Übersetzung von Arno Welzel, Original unter http://sheldonbrown.com/freewheels.html.


Klassische Schraubkränze

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von Sheldon "TickTickTick" Brown

Zerlegen von Schraubkränzen | Schmieren von Schraubkränzen | Schraubkränze abnehmen | Shimano Freilaufkörper | Ritzel austauschen

Schraubkranz- und Kassettennabe
Klassischer Schraub-
kranz mit Gewinde
Klassische Nabe
mit Gewinde
 KassettennabeRitzelkassette

Schraubkranz- oder Kassettennabe?

Ältere Mehrgang-Fahrräder sind mit einfacheren Hinterradnaben ausgestattet, die ein Gewinde auf der rechten Seite des Nabengehäuses aufweisen. Klassische Schraubkränze verwenden passende Gewindegänge, durch die sie auf die Nabe geschraubt werden.

Das ist anders als beim modernen Design der "Kassettennaben", bei dem der Freilauf-Mechanismus einen mehr oder weniger festen Bestandteil der Nabe bildet. Siehe dazu auch meinen Artikel über Kassettennaben.

Ein Standard-Schraubkranz wird auf der Nabe montiert, indem man ihn auf das entsprechende Gewinde der Nabe dreht. Durch die Kräfte beim Pedalieren wird der Schraubkranz fester auf das Gewinde gezogen, so dass für die Montage keine zusätzlichen Werkzeuge nötig sind.

Zum Abnehmen eines Schraubkranzes wird ein spezielles Werkzeug benötigt, dass als "Abzieher" bezeichnet wird.

Dieses Werkzeug ist eine Einheit mit Nuten, die in einem Schraubstock eingespannt oder mit einem Schraubenschlüssel gedreht wird. Die Nutzen greifen in die entsprechenden Aussparungen im inneren (nicht-drehenden) Teil des Freilaufkörpers. Verschiedene Marken von Schraubkränzen verwendeten unterschiedliche Nut-Muster, aber es gab eine Tendenz zum Aufbau von Shimano als Standard.

Ältere Schraubkränze hatten einfache Aussparungen und passende Abzieher mit zwei oder vier "Greifern". Dieses obsolete System war anfällig für Ausfälle und es passiert leicht, das Werkzeug und den Schraubkranz bei einem Demontageversuch zu runieren. Wenn so ein Werkzeug eingesetzt wird, sollte es gegen den Schraubkranz mit einer Mutter oder einem Schnellspanner auf der Nabenachse gesichert werden.

Da die Kräfte beim Pedalieren den Schraubkranz umso fester auf das Gewinde der Nabe ziehen, je mehr Kraft über die Pedale einwirkt, kann es mit der Zeit ziemlich schwierig werden, einen Schraubkranz zu entfernen, der auf einem Tandem oder in sehr niedrigen Übersetzungen benutzt wurde. Die übliche Technik zur Demontage eines Schraubkranzes ist es, den Abzieher in einen Schraubstock einzuspannen und das Laufrad abzuschrauben. Wenn der Schraubstock flexibel genug ist, funktioniert es besser, wenn das Laufrad in einer vertikalen Position ist; das erlaubt es kräftiger zu drehen, ohne dass man mit den Füssen auf dem Boden rutscht.

Ein alternativer Ansatz, der, wie ich finde, bei wirklich hartnäckigen Schraubkränzen gut funktioniert, ist die Verwendung eines Ringschlüssels, um den Abzieher zu halten und den Griff des Schlüssels mit einem grossen Gummihammer zu schlagen. Ich verwende dazu eine Kettenpeitsche von Park Tool, da sie ein Loch im Griff enthält, in das die Abzieher von Park Tool perfekt passen. Das Standard-ISO-Gewinde von Schraubkränzen ist 1,375 x 24 TPI, der selbe wie für Innenlager.

TypeGewindespezifikationÄquivalent
I.S.O.1.375" x 24 tpi34.92 x 1.048 mm
Englisch1.370" x 24 tpi34.80 x 1.058 mm
Französisch34.7 x 1 mm1.366" x 25.4 tpi
Italienisch35 mm x 24 tpi1.378" x 1.058 mm
Metrisch BMX30 mm x 1 mm1.181" x 25.4 tpi

Geschichte der Schraubkränze

Bei älteren, europäischen Schraubkränzen, wurden alle Ritzel aufgeschraubt. Die grossen Ritzel wurden dabei besonders fest angezogen. Die beiden grössten Ritzel hatten Linksgewinde und wurden von der Rückseite des Schraubkranzes her montiert, so dass es unöglich war sie auszutauschen, ohne den Schraubkranz von der Nabe zu entfernen.

In der Praxis hat man niemals alle Ritzel auf einmal entfernt, weil ein Ritzel benötigt wurde, um den Schraubkranz am zu halten, während man das gewünschte Ritzel abgeschraubt hat. (es gab spezielle Werkzeuge, um das letzte Ritzel abnehmen zu können, aber ich fand nie, dass man so etwas braucht.) Es waren 2 oder 3 verschiedene Gewindegrössen auf einem Schraubkranz üblich, so dass Ritzel, die für eine Position gedacht waren, nicht unbedingt an einer anderen Position passten. Schraubritzel hatten auch eingebaute Abstandshalter, so dass sie nur in einer Richtung verwendet werden konnten.

In der Mitte der 1970er hat Sun Tour und später Shimano das Schraubkranz-Geschäft der lange etablierten, europäischen Hersteller, wie Atom, Campagnolo, Cyclo, Everest, Maillard, Regina, TCD... übernommen. Sie erreichten dies durch überlegenes Design und gute Verarbeitung, obwohl die Metallurgie der japanischen Produkte nicht so gut war:

 

Schraubkränze abnehmen

Schraubkränze werden ohne Werkzeug auf die Nabe gedreht und werden dann, wenn man das Rad fährt, durch die Kräfte beim Pedalieren festgezogen. Ein Schraubkranz, der eine lange Zeit benutzt wurde, besonders bei einem kräftigen Fahrer und niedrigen Gängen, kann schwer zu entfernen sein, weil er so fest aufgeschraubt ist.

Man kann einen Schraubkranz mit der Hand festschrauben, einfach indem man die Ritzel im Uhrzeigersinn dreht. Wenn er entfernt werden soll, helfen die Ritzel dabei nicht, weil sie durch den Freilaufmechanismus gegen den Uhrzeigersinn frei frehen. Man benötigt ein spezielles Werkzeug, einen "Abzieher", um den feststehenden Teil des Freilaufs zu greifen.

Ältere Designs verwendeten ein Werkzeug mit zwei Greifern, die in entsprechende Aussparungen des Freilaufkerns passten. Die Form und die Abstände dieser Greifer unterschieden sich von einer Marke zur anderen. Häufig wurden die Greifer abgerundet oder abgebrochen und ruinierten den Schraubkranz. Wenn die Greifer oder Aussparungen einmal beschädigt sind, gibt es keinen Weg, den Schraubkranz zerstörungsfrei zu entfernen. (Die letzte Möglichkeit ist, den Schraubkranz zu zerlegen, den Kern in einem Schraubstock einzuspannen und dann das Laufrad abzuschrauben.)

Bevor man einen Schraubkranz mit einem 2-Greifer-Abzieher entfernen will, ist es sehr wichtig, den Abzieher gegenüber dem Schraubkranz zu sichern, indem man ihn mit einer Achsmutter oder Schnellspanner fixiert (ohne die Federn im Schnellspanner.)

Hinweis: Sobald der Schraubkranz gelockert ist, muss die Achsmutter oder der Schnellspanner gelöst werden, damit der Schraubkranz weiter abgeschraubt werden kann.

Neuere Schraubkränze verwenden Abzieher mit Mehrfachverzahung, die eine deutlich bessere Verbindung herstellen, als die alten Designs mit zwei Greifern. Diese Art von Abziehern benötigt keine besondere Sicherung.

Einige, weit verbreitete Abzieher
Park FR-1

FR-1
Aktuelles Shimano-Modell mit grosser Vielzahnaufnahme, 12 Zähne
(funktioniert auch mit SRAM/Sachs und den meisten HG-Verschlussringen.)

Park FR-2
FR-2
Sun Tour 2 Greifer.
Park FR-3
FR-3
Sun Tour 4 Greifer.
Park FR-4
FR-4
Atom/Regina Vielzahn, 20 Zähne.
(Etwa der selbe Aussendurchmesser wie ein amerk. Nickel.)
Der übliche Weg für den Einsatz eines Abziehers ist, ihn in einen Schraubstock einzuspannen und das Laufrad vom Schraubkranz abzuschrauben. Wenn eine Achsmutter oder ein Schnellspanner verwendet werden, ist zu beachten, dass man diese löst, sobald der Schraubkranz gelockert ist.

Bei wirklich festen Schraubkränzen, helfen manchmal kräftige Stösse, falls die Methode mit dem Schraubstock fehlschlägt. Ich mache das, indem ich einen Ringschlüssels verwende, um den Abzieher zu halten und den Griff des Schlüssels mit einem grossen Gummihammer zu schlagen. Dazu verwende ich eine Kettenpeitsche von Park Tool, da sie ein Loch im Griff enthält, in das die Abzieher von Park Tool perfekt passen. Das Standard-ISO-Gewinde von Schraubkränzen ist 1,375 x 24 TPI, der selbe wie für Innenlager:

Der professionelle FRW-1 Griff und die SR-1 Kettenpeitsche.

DESCRIPTION

Entfernen durch Zerstörung

Wenn man einen alten Schraubkranz entfernen will und nicht vorhat, ihn weiter zu verwenden, kann man ihn auch durch Zerstörung entfernen. Dies ist oft eine sinnvolle Option, falls man keinen passenden Abzieher hat oder für den Fall, dass die Nuten im Schraubkranz durch erfolglose Versuche beschädigt sind.

Dazu ist der Schraubkranz wie unten beschrieben zu verlegen. Danach werden die Sperrklinken entfernt und der Kern wird in einem stabilen Schraubstock eingespannt. Das Laufrad kann dann in der üblichen Richtung gegen den Uhrzeigersann abgeschraubt werden.

 

Schmieren von Schraubkränzen

Schraubkränze sollten von Zeit zur Zeit mit einem mittelschweren Öl geschmiert werden. Das ist leicht durchzuführen und erfordert in der Regel keine Demontage.

Das Fahrrad sollte mit dem Hinterrad in der Luft und in einem Winkel von etwa 45 Grad nach Links gehalten werden. Eine zweite Person kann hilfreich dafür sein. Nun werden die Pedale einige Mal gedreht, um das Hinterrad in eine schnelle Rotation zu versetzen und sich dann frei drehen zu lassen (ein hoher Gang ist dabei hilfreich).

Wenn man in das kleinste Ritzel schaut, sieht man, dass das Ritzel steht, während das Laufrad sich dreht, aber man sieht den inneren Teil des Schraubkranzes, der sich mit dem Laufrad dreht. Man gibt einige Tropfen Öl auf den Schlitz zwischen dem sich drehenden und dem feststehenden Teil. Schwerkraft und Kapillarkräfte helfen dabei, das Öl in den Schraubkranz zu befördern.

Dies wiederholt man einige Male, bis der Klang der Sperrklinken sich ändert (sie werden normalerweise leiser, wenn das Öl sie erreicht.

Das sollte etwa einmal im Jahr getan werden, oder immer dann, wenn das Geräusch des Freilaufs laut kratzig wird.

 

Ritzel austauschen

Die meisten Mehrgangschraubkränze haben ersetzbare, austauschbare Ritzel. Es war eine übliche Dienstleistung von Fahrradgeschäften, Schraubkränze in jeder gewünschten Ritzelkombination aufzubauen. Unglücklicherweise, sind Austauschritzel durch den allgemeinen Rückgang von Schraubkränzen nicht mehr so leicht direkt verfügbar, wie es einst der Fall war.

Um die Ritzel von einem Schraubkranz zu entfernen, verwendet man normalerweise zwei Kettenpeitschen: eine, um das Ritzel abzuschrauben, die zweite, um den Freilauf daran zu hindern, sich zu drehen. Man kann an Stelle der zweiten Kettenpeitsche auch einen speziellen Schlüssel verwenden. Bei älteren, europäischen Schraubkränzen, wurden alle Ritzel aufgeschraubt. Die grossen Ritzel wurden dabei besonders fest angezogen. Die beiden grössten Ritzel hatten Linksgewinde und wurden von der Rückseite des Schraubkranzes her montiert, so dass es unöglich war sie auszutauschen, ohne den Schraubkranz von der Nabe zu entfernen. Aufgrund der geringen Übersetzung der grösseren Ritzel, wurden sie normalerweise sehr, sehr fest angezogen und erforderten eine beachtliche Kraft, um sie wieder abzuschrauben. Die kleineren Ritzel wurden von aussen, mit einem normalen Rechtsgewinde aufgeschraubt. Bei dieser Art von Schraubkranz ist es unmöglich, alle Ritzel gleichzeitig ohne einen speziellen Schlüssel dafür zu entfernen, aber es ist auch nie nötig.

Als die Japaner den Schraubkranz-Markt etwa in der Mitte der 1970er übernahmen, war eine der Hauptvorteile, den sie anboten, dass nur zwei der kleinsten Ritzel aufgeschraubt werden, während die anderen einfach nur auf den Freilaufkörper gesteckt wurden. Die Ritzel hatten Aussparungen, die zu den entsprechenden Nuten im Freilaufkörper passten. Da nur die kleinsten Ritzel abgeschraubt werden mussten, war diese Art von Schraubkranz viel einfacher in der Wartung.

Shimano Hyperglide-Schraubkränze verwendeten durchgängig Ritzel mit Aussparungen und einen Verschlussring mit Gewinde, ähnlich dem System, dass bei Hyperglide-Kassettennaben verwendet wird.

 

Schraubkranz warten

Hinweise: Ich rate davon ab, weil es die Schwierigkeiten nicht wert ist. Der Schraubkranz ist das unwichtigste Lager an einem Fahrrad, da er sich nur dreht, wenn er keine Last trägt.

Trotzdem werden einige Leute meinen Rat ignorieren und versuchen, einen Schraubkranz zu warten, deshalb im Folgenden, wie das gemacht wird:

Man montiert den Schraubkranz auf ein Laufrad, damit man etwas hat, mit dem man ihn festhalten kann. Nun sollte man einen Ring mit zwei Löchern für einen entsprechenden Schlüssel sehen. Dies ist normalerweise der Ring, in dem der Markenname des Schraubkranzes eingestanzt ist und eventuell auch zwei Pfeile im Uhrzeigersinn und das Wort "remove".

Falls man so einen Ring nicht sieht, kann es nötig sein, das kleinste Ritzel zu entfernen, um Zugang zu bekommen. Dies ist üblich bei Schraubkränzen mit Ritzeln von 13 Zähnen oder weniger. Man benötigt dazu zwei Kettenpeitschen, eine um das Ritzel abzuschrauben, eine zweite, um den Freilauf daran zu hindern, sich zu drehen, während man das Ritzel abschraubt.

Mit einem Hammer und einem flachen Schraubenzieher dreht man den Ring im Uhrzeigersinn. Der Ring ist ein Lagerkonus mit einem Linksgewinde ("verkehrtes" Gewinde), und sobald man ihn entfernt hat, sieht man eine Reihe von 1/8"-Lagerkugeln und einen Stapel mit sehr dünnen Unterlegscheiben. Die Unterlegscheiben sind Abstandshalter und man kann sie entfernen, um das Lager enger einzustellen, falls der Schraubkranz zu viel Spiel hat.

Wenn man weiter zerlegen möchte, nimmt man einfach das Ritzelpaket an diesem Punkt ab und das Innenleben wird enthüllt, einschliesslich einer zweiten Reihe von 1/8"-Kugeln am Fuss des Schraubkranzes und einer oder zwei gefederten Sperrklinken, die den Ratschenmechanismus bilden.

Für die Montage kann man ein zähes Fett verwenden, um die Kugeln an der richtigen Stelle zu fixieren, während man die Einheit wieder zusammensetzt. Der trickreiche Teil sind die Sperrklinken. Früher gab es spezielle Klammern, um die Sperrklinken zusammenzuhalten, während man den Schraubkranz wieder zusammengesetzt hat. Dieser Klammern gibt es nicht mehr.

An Stelle der speziellen Klammern kann man auch ein Gummiband mit einem daran befestigten Faden verwenden. Man montiert die Sperrklinken, wickelt dann das Gummiband darum, um sie gegen ihre Federn zu drücken.

Sobald der äussere Teil des Schraubkranzes mehr oder weniger an seinem Platz ist, zieht man am Faden, um das Gummiband aus der Mitte herauszuziehen.

 

Shimano® Freilaufkörper

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Diese können in der gleichen Weise gewartet werden, wie konventionelle Schraubkränze. Man benötigt ein schwer zu beschaffendes, altes Spezialwerkzeug von Shimano (TL-FH 40), um die Abdeckung abzuschrauben, die gleichzeitig die Lagerschale des Hauptlagers bildet.Freehub disassembly tool


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