beliebt, die dafür zurückschrecken, sich seitwärts zu lehnen und die weniger die Orientierung verlieren, indem sie ihren Körper mehr aufrecht halten.

Diese Technik wird von einigen Rennfahreren und Trainern empfohlen, da man damit rutschende Räder besser in den Griff bekommt, aber ich glaube es nicht.

[Ich denke, hier gibt es etwas zu bedenken. Wenn man beginnt zu rutschen, ist man möglicherweise in der Lage, das Fahrrad nach oben zu reißen und die Laufräder vorrübergehend starker auf die Fahrbahnoberfläche zu drücken, um mehr Haftung zu bekommen – allerdings können die Seitenkräfte ein Laufrad auch zu einem Kartoffelchip verformen oder einen Schlauchreifen von der Felge rollen.

Rennfahrer bevorzugen es manchmal auch, ein Knie in der Innenseite einer Kurve nach außen zu stellen. Das Knie nach innen zu reißen kann möglicherweise auch helfen, ein rutschendes Rad abzufangen.

Siehe dazu auch die Bemerkungen von Jobst Brandt weiter unten – John Allen.]

Herauslehnen des Körpers während man das Fahrrad aufrecht hält

Dieser Ansatz ist bei Fahrern beliebt, die befürchten, mit dem Pedal die der Straße zu streifen. Diese Befürchtung betrifft speziell Fahrer von „Fixed Gears“ (Fahrräder ohne Freilauf), da sie während des Abbiegens nicht frei rollen können.

Diese Technik wird auch von einigen Rennfahrern und Trainern empfohlen, da man damit rutschende Räder besser in den Griff bekommt, aber ich glaube es nicht.

[Ich eben sowenig – aber, wie Sheldon sagt, es kann notwendig sein, um zu verhindern, dass man mit einem Pedal eines „Fixed Gear“-Fahrrads den Boden berührt – John Allen.]

Herauslehnen des Körpers und Fahrrads zusammen, um sie wie beim geradeaus fahren in einer Linie zu halten

Diese Technik hat den Vorteil, die Steuerachse, die Kontaktstellen zwischen Reifen und Untergrund und den Schwerpunkt in einer Ebene zu halten. Dadurch werden die Fahreigenschaften des Fahrrads beibehalten und die Wahrscheinlichkeit für rutschende Reifen reduziert. Sie können dies selbst mit einem Experiment überprüfen, das Jobst Brandt vorgeschlagen hat:

„Einige Fahrer glauben, dass das Herauslehnen eines Knies oder des Körpers weg vom Fahrrad das Abbiegen verbessert. Das Herauslehnen des Knies ist das selbe, was Fahrer ohne Pedalbügel machen, wenn sie ein Bein im Stil eines Motocrossfahrers herausstrecken. Es ist eine sinnlose, aber scheinbar sichere Geste, die auf unebenen Strecken sogar gegen den Fahrer arbeitet. Jedes Körpergewicht, das nicht mittig über dem Fahrrad sitzt (schrägstellen des Fahrrads oder Herauslehnen eines Knies) bewirkt eine seitliche Gewichtsverlagerung und dies verursacht ungewollte Richtungsänderungen, wenn der Untergrund nicht nicht eben ist. Das Gewicht vom Sattel zu bekommen wird mit solchen Manövern auch erschwert.

Um dies zu überprüfen, fahren Sie eine gerade, aber unebene Strecke, während Sie auf einem Pedal stehen und das Fahrad leicht schrägstellen. Beobachten Sie dabei, wie das Fahrrad einer zufälligen Linie folgt. Im Gegensatz dazu, wenn Sie mittig über dem Fahrrad fahren, können Sie freihändig perfekt geradeaus über unebene Strecken fahren. Wenn man sich über das Fahrrad herauslehnt, kann man keine gerade Linie über Unebenheiten der Strecke fahren, speziell in Kurven. Die beste Kontrolle hat man, wenn man mittig über dem Fahrrad bleibt.“

Ein Brief an Bike Culture

Das folgende ist ein Brief, den ich 1995 an das Bike Culture Magazin geschrieben habe, um einige der oben behandelten Punkte anzusprechen:

In Bike Culture #6, setzt Marek Utkin „unsinnige Standards“ der Fahrradindustrie herab. Er fängt mit wundervollen Beschuldigungen an, „im Verlauf der Geschichte haben Despoten versucht, jeden Aspekt ihrer Gesellschaft zu regulieren…“. Er fährt fort damit, Hitler mit der D.I.N. in Verbindung zu bringen und Stalin mit G.O.S.T. Unverständlicherweise vergisst er die starke Verbindung zwischen Napoleon und dem metrischen System zu erwähnen – eventuell mag er das metrische System und möchte nicht seine despotische Vorgeschichte zum Vorschein bringen.

Er erregt sich besonders über neue EU-Richtlinien, die festlegen, dass die Vorderradbremse mit der rechten Hand betätigt werden soll. „Die Probleme fangen an, wenn ein Fahrrad mit der Vorderradbremse auf der rechten Seite gefahren wird…in jedem Land, wo der Verkehr rechts fährt. Das Handzeichen zum Abbiegen nach links, über den Verkehr, ist viel gefährlicher als das Zeichen zum Abbiegen nach rechts. Mit der rechten Hand…nimmt das Gefahrenpotential durch die Vorderradbremse zu. Vorne abzubremsen, wenn man nur eine Hand am Lenker hat, kann zu einem instabilen Vorderrad führen. Darüber hinaus bewegt sich der Oberkörper des Fahrers nach vorne, wenn das Fahrrad abrupt abgebremst wird, was zu einem zusätzlichen Druck auf den rechten Teil des Lenker führt.“

Ich muß seine Haltung einem allgemeinen Mißverständnis über Bremsen zuschreiben. Bei Fahrrädern, wie nahezu bei allen Fahrzeugen mit Rädern, ist die Vorderradbremse die wichtigere und effektive Bremse. Die Vorderradbremse alleine kann ein Fahrrad doppelt so schnell zum Stehen bringen, wie die Hinterradbremse alleine, mit Ausnahme auf sehr rutschigen Oberflächen.

Unlücklicherweise haben viele Gelegenheitsfahrer und Nicht-Fahrradfahrer die falsche Vorstellung, dass die Verwendung der Vorderradbremse gefährlich ist und das man leicht das Vorderrad blockiert, über den Lenker stürzt und sich den Schädel bricht. Diese Art von Unfällen ist extrem selten und sehr unwahrscheinlich auf einem gut gewarteten Fahrrad, das von einem Fahrer benutzt wird, der gelernt hat, die Vorderradbremse gefühlvoll einzusetzen.

Die Gefahr besteht eher bei Fahrrädern mit beschädigten Felgen oder falsch eingestellten Bremsen. Die Gefahr ist noch größer bei Fahrern, die sich aus Gewohnheit nur auf die Hinterradbremse verlassen und plötzlich mit einer Notbremsung konfrontiert werden. Ein Fahrer in Panik, der keine Erfahrung mit der Vorderradbremse hat, betätigt diese im Notfall als letzte Rettung mit voller Kraft und wird möglicherweise einen Sturz erleiden.

Wenn Sie mir die Analogie zu Autos in diesen grünen Seiten vergeben, ein Fahrer, der nie einen Wagen mit kräftigen Bremsen gefahren hat, wird Anfangs einige Male damit in’s Rutschen geraten, wenn er ein Auto fährt, das entsprechend ausgerüstet ist. Das bedeutet aber nicht, dass etwas mit den kräftigen Bremsen nicht stimmt, sondern es bedeutet viel mehr, dass der Fahrer lernen muss, sie richtig einzusetzen.

Ich fahre regelmässig ein „Fixed Gear“-Fahrrad nur mit einer Vorderradbremse. Das ist ein hervorragender Weg, die feine Steuerung der Vorderradbremse zu lernen, da man durch den fehlenden Freilauf eine sehr gute Rückmeldung über die verbleibende Traktion am Hinterrad bekommt.

In den frühen 80ern wurde ich davon angesteckt, mit dem Mountain Bike in den Wäldern zu fahren und habe meinen Bremsstil komplett angepasst, um mit den unebenen Waldwegen zurechtzukommen.

1988 bin ich für ein Jahr nach Frankreich umgezogen und wieder zum Fahren auf Straßen zurückgekehrt. In der Nähe meines Hauses gab es ein wundervolles Stück Straße in Richtung des Tals, die La Route des Sept Tournants genannt wurde. Es ist eine Reihe von wechselnden Serpentinen, wundervoll asphaltiert, sehr gut gebaut. Ich habe dort regelmässig auf einer meiner bevorzugten Runden Abfahrten gemacht. Das Problem war, ich konnte nie wirklich schnell fahren, da ich immer das Gefühl hatte, die Traktion am Hinterrad zu verlieren und aus den Kurven zu fliegen. Nach einigem Monaten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich ängstlich wurde, nachdem ich ein mittleres Alter erreicht hatte. Ich erinnerte mich daran, dass ich früher ähnliche Kurven auf meinem alten „Fixed Gear“ ohne Hinterradbremse gefahren bin – Moment, vielleicht ist es genau das! Das nächste Mal, als ich diese Strecke fuhr, beschloss ich, meine nicht Hinterradbremse zu benutzen, solange ich nicht das Gefühl hatte, sie wirklich zu brauchen – ich würde langsam beginnen, nur so schnell, wie ich mich mit der Vorderradbremse alleine sicher fühlte.

Mirable dictu, ich bemerkte, dass ich wieder mein altes Selbst war! Es war in der Tat so, dass das Hinterrad immer kurz vor dem Abrutschen war, und das nur, weil ich die hintere Bremse benutzt hatte. Ohne die Wirkung der Hinterradbremse, gab es keine Gefahr mehr, dass das Hinterrad rutschen würde. Das Vorderrad hatte dank der Gewichtsverlagerung beim Einsetzen der vorderen Bremse, die ich immer noch benutzen musste, ebenso viel Traktion.

Viele Leute werden einem erzählen, dass es gefährlich ist, die Vorderradbremse in einer Kurve zu benutzen; Ich würde antworten, dass dies der Fall ist, wenn die eigene Technik zum Bremsen/Abbiegen nicht richtig ist. Der Schwerpunkt von Fahrer/Fahrrad muss in einer Kurve verlagert werden. Es gibt drei Wege, dies zu tun. Ein Weg ist es, das Fahrrad mehr oder weniger aufrecht zu halten, aber den Körper in die Kurve zu lehnen. Ein anderer ist es, den Körper mehr oder weniger aufrecht zu halten und das Fahrrad unter sich schräg zu stellen. Die dritte und normalerweise richtige Technik ist es, den eigenen Körper und den Rahmen des Fahrrads in einer Linie zu halten und Fahrrad und Fahrer als Einheit in die Kurve zu lehnen.

Fahrrad und Fahrer unterschiedlich stark schräg zu stellen verschlechert die Fahreigenschaften des Fahrrads, da der Schwerpunkt zur Ebene der Räder seitlich verlagert wird. Wird die Vorderradbremse währenddessen betätigt, bewirkt die Bremskraft gleichzeitig eine Richtungsänderung durch den nicht mehr mittig liegenden Steuersatz. Jobst Brand hat einen hervorragenden Weg, wie man sich selbst davon überzeugen kann: versuchen Sie eine gerade, aber unebene Straße zu befahren, während Sie das Fahrrad auf eine Seite lehnen, und ihren Körper auf die andere. Wenn sie mutig sind, versuchen Sie die Vorderradbremse sehr leicht zu betätigen.

Ich muss ein wenig zum Widerspruch sagen, ob Regierungsstellen den Menschen sagen sollten, wie sie ihr Fahrrad montieren. In den U.S.A., hat die De-Fakto-Regelung durch die Regierung dazu geführt, dass alle neu verkauften Fährrader obligatorisch die Vorderradbremse auf der linken Seite haben. Ich bin stark dagegen. Als Ergebnis davon hatte ich einen Beinahe-Unfall: Ich war mit einem ungewohnten Fahrrad unterwegs, dass die Vorderradbremse links hatte, obwohl ich es andersherum gewohnt bin. An einer Kreuzung wurde ich von einem Auto geschnitten und ich habe instiktiv mit der rechten Hand zugegriffen. Nachdem dies die Hinterradbremse war, konnte ich kaum rechtzeitig bremsen!

Ich werde einen weiteren Grund anführen, weshalb die Vorderradbremse rechts liegen sollte: Die meisten Menschen sind Rechtshänder. Ich denke, wir können alle zustimmen, dass die Vorderradbremse mehr Geschicklichkeit erfordert, als die Hinterradbremse; daher sollte sie der geschickteren Hand zugewiesen werden.