[[fahrrad:surly]]
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"Alltagscrosser"

Der Anfang

Wegen einem Totalschaden des Stahlrahmens an meinem ursprünglichen Alltagsrad habe ich mir im Juni 2005 einen neuen Rahmen - Surly Crosscheck - angeschafft und ein neues Fahrrad aufgebaut. Der Hinterbau hat horizontale Ausfallenden, ein Schaltauge, und eine Einbaubreite von 132,5 mm - damit ist es möglich wahlweise Rennradnaben mit 130 mm aber auch "MTB"-Naben oder Nabenschaltungen mit 135 mm einzubauen. Auch breitere Reifen und die Montage von Schutzblechen und Gepäckträger sind kein Problem.

Ursprünglich wollte ich vom alten Fahrrad möglichst viele Teile weiterverwenden - am Ende wurde es dann aber doch ein nahezu kompletter Neuaufbau. Das neue Hinterrad war schon vorher für das alte Fahrrad geplant und wurde selber eingespeicht (siehe auch Laufradbau).

"Do it yourself"

Rahmen

Der erste Schritt war die Versiegelung der Rahmenrohre, um übermässigem Rostbefall in den Rohren vorzubeugen - was Surly übrigens auch empfiehlt. Dazu habe ich "Caramba Hohlraumspray" für PKW verwendet - ein Mittel, dass zunächst flüssig in die Rohre gesprüht wird und nach einigen Stunden, wenn sich das Lösungsmittel verflüchtigt hat, eine wachsartige Schutzschicht bildet.

Steuersatz und Gabel habe ich bei dem Händler montieren lassen, wo ich die übrigen Teile gekauft habe. Der Rest wurde dann über gut drei Wochen nach und nach verbaut - mit einer richtigen Werkstatt wäre es wahrscheinlich schneller gegangen, aber ich hatte mir für die Übergangszeit ein billiges, gebrauchtes Fahrrad gekauft, dass einigermassen brauchbar war und mittlerweile bei meinem Bruder gute Dienste leistet.

Schaltung

Durch die Rahmengeometrie ist zwischen dem hinteren Schutzblech und dem Sattelrohr nur wenig Platz. Zuerst hat der Umwerfer überhaupt nicht gepasst. Ein "Down-Swing"-Modell, von dem ich dachte, dass es etwas unproblematischer wäre, half leider auch nicht. Ohne Schutzblech wäre es problemlos gegangen - aber für ein Alltagsfahrrad war das nicht die ideale Lösung. So blieb am Ende nur die Möglichkeit, das Schutzblech mit einem Abstandshalter an der unteren Querstrebe etwas weiter nach hinten zu versetzen. Auf diese Weise liess sich der Umwerfer montieren und das Hinterrad passt noch rein - wenn es auch beim Ein- und Ausbau mit aufgepumpten Reifen etwas knapp wird.

surly_umwerfer.jpg
Schutzblech hinten mit Umwerfer - knapper geht es kaum

Das Nexave-Schaltwerk vom alten Fahrrad mit der umgekehrten Aufhängung der Feder erwies sich auch als eher problematisch - die Verbindung aus der Kabelführung unterhalb des Tretlagers und des stärker gekrümmten Schaltzugstücks hinten führte dazu, dass es beim Wechsel auf grössere Ritzel recht "hakelig" wurde. Wenn ich den Zug aber so weit gelockert habe, dass diese Richtung problemlos funktionierte, ging es in die andere Richtung eher zögerlich.

Nach diversen Versuchen ist am Ende ein Schaltwerk mit "normaler" Arbeitsweise drangekommen, das zuverlässig arbeitet.

Als Ritzelpaket kommt eine Achtfach-Kassette zum Einsatz, die noch mit "7-fach-Ketten" benutzt werden kann, die mir etwas haltbarer erscheinen, als die schmaleren Ausführungen für 9- oder 10-fach-Schaltungen. Erfreulicherweise hat man mit einer modernen Kassettennabe eine sehr grosse Freiheit bei der Auswahl - sollte ich wider Erwarten doch mal Interesse an einer feineren Abstufung haben, kann ich relativ problemlos umrüsten.

Bremsen

Die ursprünglich verwendete Magura Felgenbremsen haben leider ein nerviges Problem entwickelt: Die Nehmerkolben entwickelten die Neigung, nicht mehr vollständig zurückzufahren, im Winter ging das teilweise so weit, dass die Bremsklötze an der Felge geschleift sind (auch mit vollständig zurückgedrehtem Belagverschleiss-Ausgleich). Nachdem weder ein Ölwechsel noch Reinigungsversuche eine dauerhafte Abhilfe gebracht haben, habe ich sie durch V-Brakes ersetzt und vorerst in Rente geschickt. Die V-Brakes bremsen mit Kool Stop-Belägen ebenfalls quietschfrei und zuverlässig und sind nicht wesentlich schlechter als die Maguras.

Licht

Schon am alten Fahrrad habe ich die Vorzüge eines Nabendynamos schätzen gelernt. Der Shimano HB-NX32 erwies sich aber nur bedingt als alltagstauglich, da die Lager im Winter durch eindringende Feuchtigkeit häufiger "eingefroren" sind und auch sonst nicht sonderlich haltbar erscheinen (deutliche Abnutzungserscheinungen der Konen trotz regelmässiger Wartung). Dieses Modell ist daher an mein Zweitfahrrad gekommen. Für das neue Alltagsrad habe ich mir einen SON (Schmidt Original Nabendynamo) geleistet, sowie zusätzlich zum Lumotec Oval Senso Plus einen Schmidt E6Z als zuschaltbares "Fernlicht", der mit einem Lampenhalter von Riese & Müller in Griffweite am Lenker befestigt ist.

surly_licht.jpg
Doppelscheinwerfer - Lumotec Oval Senso Plus, E6Z

Aktueller Zustand

Insgesamt ist das Fahrrad eine recht bunte Mischung aus Teilen und auch nicht gerade ein Leichtbaumodell - aber es funktioniert gut und fährt sich auch nach mittlerweile weit über 5000 km (Stand November 2007) immer noch sehr angenehm :-).

Nachdem Busch & Müller Ende 2007 einen neuen LED-Scheinwerfer - den Lumotec IQ Fly Senso Plus - auf den Markt gebracht hat, wurde die Beleuchtung vollständig durch dieses Modell ersetzt. Dieses Modell erreicht selbst bei geringem Tempo schon eine beeindruckende Lichtstärke und ist durch die leichte Verstellbarkeit (drei Raststufen) auch als "Fernlicht" geeignet. Selbst das Standlicht mit Kondensator ist immer noch heller als mancher Halogen-Scheinwerfer im regulären Betrieb.

Zur Verbesserung der "Allwetter-Tauglichkeit" habe ich das vordere Schutzblech noch mit einem selbstgebauten Spritzlappen verlängert. Die V-Brakes haben sich als sehr zuverlässig und wartungsarm erwiesen. Im Schnitt komme ich mit einem Satz neuer Beläge pro Jahr aus, wobei der Belagwechsel dank Cartridge-Belägen recht unspektakulär und ohne grosse Einstellarbeiten möglich ist.

Im März 2007 habe ich mich schliesslich endgültig von der Ultegra Hinterradnabe verabschiedet. Sie hat zwar grundsätzlich gut funktioniert - nur neigten die Sperrklinken im Freilauf gelegentlich zu unmotivierten Knackgeräuschen, mitunter auch zum Durchrutschen, wenn die Sperrklinken beim Anfahren nicht gleich eingerastet sind. Die Kette war noch vollkommen in Ordnung, ebenso die Ritzel. Nachdem ein neuer Freilaufkörper keine dauerhafte Abhilfe gebracht hat, habe ich schliesslich eine DT Swiss 340 road verbaut. Das Hinterrad hat dadurch zwar nur noch 32 statt 36 Speichen, was das ästhetische Bild etwas stören könnte (im Vergleich zum Vorderrad mit 36 Speichen) - man sieht es rein optisch aber wirklich nur, wenn man sehr genau hinschaut und die Stabilität ist ausreichend.

Die DT Swiss hat eine Lagerung mit zwei gedichteten Industrielagern und nochmal zwei Lager im Freilaufkörper - insgesamt sehr hochwertig verarbeitet und auch "gefühlsmässig" absolut präzise. Als Freilaufmechanik kommt ein System mit zwei gefederten Zahnscheiben zum Einsatz, dass sehr zuverlässig arbeitet und absolut simpel zu warten ist - man kann den Freilaufkörper einfach mit montiertem Zahnkranz ohne besonderes Werkzeug abziehen. Die ideale Ergänzung zum SON vorne ;-). Das gelegentliche Knacken vom Hinterrad her ist seitdem jedenfalls nicht mehr aufgetreten.

Zu guter letzt habe ich eher zufällig eine passende Sattelrohrschelle gefunden (30 mm Durchmesser - ein eher seltenes Maß), an der ich die Kupplung für den Anhänger befestigen konnte.

Die Ergon-Lenkergriffe waren durchaus nicht unangenehm - nur hat leider der weichere Griffgummi Auflösungserscheinungen entwickelt. Offenbar ist das Material für den Dauereinsatz mit verschwitzten Händen im Sommer nicht gut geeignet. Als Ersatz habe ich konventionelle Schaumstoffgriffe aufgezogen. Durch die Hörnchen, die mittlerweile ebenfalls Schaumstoff-Überzüge haben, reicht das auch aus.

Die Federsattelstütze ist zwischenzeitlich einer einfacheren, starren Ausführung gewichen, nachdem die Federung trotz Linearkugellagern nach einigen tausend Kilometern deutliches Spiel entwickelt hat. Tatsächlich vermisse ich Federung nicht. Notfalls gehe ich eben kurz aus dem Sattel, wenn der Weg etwas ruppiger wird. Der Sattel ist (wieder) ein Brooks Ledersattel, ebenfalls ohne Federung, dafür aber mit vorbehandeltem und etwas weicherem Leder und Schnürung zur Erhaltung der Form. Nach einigen, ernüchternden Versuchen mit "Dry Seat" als Regenschutz (drei Exemplare begannen nach einigen Monaten undicht zu werden) verwende ich derzeit die Brooks-Regenhülle, die deutlich robuster erscheint und ebenfalls unter dem Sattel verstaut werden kann. Die Anhängerkupplung sitzt mittlerweile in einem Adapter an der Sattelstütze, was ebenfalls eine solidere Lösung ist, als die Variante an der Sattelrohrschelle, wo nur eine verhältnismässig dünne Schraube verwendet werden konnte.

Update, Ende 2008:

Beim Scheinwerfer hat mich nach gut einem Jahr hat eine Schwäche zunehmend gestört: Der Lichtsensor ist im IQ Fly auf der linken Seite nach hinten ausgerichtet angebracht - das führt dazu, daß der Scheinwerfer allein durch den Lichtschein von überholenden Autos abgeschaltet wird bzw. auf das sichtbar dunklere Standlicht umschaltet. Zwar gibt es auch eine Schalterstellung für Dauerlicht - aber diese ist in der Mitte und nicht etwa an einer den Endpositionen. Zudem kommt man an den Schalter durch die Position des Scheinwerfers über dem Vorderrad nicht wirklich gut dran.

Ich habe mich schließlich Ende 2008 noch einmal für einen neuen Scheinwerfer entschieden - der Nachfolger des IQ Fly - "Cyo", der im Oktober 2008 auf den Markt kam. Gegenüber dem Fly ist der Cyo nochmal etwas heller und leuchtet einen größeren Bereich vor dem Fahrrad aus. Durch seine kompakte Form kann er auch gut am Lenker montiert werden - und der Sensor reagiert nicht sofort, sondern erst nach einigen Sekunden Dauerbeleuchtung. Schließlich kann man auch das Standlicht komplett abschalten, um nicht potentielle Diebe unnötig auf das Teil aufmerksam zu machen. Das ursprünglich verwendete Rücklicht ist an das Peugeot gekommen und wurde durch ein "Toplight Flat Plus" ersetzt, daß ebenfalls heller ist und durch die spezielle Form der Abdeckung aus einem größeren Winkel gut sichtbar ist.

Die folgenden Bilder gibt es jeweils auch größer - einfach anklicken:

Update, Anfang 2009:

Im Winter 2008/2009 war ich einige Zeit mit Spikereifen (Continental Nordic Spike) unterwegs. Dabei hat sich gezeigt, daß die Schutzbleche mit 42 mm schon sehr knapp waren. Ich habe deshalb breitere Schutzbleche mit 53 mm und für die Sommerbereifung auch "Breitreifen" (42-622) montiert. Die Verlängerung des Schutzblechs vorne fehlt bisher, wird aber auch bald nachgerüstet. Eine neue Kette wurde auch fällig - dabei hat sich herausgestellt, daß das mittlere Kettenblatt schon erhebliche Verschleißerscheinungen hatte und ebenfalls ausgewechselt werden musste.

Das folgende Bild ist Anfang April entstanden - hier kann man auch den Anhänger in Aktion sehen:

surly_2009_04.jpg

Update, März 2010:

Die Pedale sind leider im letzten Winter stark verrostet und wurden durch PD-A530 ersetzt. Das Rücklicht ist jetzt ein "Toplight Line Plus" mit abschaltbarem Standlicht.

Aktuelle Ausstattung:

Rahmen:Surly Crosscheck, 56 cm, schwarz
Gabel:Surly Crosscheck, schwarz
Steuersatz:Ritchey Scuzzy Logic Comp, 1 1/8" Aheadset
Vorbau:Bontrager "Select", sowie eine "Satori" Vorbauerhöhung 50 mm und diverse Spacer
Laufrad vorne:Exal ZX 19 (36 Loch)
Schmidt Original Nabendynamo (SON)
Schwalbe Gewebefelgenband
Schwalbe Schlauch mit Schrader-Ventil
Schwalbe Marathon 42-622 mit Reflexstreifen
Laufrad hinten:Exal ZX 19 (32 Loch)
DT Swiss 340 road und 8-fach-Kassette HG70 (11-12-14-16-18-21-24-28)
Schwalbe Gewebefelgenband
Schwalbe Schlauch mit Schrader-Ventil
Schwalbe Marathon 42-622 mit Reflexstreifen
Tretlager:Kinex, BSA, JIS-Vierkant, 110 mm Achslänge
Bremsen:Shimano LX V-Brakes BR-M580 mit Kool Stop "Dual Compound" Belägen und BL-M570 Bremshebeln
Schalthebel:Shimano Alivio Rapidfire SL-MC20 (3x8)
Umwerfer:Shimano Deore FD-M510, Top-Swing, Dual-Pull, 28,6 mm
Schaltwerk:Shimano XT RD-M751
Kurbel:Shimano Deore FC-M440-S, 175 mm Kurbellänge, 44-32-22
Pedale:Shimano PD-A530
Lichtanlage:BUMM Cyo, BUMM Toplight Line Plus
Sonstiges:Kette SRAM PC-971 mit wiederverwendbarem Verschlußglied
Schutzbleche SKS Bluemels, 53 mm, schwarz
Patentsattelstütze 27,2 mm
Sattel Brooks B17 Aged
Gepäckträger Tubus Cargo (CroMo-Stahl)
Hebie Hinterbauständer
XLC Flat Bar mit Hörnchen
Schaumstoff-Lenkergriffe und Schaumstoff-Überzüge für die Hörnchen
"Billy" Klingel
Fahrradcomputer Sigma BC1606L mit Trittfrequenzsensor
Hebie F1 Hochdeichselkupplung mit Sattelstützenadapter
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